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PolarNEWS Magazin - 20 - D

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Königspinguine der

Königspinguine der Falklandinseln wandten sich erstaunlicherweise bei ihrem Wegzug von der Brutkolonie, dem Beginn des Dispersals, nach Westen – also gegen die vorherrschenden Meeresströmungen (Antarktischer Ringstrom). Gleich verhielten sich ein besenderter Zügel-/Kehlstreifpinguin und ein Felsenpinguin. Weshalb die Vögel die kräftezehrende Variante gegen den mächtigsten Meeresstrom der Welt wählen, ist nicht geklärt. Die Spekulationen gehen dahin, dass olfaktorische Signale (Geruchssinn) die Vögel zu reich gedeckten Nahrungszonen führen. Auch ist nicht bekannt, ob die Pinguine diesen westlichen Kurs beibehalten – und wie lange. Schwimmen sie vielleicht sogar einmal rund um den ganzen Kontinent Antarktika während ihres ersten Jahres im offenen Meer? Jung und Alt getrennt Sicher ist, dass die meisten Individuen der mit etwa 720 Brutpaaren sehr kleinen Falkland-Population sich im Winter in den artenreichen Gewässern über dem Abhang des Patagonischen Schelfs aufhalten, vor der Küste Argentiniens bis auf eine Breite von 38 Grad Süd (entspricht etwa der geografischen Breite des argentinischen Badeortes Mar del Plata). Sie überwintern also weit nördlich ihrer Brutinseln. Königspinguine der subantarktischen, vulkanischen Crozetinseln hielten hingegen direkt südwärts, um den Rand des Packeises zu erreichen. Insgesamt wanderten sie durchschnittlich über 4100 Kilometer weit und legten dabei 73 Kilometer pro Tag zurück. Einen Viertel ihrer Reise widmeten sie dem Aufenthalt in einer Zone, die im Einflussbereich des nahe gelegenen Packeisrandes lag. Es wird vermutet, dass die Zone entlang der Packeisgrenze den Pinguinen reichlich Nahrung liefert, mehr, als die Gewässer an der Antarktischen Konvergenz hergeben. Dass die Königspinguine von den Falklandund den Crozetinseln getrennte Winterwege gehen, war die eine Erkenntnis. Die andere betraf die anfangs unterschiedlichen Zugwege von Jung- und von Altvögeln dieser Vogelart. Nach dem Verlassen der Brutgebiete im Spätsommer halten sich Jungvögel an anderen, weiter entfernten Orten auf als die Altvögel, welche vorerst nahe des Brutgebietes bleiben. Dies ist ganz praktisch, weil die unerfahrenen Jungen auf diese Weise bei der Nahrungssuche nicht von den erfahrenen Altvögeln konkurrenziert werden. Erst im Verlauf des einsetzenden Winters, wenn sich die Jungvögel bereits einen Erfahrungsschatz angeeignet haben, ziehen Junge wie Alte in noch kältere Meeresgebiete. Königspinguine suchen im Winter vorzugsweise in Tiefen von 200 bis 250 Metern nach Nahrung. Der Kaiser der Antarktis Der wahre antarktische Pinguin und der grösste von allen ist der Kaiserpinguin. Im Südwinter sind die Männchen in den Kolonien am Ausbrüten der Eier, während die Weibchen im Meer draussen auf Nahrungssuche gehen. Weil die Kolonien weit im «Eis-Innern» liegen, brauchten besenderte Weibchen acht Tage, um über das Packeis hinweg zum offenen Meer zu gelangen. Kaiserpinguine suchen im Winter in ihren südlichsten Quartieren, am Rande des ständigen Packeises, vor allem Krill und Antarktischen Silberfisch. Etwas weiter nördlich, in der Zone des saisonal gefrierenden Meeres, nimmt die Tauchtiefe zu (tiefer als 100 Meter), weil die Vögel dort den Laternenfischen Electrona antarctica und Gymnoscopelus braueri nachjagen. Und am nördlichsten Rand ihrer Winterverbreitung tauchten sie sogar bis 300 Meter tief. Über zwei Drittel der Beute bestand aus dem Antarktischen Krill, und jeder achte Beutefisch war ein Antarktischer Silberfisch. Die Kaiserpinguin-Weibchen nahmen durchschnittlich jeden Tag rund 63 Gramm Nahrung pro Kilogramm Körpergewicht auf. Dies entspricht bei einem rund 29 Kilogramm schweren Pinguin etwa 1,8 Kilogramm Nahrung pro Tag (für einen durchschnittlich schweren Menschen wären dies täglich über 4,5 Kilogramm Essen). Umgerechnet auf eine gesamte Winterreise eines Weibchens macht dies hundert Kilo an Beute. Diese Nahrungsmenge und die damit verbundene Zufuhr an Kalorien lässt die Vögel während eines Winteraufenthaltes von etwa zwei Monaten im Meer über 6 Kilogramm an Gewicht zulegen. Wer viel isst, hat gelegentlich Durst: Pinguine und viele andere Meeresvögel decken einen grossen Teil ihres Flüssigkeitsbedarfs aus ihrer (feuchten) Nahrung und wohl einem gelegentlichen Schluck Meerwasser. Das überschüssige Salz wird dank zweier Drüsen aus dem Blutkreislauf gefiltert (supraorbitale Salzdrüsen, weil sie oberhalb der Augenhöhle/Orbita liegen) und wird dann über Nasenlöcher und Schnabel wieder ausgeschieden. Bild: Liam Quinn/HO. 62 PolarNEWS

