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PolarNEWS Magazin - 20 - D

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Michael Wenger 350

Michael Wenger 350 Buckelwale auf einmal So viele Blaswolken von Buckelwalen am Horizont, dass gar nicht alle aufs Bild passen. Der Magie von Walen kann sich wohl kein Mensch entziehen. Auch bei mir zaubern diese Giganten der Meere immer noch ein Lächeln aufs Gesicht und fesseln mich an das Schiffsdeck oder ins Zodiac, ein Auge hinter der Kameralinse, das andere auf die Wasseroberfläche. Ein unbeschreibliches Gefühl erfüllt mich heute noch, wenn ich an den Februar 2006 zurückdenke, als wir in der Nähe von Südgeorgien an einem einzigen Tag insgesamt 18 Blauwale sichteten, teilweise nur ein paar Dutzend Meter vom Schiff entfernt – und an den Ausdruck in den Gesichtern der Mitreisenden, teilweise mit Tränen in den Augen. Für lange Jahre galt für mich dieses Erlebnis als das beste. Doch seit dem August 2014 teilen sich die 18 Blauwale diesen Titel mit etwa 350 Buckelwalen, die wir im Südosten von Spitzbergen entdeckt hatten – alle aufs Mal! Die Wetterbedingungen erlaubten es sogar, uns dieser riesigen Schule mit Zodiacs zu nähern. Die Atemgeräusche, das Klatschen der Flossen auf das Wasser und die schiere Nähe zu den Tieren... das Lächeln in meinem Gesicht geht nicht weg. Michael Wenger, 42, von Zürich, ist Meeresbiologe und fährt seit 9 Jahren regelmässig in die polaren Regionen. Seit 2012 arbeitet er für PolarNEWS als Scientific Officer und als Tourleiter. 46 PolarNEWS

Peter Balwin Der benommene Albatros Vorsichtige Annäherung. Ist ein Flügel gebrochen?, fragt sich Peter Balwin (rechts). Unvergessliche Reisemomente treten oft dann auf, wenn man sie gerade gar nicht erleben will, weil es zum Beispiel ein früher Sonntagmorgen im Januar 2005 in der Drake-Passage ist und man schlafend in der Koje liegt. Ein jäher Lärm vor meiner Kabinentür weckte mich abrupt: «Peter! Auf die Brücke!» Nun war ich hier der Expe ditionsleiter, da musste ich gehorchen. Mir schwante Schlimmes, während ich nach draussen eilte. Aufgeregt deutete der Schiffsoffizier aufs Vorderdeck: Da lag ein Albatros, der mit dem Schiffsmast kollidiert war. Was nun? Wir beschlossen, den benommenen Wanderalbatros zu untersuchen. Das Deck war zu windig – wohin mit ihm? Drei von uns waren nötig, um den riesigen Vogel in die Schiffsbar zu tragen. Wir spannten ihm die Flügel einzeln auf (je 1,80 Meter lang!). Nichts schien gebrochen. Noch bevor die Passagiere von unserer Rettungsaktion Wind kriegten, schwamm der Vogel wieder im Südozean. Der einzige Wanderalbatros, der sich in einer Bar aufgehalten hat! Auf 20 Antarktisfahrten bin ich diesem majestätischen Vogel nie mehr so nahe gekommen. Peter Balwin, 57, aus Dietikon, ist Polarreiseleiter a. D. (83 Fahrten), Autor der Tiergeschichten und der Rubrik «News aus der Forschung» im PolarNEWS. Er ist seit Heft Nummer 3 dabei. PolarNEWS 47

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