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PolarNEWS Magazin - 2

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Polarlichter Wenige

Polarlichter Wenige Kilometer ausserhalb von Churchill wurde in den 70iger Jahren das «A-frame House» gebaut. Heute ein Wahrzeichen. Während einer bitterkalten Nacht gelang mir dieses sehr emotionale Bild. Ein Nordlicht - vorhang schob sich gegen 2:30 morgens langsam von Nord nach Süd über den Nachthimmel. Für nur wenige Sekunden entflammte es direkt neben dem Haus. Zwei Bilder konnte ich aufnehmen. Seite 23 oben: Unendlich viel Zeit habe ich damit verbracht ein Polarlicht über einem aufgehenden Mond zu fotografieren. Seite 23 Mitte: Ein langer Nordlichtbogen schiebt sich wie bogenförmiger fluoreszierender Nebel über den Nachthimmel Finnlands. Seite 23 unten: Im letzten Abendlicht erscheinen die ersten zarten Polarlichter am Himmel über den Lofoten Inseln in Nordnorwegen. Text und Bilder: Norbert Rosing Die Abendsonne sinkt dem Horizont entgegen. Der Wind bläst noch immer stark genug, um einen Teppich von Eiskristallen über die Tundra zu fegen. Schon am Nach - mittag habe ich das Gelände erkundet, um eine gute Position zum Fotografieren der Polarlichter zu suchen. Keine leichte Aufgabe, denn ich mag Aufnahmen, auf denen das Polarlicht für den Betrachter in ein Grössenverhältnis gestellt wird. Das heisst, ich brauche ein Haus, eine Stromleitung, irgend etwas im Vordergrund. Dazu einen möglichst ebenen Untergrund für die Stative. Und natürlich die beste Sicht zum Himmel. Die Stelle ist gefunden, die Stative aufgestellt, nun mache ich mich für die Nacht bereit. Eine Viertelstunde brauche ich nur schon, um die diversen wärmenden Schichten meiner Winterbekleidung anzuziehen. Ob ich erfolgreich sein werde? Einmal war ich zwei Monate lang nur zum Fotografieren von Polarlichtern unterwegs und erwischte während dieser Zeit nur gerade vier optimale Nächte. Heute spricht der Wetterbericht von klarer Nacht, minus 36 Grad und Wind mit 30 Stundenkilo - metern. Das sieht nicht schlecht aus. Die gefühlte Temperatur ist mindestens minus 45 Grad. Eine Kälte, die einen so müde macht, dass man spät nachts, wenn die Polarlichter erscheinen, todmüde ist. Doch diesmal kommt das Licht früher. Der letzte rötliche Abendlicht-Streifen ist noch sichtbar am westlichen Horizont, als im Osten schon die ersten grünen Polarlicht-Streifen wie geisterhafte Fahnen aufflackern. Da - zwischen blinken Tausende Sterne am tiefblauen, fast schon schwarzen Himmel. Rund eine Stunde braucht das Licht, um sich aufzubauen: der Himmel sieht aus wie mit zunehmend fluoreszierenden Wolken bedeckt – man nennt diese Phase das unformierte Nordlicht. Dann formieren sie sich. In Churchill, wo ich fotografiere, gibt es manchmal Lichter, die 20 Minuten lang statisch am Himmel stehen. Die eigentlichen Eruptionen dauern dann aber nur fünf, maximal zehn Minuten. Nordlichternester tanzen über den ganzen Himmel, sie vereinigen sich zu grossen Strahlenbündeln, es entsteht eine Korona. Senkrecht über mir ergiessen sich die Strahlen wie aus einem Kübel und fluoreszieren am dunklen Himmel. Es ist schlicht umwerfend: Am liebsten würde ich einfach in den Schnee liegen und mit staunend offenem Mund nach oben schauen. So eine Lichtshow lässt einen Auftritt von Pink Floyd amateurhaft erscheinen. Es ist mucksmäuschenstill, ich bin mutterseelenalleine in der Natur, und alles leuchtet farbig. Ich könnte weinen vor Freude und Ergriffenheit. Doch ich muss mich aufs Fotografieren konzentrieren: Drei Stative mit drei Kameras und drei verschiedenen Tele - objektiven habe ich eingerichtet. Ich muss mich bemühen, nicht gegen die Kamera und das Okular zu atmen, sie würden sofort vereisen. Nicht einfach, wenn ich senkrecht in den Himmel hinauf fotografieren muss. Zum Film-Wechseln muss ich die Hand - schuhe ausziehen. Bei diesen Tempe raturen fühlt sich die Kamera an wie eine heisse Ofenplatte, die Fingerkuppen gefrieren leicht bei fast minus 40 Grad. Einmal fiel mir beim Fotografieren der Drahtaus löser in den offenen Mund und gefror dort sofort fest. Das war sehr schmerzhaft. Gebannt schaue ich in dieses grossartige Lichtphänomen und fühle mich sehr klein. Etwa zwei Minuten dauert diese Eruption des geisterhaften Phänomens, es taucht die gesamte Landschaft in ein eigentümliches Licht. Vor allem grün und gelb, an den Rändern für kurze Sekunden pink und blau. Und dann, als würde ein Schalter umgelegt, verglüht das Licht, und schwache Licht - bänder stehen wieder fast regungslos am Himmel. Die Show ist vorüber. Ich habe eiskalte Füsse und eine völlig vereiste Brille mit Guckloch. Aber ich bin sehr zufrieden und fahre zurück in die Stadt. Wenn von den paar Fotos, die ich im richtigen Moment gemacht habe, jedes fünfte brauchbar ist, bin ich schon glücklich. In all den Jahren, seit ich Polarlichter fotografiere, sind mir erst etwa 120 Bilder perfekt geglückt. 22 Polar NEWS