In der Ostantarktis, bei Pointe Géologie auf Adélieland, zog die Jungmannschaft der Kaiserpinguine die Forscher in ihren Bann. Denn dank der Besenderung eines jungen Kaisers kam ein neuer Rekord ans Tageslicht: Er legte in acht Monaten 7000 Kilometer im Südozean zurück. Dies ist die längste Reisestrecke, die man bei Kaiserpinguinen bisher je gemessen hat. Sein Dispersal führte ihn zunächst weit weg vom eisigen Kontinent, bis hinauf auf 57 Grad südliche Breite in die Zone der Antarktischen Konvergenz, 1250 Kilometer nördlich der Packeisgrenze. Ende Februar, Anfang März zog der Jüngling wieder nach Süden in Richtung des sich ausbreitenden Packeises, wo er Mitte April ankam und nahe am Packeisrand den Winter verbrachte (bei fast 65 Grad Süd, wo es Mitte des Südwinters, im Juli, kaum noch fünf Stunden am Tag hell ist). Im Meereis legten die Kaiserpinguine ihre geringsten Wanderstrecken zurück und hielten sich am längsten ausserhalb des Wassers auf. Sie sprangen kurz nach Tagesanbruch ins Wasser und verbrachten durchschnittlich fast fünf Stunden dort, bevor sie in der Abenddämmerung wieder aufs Eis kletterten, um zu ruhen und vor Feinden sicher zu sein. Sie gingen 26 Mal pro Tag auf einen Tauchgang. Die gemessene Tauchtiefe war in der Packeiszone am geringsten; es wurde am häufigsten in den oberen zehn Metern getaucht. Man nimmt an, dass die Kaiserpinguine dort die Krillbestände direkt an der Unterseite des Eises abernten, wo auch der Antarktische Silberfisch, eine Barsch-Art, im Jugendstadium anzutreffen ist. Rekordhalter Adélie Neben dem grossen Kaiser- gelten die Adéliepinguine als zweite ausgesprochen antarktische Pinguinart. Deshalb erhielten auch etliche Adélies wissenschaftliche Rucksäckchen angeklebt, um Einblick in ihr Winterleben im Meer zu bekommen. Zum Beispiel Individuen von der Antarktischen Halbinsel: Die gesammelten Daten zeigen, dass jene Adéliepinguine im Wintereis blieben, das sich vor ihre Brutgebiete gelegt hatte. Offenbar führt der dort sehr stark strukturierte Meeresboden mit seinen tiefen Schluchten dazu, dass nährstoffreiches Tiefenwasser aufsteigt und im Winter die Bildung von Auch im offenen Meer ist es sicherer, wenn die Pinguine in Gruppen zusammenbleiben. PolarNEWS 63

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