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PolarNEWS Magazin - 2

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Expedition

Expedition Königpinguine gehen gemeinsam zum Fischfang Text und Bilder: Heiner Kubny South Georgia befindet sich im Südatlantik 1’300 Kilometer südöstlich der Falkland - inseln. Da die abgeschiedene Insel über keine Landepiste verfügt, ist sie nur mit dem Schiff zu erreichen. Zweieinhalb bis drei Tage dauert die Überfahrt von Falkland durch die gewöhnlich stürmische See des südlichen Atlantiks nach South Georgia. Die gebirgige, zerklüftete und zumeist von Eis bedeckte Landschaft macht den Grossteil der Inseln unbewohnbar. Elf Berge Südgeor - giens bringen es auf eine Höhe von über 2’000 Metern, als höchste Erhebung gilt der Mount Paget mit 2’934 Metern Höhe. Die Insel ist 160 Kilometer lang und 30 Kilo - meter breit und umfasst eine Fläche von 3756 Quadratkilometern, auf der sich mehr als 160 Gletscher befinden, von denen viele bis ans Meer heranreichen: Rund 60 Prozent der Insel ist vergletschert. Die Südküste ist den Westwinden ausgesetzt und deshalb in der Witterung kälter, stürmischer als die Nordküste und im Allgemeinen sehr unwirtlich. Die Nordküste liegt im Wind schatten der Berge, wodurch das Wetter sehr viel angenehmer ist und die Buchten ruhiger sind. Tierwelt South Georgia ist ein wahres Tierparadies. Fernab der Zivilisation ist die Tierwelt kaum gestört. Zahllose Meeresvögel haben auf South Georgia ihre Heimat. Die grössten von ihnen sind die Wanderalbatrosse: Ihre Population wird auf 4’000 Brutpaare ge - schätzt. Sie erreichen eine Spannweite von 3,5 Metern und sind somit die grössten Wasservögel überhaupt. Wanderalbatrosse sind hervorragende Segler. Mit ihren schmalen Flügeln nutzen sie die Aufwinde, die ihnen über lange Zeiträume Auftrieb verleihen, ohne selbst viel Energie verbrauchen zu müssen. Auf diese Weise gleiten die Vögel mit geringstem Kraftaufwand über die Meere des 50. Breitengrades und kehren nur zum Brüten aufs Land zurück. Die Partner suche ist besonders aufwändig, doch haben sich einmal die Richtigen gefunden, bleiben sie sich ein Leben lang treu. Wander - albatrosse brüten nur jedes zweite Jahr. Sie legen dann jeweils im November ein Ei und brüten dieses während 80 Tagen aus. Die Jungvögel sind neun Monate lang auf ihre Eltern angewiesen. Erst dann können sie fliegen und auf Nahrungssuche gehen. Ist das Junge ausgeflogen, trennen sich die Eltern, um sich ein Jahr später an der gleichen Stelle wieder zu finden und erneut zu brüten. Auf South Georgia befinden sich auch grosse Kolonien von Königspinguinen mit weit über 100’000 Brutvögeln. Sie sind die Hauptattraktion der wenigen Touristen, die jedes Jahr mit Kreuzfahrtschiffen die Insel besuchen. Um ihre Jungen grosszuziehen, benötigen die Königspinguine dreizehn Monate. Dies ist die längste Aufzuchtszeit aller Pinguin - arten. Während den antarktischen Winter - monaten versorgen die Eltern ihren Nach - wuchs nur noch alle paar Wochen mit Nahrung. In dieser Zeit verlieren die Jungvögel bis zur Hälfte ihres Körperge - wichtes. Fettreserven und ein dichtes Federkleid lassen sie die harte Zeit überstehen. Wenn im Frühjahr das Nahrungsangebot wieder reichhaltiger wird, werden die Jungen schnell grösser. Am Ende des Sommers sind sie schliesslich kräftig genug, um den folgenden Winter gut zu überstehen. Neben den Königpinguinen (400’000 Brutpaare) brüten auf South Georgia noch Goldschopf- oder Macaroni-Pinguine (2’700’000 Brut paare), Eselpinguine (105’000 Brutpaare) und Zügelpinguine (6’000 Brutpaare). Die alten Walfänger haben nicht nur rostige Schiffe hinterlassen. Um nicht auf ihre gewohnte Nahrung zu verzichten, setzten die Walfänger Rentiere aus. So hatten sie genügend Frischfleisch. Noch heute grasen die Nachkommen jener «Rentier-Import - serie» auf der Insel, mittlerweile sind es über 2’000 Tiere. Die durch den rigorosen Walfang entstandene Reduzierung des Walbestandes in den südatlantischen Ge - wässern ist ein Grund dafür, dass es den Robben so gut geht: Die Nahrung der Wale basiert ebenso wie die der Robben auf Krill. Durch den Rückgang der Wale finden die Robben jetzt Nahrung im Überfluss. So hat vor allem die Population der Pelzrobben in Besorgnis erregendem Ausmass zugenommen. An einigen Buchten liegen die Tiere so nah zusammen, dass die Pinguine fast nicht mehr zu ihren Kolonien durchkommen. Die Seeelefanten sind die grössten unter ihnen, sie sind wahre Kolosse. Die Bullen werden 8 Polar NEWS

oben: Im Tusokgras sitzend bevölkern junge Pelzrobben die steilen Hänge von South Georgia. unten: Mit 2,7 Millionen Brutpaaren sind die Goldschopfpinguine die grösste Population auf South Georgia. Polar NEWS 9

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