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PolarNEWS Magazin - 21 - D

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Touristen auf Hundeschlitten durch die Gegend (naja, immerhin acht Hunde pro Schlitten). Schneeschuh- und Skitouren-Läufer wandern mit Rucksäcken bepackt durch die Täler. Die Weite, die umwerfend schöne Landschaft, die Kälte und der Kitzel der Gefahr durch Eisbären machen Longyearbyen zu einem internationalen Mekka für Winterfreaks. Das klingt dramatisch: ein Wintersport-Hotspot im sensiblen ökologischen Gleichgewicht der Arktis. Ist es aber nicht. Die Belastung wird stark relativiert durch den Umstand, dass es hier so kalt ist: Nur die wirklich erfahrenen und extremen Wintersportler kommen hierher, und das macht das ganze Treiben sehr überschaubar. Und es leben ja auch viele Forscher in Longyearbyen, zum Nutzen der internationalen Wissenschaft. Was Longyearbyen als Touristenort ebenfalls sehr speziell macht, ist der Umstand, dass in ganz Spitzbergen keine Inuit zu Hause sind. Niemand, den man als Eingeborenen bezeichnen könnte. Alle, die in Longyearbyen leben, sind Zugereiste, sie tun das freiwillig und vorübergehend. Für ein paar Monate, für ein paar Jahre. Die wollen das so – und finden es deshalb grossartig, hier zu sein. Das erklärt die verschwörerische Coolness der Leute in den Restaurants und Bars, der einzigen Form von Nachtleben in Longyearbyen. Wer sich nicht selbst versorgen kann, pflegebedürftig oder zu alt ist, darf übrigens kraft des norwegischen Gesetzes nicht in Spitzbergen leben. Und wer ins Spital muss, wird per Superpuma nach Tromsö aufs Festland ausgeflogen. Jahrtausende Guten Gewissens besteigen wir am nächsten Morgen unsere Skidoos: Die Krönungstour zur Ostküste steht bevor, neun Stunden unterwegs, am Ende des Tages werden wir bei strahlend schönem Wetter knapp 200 Kilometer zurückgelegt haben. Ziel der Reise ist die Mohnbucht, ein rund 10 Kilometer breiter Fjord, in den die Hayesbreenund der Heuglinbreen-Gletscher münden. Das Meer ist noch beinhart zugefroren, wir können uns also die Gletscherkante rundherum aus der Nähe ansehen. Der Anblick lässt uns in Demut verstummen: Das Kanteneis ist 1500 bis 2000 Jahre alt, es schimmert matt in Schattierungen von Grünblau bis Glasklar und ist durchzogen mit schwarzen Adern. So etwas gleichermassen Kraftvolles und Bizarr-Schönes habe ich noch nie gesehen. Die Dimension von Zeit, Grösse und Form übersteigt schlicht mein Fassungsvermögen. Zweitausend Jahre... Am Abend im Restaurant fällt es mir schwer, cool zu sein. «Abgehoben» trifft es besser. Der kleine Ausflug am nächsten Tag mit den Hundeschlitten wirkt dagegen wie eine Kutschenfahrt in Interlaken: heiter, aber flüchtig. Zugegeben: Der Ausflug dauert auch bloss eine Stunde und ist quasi als Zückerchen nach den Skidoo-Touren gedacht, weshalb ich kaum mehr darüber sagen kann, als dass ich gerne mal eine ganze Woche mit den Hunden unterwegs wäre. Das wäre dann auch ein triftiger Grund, wieder nach Spitzbergen zu kommen. Doch die Heimat ruft. Wir fliegen zurück nach Hause, die Reisegruppe löst sich am Flughafen Zürich mit herzlichen Umarmungen auf, und bei mir zu Hause angekommen, scheint mir der angebrochene Frühling mit seinen ersten Schneeglöckchen und den knospenden Bäumen irgendwie... ausserirdisch. Reibekante im Eis (oben), Bruch im Meereis der Mohnbucht (unten). 33

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