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PolarNEWS Magazin - 2

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Abenteuer Arved Fuchs

Abenteuer Arved Fuchs Ein Leben im Extrembereich In einer Zeit, in der die Natur vielfach «unter Kontrolle» scheint, wird Arved Fuchs (51) nicht müde, das Gegenteil zu erleben und zu beweisen. Damit gehört er zu den letzten großen Abenteurern unserer Zeit. Im November 2005 tourt Arved Fuchs mit seinem Multivisions-Vortrag «Kälter als Eis» durch die Schweiz. Text: Christian Hug Arved Fuchs begann seine «Abenteurer- Karriere» 1977 mit Expeditionen in traditionellen indianischen Kanus auf Flüssen in Kanada. Ein Jahr später durchquerte er zu Fuss und auf Longboats den indonesischen Teil der Insel Borneo, wo er die Aus wirk - ungen des Holzeinschlages im tropischen Regenwald analysierte. 1979 bis 1988 unternahm er ausgedehnte Wanderungen auf Grön - land und in der kanadischen Arktis. Er überquerte den atlantischen Ozean vom Lake Huron/Kanada bis Hamburg in einem 14 m langen Segelboot und führte Hundeschlitten - expeditionen über das grönländische Inland - eis durch. Spektakulär war die Winterum - rundung Kap Horns in einem Faltboot, ein Abenteuer, das bisher keinen Nachahmer gefunden hat. In dieser Zeit sammelte Fuchs wertvolle Erfahrungen für seine weiteren Expeditionen, inklusive einer Begegnung mit einem hungrigen Eisbären, der Zelt und Ausrüstung zerstörte bis hin zum mehrwöchigen Drift auf einer Eisscholle... Unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen startete Fuchs 1989 mit einem internationalen Team zum Nordpol. Nach 1000km Fuss - marsch über driftendes Packeis, bei bis zu minus 56°C, erreichten die acht Forscher der Icewalk-International-Expedi tion den geographischen Nordpol. Fuchs war der erste Deutsche, der diesen entbehrungsreichen Marsch erfolgreich überstanden hat. Noch im selben Jahr schrieb er erneut Geschichte: Im Rahmen der berühmten Antarktis-Transver - sale-Expedition erreichte er mit dem Berg - steiger Reinhold Messner am 30. Dezember 1989 den Südpol. Nach 92 Tagen, 2500 km und mit einem 130 kg schweren Schlitten im Schlepp war Fuchs der erste Mensch überhaupt, dem es gelungen war, innerhalb eines Jahres auf Ski sowohl den Nord- als auch den Südpol zu erreichen. Einen Traum erfüllt Mit der Icesail-Expedition versuchte sich Arved Fuchs 1991 an Bord der «Dagmar Aaen» erstmals an der Durchfahrt der legendären Nordostpassage. Nach einem neunmonatigen Winter „eingeschlossen im Eis“ entschied sich die Crew um Fuchs zur Rückkehr nach Norwegen. Der Überwinterung in Tromsö folgte ein Törn entlang der gesamten Westküste Grönlands und die Durchsegelung der ebenfalls legendären Nordwestpassage. Die Vollendung von Roald Amundsens Traum, Nord- und Südamerika zu umrunden, gelang Arved Fuchs 1995/96 mit der Sea, Ice & Mountains-Expedition. Nach der Icefly- Expedition, auf der er den Versuch des schwedischen Forschers Andreä rekonstruierte, mit einem Heissluftballon von Spitzbergen zum Nordpol zu fliegen, begab sich Fuchs auf seine bis dahin spektakulärste Expedition: «Shackleton 2000». 1914 hatte das For sch - ungs schiff «Endurance» unter dem Kom - mando von Kapitän Sir Ernest Shackleton in der Antarktis Schiffbruch erlitten. Shackleton gelang es, unter extremsten Witterungs - bedingungen Hilfe für seine Mann schaft zu holen, nachdem er auf spektakuläre Weise in einem kleinen Rettungsboot über offenes Meer nach South Georgia gesegelt war. Fuchs und seine drei Crewmitglieder durchlebten diese dramatischen Ereignisse noch einmal und begaben sich mit einem originalgetreuen Nachbau der «James Caird» aufs offene Meer... Im vierten Versuch hat Arved Fuchs es ge - schafft! Innerhalb eines arktischen Sommers durchsegelte er mit seiner Crew an Bord des Haikutters «Dagmar Aaen» die legendäre Nordostpassage. Damit erfüllte sich der «Eisfuchs» einen lang gehegten Traum: die Umrundung des Nordpols mit einem Segel - schiff auf eigenem Kiel und ohne Eisbrecher - unterstützung. Mit der erfolgreich verlaufenen Expedition Nordostpassage schliesst sich für Fuchs der Kreis um den eisigen Pol. Denn bereits 1993 durchsegelte das Team die 12 Polar NEWS