WAS IST DAS POLARLICHT? Das Polarlicht (auch Aurora) ist eine Leucht - erscheinung am Himmel, die durch Teilchen des Sonnenwinds beim Auftreffen auf die Erdatmosphäre hervorgerufen wird. Polar - lichter entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwindes, hauptsächlich Elektronen, aber auch Protonen, auf die oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen. Dort regen sie die vorhandenen Luftmoleküle zum Leuchten an. Die Häufigkeit und die Helligkeit der Polarlichter hängt von der Stärke des Sonnenwindes ab, der sich wiederum nach der Sonnenaktivität richtet. Polarlichter treten hauptsächlich in den Polar - regionen auf, denn die Sonnenwind teilchen werden vom Magnetfeld der Erde entlang der Magnetfeldlinien zu den Polen gelenkt. Dort verläuft das Magnetfeld senkrecht zur Erd - ober fläche, und die Teilchen können in die Atmosphäre eintreten. Polarlichter kommen sowohl in nördlichen Breiten vor (Nordlichter, auch Aurora borealis) wie auch auf der Südhalbkugel (Südlichter, auch Aurora australis). Auch auf anderen Planeten des Sonnensystems werden diese Erscheinungen beobachtet. Auch wenn es in manchen Ländern Bauernregeln zur Wettervorhersage gibt, in denen Polarlichter vorkommen, haben Polarlichter mit dem Wetter nichts zu tun. Sie entstehen in Höhen ab 60 Kilometer, weit oberhalb der Troposphäre, der Schicht, in der das Wettergeschehen stattfindet, welche nur bis etwa 15 Kilometer Höhe reicht. Die frühesten Berichte über Polarlichter sind übrigens über 2000 Jahre alt. Norbert Rosing mit seinem neuen Vor trag «Im Reich des Polarbären» auf Tournee Di 01.11.2005 Wallisellen Wirtschaft zum Doktorhaus Mi 02.11.2005 Bern Hotel Jardin Do 03.11.2005 Basel Stadtcasino Fr 04.11.2005 Aarau Kultur & Kongresshaus Di 08.11.2005 Luzern Schür Mi 09.11.2005 Zürich Volkshaus Do 10.11.2005 Winterthur Hotel Römertor Polar Vorverkauf www.pinguine.ch Tel: 01 342 36 60 Fax: 01 342 36 61 Eintrittspreise: Abendkasse Fr. 25.– Studenten + AHV Fr. 20.– Bitte unbedingt Vorverkauf benützen / Ermässigung pro Ticket Fr. 2.– 23

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