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PolarNEWS Magazin - 21 - D

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Kunst Cerny Inuit

Kunst Cerny Inuit Collection präsentiert Mehr als eine Legende Von allen Inuit-Legenden ist die Geschichte von Sedna, der Mutter aller Meeressäuger, eine der bedeutendsten. Sie handelt von der Verbundenheit von Mensch und Natur und davon, dass die Menschen den Regeln der Natur folgen müssen. In der Inuit-Kultur der mündlichen Überlieferung haben sich verschiedene Varianten herausgeformt, im Kern aber bleiben sie gleich. Die Legende erzählt von einer schönen, aber eitlen jungen Frau, die ihre Bewerber stets abweist. Der Vater gibt sie schliesslich einem Mann mit, dessen Gesicht verhüllt ist. Wie sich herausstellt, ist der Mann ein Vogel und Sednas neues Zuhause ein Nest in den steilen Klippen über dem Meer. Sedna weint und klagt so laut, dass der Vater ihre Stimme vernimmt, ein schlechtes Gewissen kriegt, in sein Kajak steigt und seine Tochter befreit. Doch auf dem Rückweg greift der Vogel das Kajak an, indem er mit den Flügeln schlägt und einen heftigen Sturm auslöst. Der Vater fürchtet um sein Leben und wirft seine Tochter aus dem Kajak. Sedna klammert sich so verzweifelt an das Boot, dass der Vater ihr die Finger abschneidet. Die junge Frau versinkt. Die Finger verwandeln sich in Meeressäuger, und Sedna herrscht seither auf dem Grund des Meeres über sie. Zudem hat die Königin den Menschen Regeln auferlegt, wie sie sich in und mit der Natur zu verhalten haben. Brechen die Menschen diese Regeln, entfacht Sedna einen wilden Sturm und hält die Meeressäuger mit ihren langen Haaren gefangen, sodass die Menschen auf der Jagd leer ausgehen und Hunger leiden müssen. Soviel zur Legende. Sednas Zorn erfordert die Intervention des Schamanen. In der spirituellen Welt taucht er auf den Grund des Meeres und kämmt so lange Sednas Haar, bis die darin verfangenen Tiere wieder freikommen und somit die Jagd somit wieder erfolgreich und das Gleichgewicht der Natur wiederhergestellt ist. In der Kunst der Inuit wird die Geschichte von Sedna vielfältig umgesetzt – je nach Region ist die Hauptperson eine Seehundoder Walrossfrau oder der Sohn eines Wales. Das Motiv dieser Legende findet sich auch in vielen Kulturen weltweit. Im Nordatlantik ist die Herrscherin des Wassers präsent als Selkie, Undine oder Cruithne. In der slawischen Mythologie bewohnt Rusalka die Flüsse und Seen. Man kennt Sedna in Afrika und in der Karibik als Mami Wata, in Indien und Thailand als Suvannamaccha und in Australien als Wihrin. Sogar in der Schweiz sieht man sie im Engadin als Sgraffito an eine Hauswand gemalt. Martha Cerny, Kuratorin Cerny Inuit Collection Inuit-Kunst Die Cerny Inuit Collection ist eine der weltweit umfassendsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst aus dem hohen Norden. Mit ihren Werken aus Kanada, Sibirien sowie Exponaten weiterer Regionen aus dem Polarkreis ist sie in ihrer Form einzigartig, da sie Kunstwerke von beiden Seiten der Beringstrasse enthält. Die Exponate wecken das Interesse an den Bewohnern der polarnahen Regionen, ihren Lebensweisen und ihren Kulturen. Damit leistet die Kunst einen Beitrag zur Erhaltung der Kulturen und wird zu einem völkerverbindenden Element. Ein Teil der Werke thematisiert auch die Nachhaltigkeit, die im Polarkreis fühlbare hohe Umweltbelastung, und lässt die globalen Zusammenhänge erkennen. Peter und Martha Cerny, die Inhaber der Cerny Inuit Collection, präsentieren in jeder Ausgabe von PolarNEWS Kunst und Kultur der polaren Völker. Die museale Sammlung ist öffentlich zugänglich: Mittwoch bis Samstag von 13.00 bis 18.00 Uhr. Voranmeldung empfohlen. Stadtbachstrasse 8a, 3012 Bern, Schweiz Tel.: +41 31 318 28 20, Mobile: +41 79 313 90 13, Email: cerny.inuit@bluewin.ch, www.cernyinuitcollection.ch 34 PolarNEWS

Im Uhrzeigersinn, von oben: Abraham Anghik Ruben: Sedna Sergei Nikitin: Walrossfrau Paul Toolooktuk: Sedna Luba Eines: Seehundfrau Toonoo Sharkey: Sedna Bilder: zvg PolarNEWS 35

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