Nordwestpassage entlang des nordamerikanischen Kontinents. Alle Meere und Passagen sowie zahlreiche entlegene Inseln um den Nordpol herum wurden im Laufe der letzten elf Jahre von der «Dagmar Aaen» angesteuert, die damit im letzten Herbst die aufwändige und einzigartige Expedition erfolgreich beendet hat. Mit der Expedition Nordost - passage wollte der Bad Bramstedter es noch einmal wissen. Denn die Passage hatte für Fuchs bereits schicksalhafte Züge angenommen. Die extremen Eisverhältnisse zwangen ihn bereits dreimal zur Aufgabe, u.a. bei der Icesail-Expedition 1992. Damals sass die «Dagmar Aaen» neun Monate im Packeis fest, bevor Fuchs und seine Mannschaft sich zur Rückkehr nach Norwegen entschlossen. Eine Erfahrung, die nicht nur die Fuchs-Crew machte, ganze Flotten, selbst Eisbrecher, sind schon im dichten Packeis eingeschlossen worden und konnten zum Teil erst nach Jahren befreit werden. Ende Mai 2002 hiess es in Hamburg «Leinen los!». Über Tromsö und Vardö ging es in den russischen Eis - meerhafen Murmansk. Hier musste die Crew eine zweiwöchige Zwangs pause einlegen. Die russischen Behörden nahmen es mit der Prüfung der Genehmigungen sehr genau! Endlich nahm man Kurs auf die Nordost - passage, die nach wie vor als eine der gröss - ten Heraus forderungen für einen Segler und Polar reisenden überhaupt gilt. Zunächst waren im Bereich der Karasee stürmische Strecken unter schwierigen Eisverhältnissen zu bewältigen. Doch bereits am 12. August war die grösste Hürde genommen: das berüchtigte Kap Tschel juskin, bekannt für seine schwierigen Eisverhältnisse. Am 5. September um 23.00 Uhr MEZ rundete die «Dagmar Aaen» dann das sibirische Kap Dezhnev an der Bering strasse und hatte an diesem Punkt die legendäre Nordostpassage bewältigt. Nur drei Tage zuvor hatten Schiff und Mannschaft jene Stelle der Passage erreicht, an der sie 1994 wegen schwerer Eispressungen umkehren mussten. Damals Seite 12 oben Einsame Aussicht: Vom Mastkorb aus informiert sich Kapitän Arved Fuchs über den weiteren Weg durch das Packeis. Seite 12 unten Schwerstarbeit: Arved Fuchs und sein Steuermann Hans- Joachim Karpus setzen sich immer wieder mit den Naturgewalten auseiander. Seite 13 oben Kunst im Eis: Der Hamburger Expeditionsmaler Rainer Ullrich be gleitete die Crew auf dem Weg durch das sibirische Packeis und verfasste anschliessend sein Tagebuch «Skizzen aus der Nordostpassage». Seite 13 mitte Eisausschau: Ein Mitglied der Crew muss beim Fahren durch die dichten Packeisfelder dem Steuermann den Weg durch das Eis weisen. Seite 13 unten Die Schlüsselstelle: Arved Fuchs hat das Kap Tscheljuskin erreicht, den nördlichsten Punkt des asiatischen Festlandes, damit ist die Schlüsselstelle der Passage bezwungen. Sturmfahrt: Der 73 Jahre alte Haikutter wird immer wieder den heftigsten Stürmen ausgesetzt, bewährt sich dabei immer wieder aufs Neue. Polar NEWS 13

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