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PolarNEWS Magazin - 21 - D

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naten verriet – und

naten verriet – und natürlich dessen Zugweg vermass: Das Tier wanderte 29’000 Kilometer weit! Ebenso krass mutet die Beobachtung eines jungen See-Elefanten-Männchens an, das sich im Januar 1995 an der Südostküste der Osterinsel im Pazifik aufgehalten hatte. Von der Osterinsel zur nächstgelegenen See-Elefanten-Kolonie sind es immerhin gute 7000 Kilometer! Dies ist höchstwahrscheinlich die weiteste Ausbreitungsbewegung, die von dieser Robbenart bisher bekannt wurde. Aber nicht nur solche Rekordstrecken lassen uns staunen, auch die «ganz normalen» Schwimmdistanzen sind beachtenswert. Hier ein paar Beispiele aus den neuesten Forschungsberichten: • See-Elefanten von der King-George-Insel (Südshetland-Inseln) zogen entlang der Ostseite der Antarktischen Halbinsel bis 75 Grad südlicher Breite und befanden sich schliesslich über 1500 Kilometer von ihrer Kolonie auf King George entfernt. • Während sich Tiere von der Macquarie- Insel zur Nahrungssuche im Südsommer zwischen 644 und 2555 Kilometer weit entfernten, waren die Reisestrecken im Winter beträchtlich länger: Zwischen rund 1500 und 3900 Kilometern lagen die Nahrungsgebiete dann entfernt. • Ein ausgewachsenes Männchen, das auf der Marion-Insel im Indischen Ozean besendert worden war, traf nach einer Ausbreitungswanderung von 3860 Kilometern aus dem angestammten Lebensraum hinaus auf der Insel Gough im Südatlantik ein. • Unterschiedliche Jahrgänge wandern verschieden weit: Während einjährige See- Elefanten bis zu 2300 Kilometer weit reisten, brachten es die zweijährigen auf 5100 Kilometer. • 85 Kilometer ist die Distanz, die als bisher längste Tagesstrecke bei einem See-Elefanten gemessen wurde. Tauchen, so oft es geht Den Zoologen ist bekannt, dass Südliche See-Elefanten ihren Nahrungsgebieten jahrelang die Treue halten und auf Nahrungssuche immer wieder in die gleichen Zonen des Südozeans zurückkehren. Genauso übrigens, wie sie normalerweise auch an dieselben Strände zurückkehren. Die Bellingshausen-See und die Westseite der Antarktischen Halbinsel sind solche bedeutende Nahrungsgebiete. Da stellt sich die Frage: Wie finden die eigentlich in diese Gegenden im offenen Meer zurück? Über die Navigationsmethoden der See- Elefanten gibt es nur Hypothesen. Meeresströmungen und Wirbel im Bereich der verschiedenen Wasserfronten mit ihren unterschiedlichen Temperaturen und Dichteverhältnissen können genauso eine Rolle spielen wie Temperaturgradienten, niederfrequente Geräuschübertragung oder die Windmuster. Hat ein See-Elefant seinen Picknickplatz vom letzten Jahr mitten im Meer wieder gefunden, dann gilt es, schleunigst eine stattliche Figur aufzubauen. Keine andere Robbenart taucht tiefer als der See-Elefant. Und kein anderer Meeressäuger kann mehr Sauerstoff im Körper aufnehmen als der See-Elefant. Nur schon ein durchschnittlicher Tauchgang führt auf 350 bis 600 Meter Tiefe hinab und dauert 20 bis 25 Minuten. Die bis heute gemessene Rekordtiefe lag bei 2388 Metern; jene Robbe war gut zwei Stunden unter Wasser unterwegs. Etwa 66 Mal taucht die mächtige Robbe ab – jeden Tag! – und bleibt kaum zwei bis vier Minuten an der Oberfläche. In den Tiefen des Südozeans stellen See- Elefanten im Winter eher Fischen nach, hauptsächlich den Laternenfischen. Die beiden Laternenfisch-Arten, die für den See-Elefanten am wahrscheinlichsten als Beute in Frage kommen, wiegen nur 9 beziehungsweise 30 Gramm. Um satt zu werden, muss ein See-Elefant zwischen 5 und 16 Kilogramm dieser Fische täglich erbeuten. Erstaunlich, dass solch ein riesiger Fettwanst sich mit derart kleinen Fischen abgibt... 22 PolarNEWS

Im Sommer hingegen ernähren sie sich lieber von Tintenfischen, allen voran vom antarktischen Eiskalmar (Psychroteuthis glacialis). Hier könnte es in der Zukunft zu Konflikten kommen zwischen den Interessen der kommerziellen Fischerei und denjenigen der See-Elefanten. Obwohl der Eiskalmar heute noch nicht befischt wird, stuft ihn die Welternährungsorganisation FAO wegen seiner Grösse und der Konsistenz seines Fleisches als eine «potenziell wertvolle Ressource» ein. Sollte es so weit kommen, dann wären Probleme beim Nahrungserwerb der See-Elefanten abzusehen. Die Bedrohung ist vorbei Es wäre nicht das erste Mal, dass der Mensch dem See-Elefanten zur Gefahr würde. Über 150 Jahre lang haben Wal- und Robbenfänger diese mächtige Robbe als pure Öllieferantin angesehen. Allein auf Südgeorgien wurden zwischen 1910 und 1958 fast 260’000 Südliche See-Elefanten getötet, um das damals begehrte Öl aus dem Blubber, der Fettschicht, zu gewinnen. Aus jedem Tier kochte man 200 bis 400 Liter Öl. Solche Gemetzel sind glücklicherweise längst Geschichte. Trotzdem nehmen die Zahlen einiger wichtiger Populationen seit den 1960er-Jahren ab (andere wiederum sind stabil). Die Gründe dafür liegen noch im Dunkeln, jedoch deuten immer mehr Hinweise darauf hin, dass die Abnahme auf sich ändernde Umweltbedingungen zurückzuführen ist. Nördlicher See-Elefant Es lässt sich erahnen: Weil der See-Elefant der Antarktis ein «Südlich» im Namen trägt (Mirounga leonina), muss es irgendwo auf dieser Welt ein Gegenstück geben. Der Nördliche See-Elefant (Mirounga angustirostris) lebt an der Westküste Nordamerikas, vor allem entlang der Halbinsel Niederkalifornien (Mexiko), in Kalifornien (USA) sowie auf Vancouver Island (Kanada). Seine südlichsten Kolonien finden sich auf dem winzigen Archipel der Islas San Benito auf einer geografischen Breite von 28°18’ Nord vor der Pazifikküste Niederkaliforniens. Männchen ziehen bis hinauf nach Alaska und Britisch-Kolumbien, während Weibchen Hawaii erreichen. Der Nördliche See-Elefant ist im Vergleich zu seinem subantarktischen Verwandten kleiner. Auch ist der Grössenunterschied zwischen den Geschlechtern nicht derart frappant wie beim südlichen Vetter. Dafür trumpft der Nördliche mit einem grösseren Rüssel auf. Um 1892 gab es vermutlich nur noch 20 Tiere überhaupt – die Gewinnung von Robbentran wäre dieser Art fast zum Verhängnis geworden. Heute schätzt man den Bestand des Nördlichen See-Elefanten auf rund 171’000 Tiere. See-Elefanten ruhen gerne dichtgedrängt in grossen Gruppen am Strand. Pinguine können da leicht in einen «Verkehrsstau» geraten. Der Skua hingegen kann einfach wegfliegen. PolarNEWS 23

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