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PolarNEWS Magazin - 19 - D

Rubriktitel Forschung

Rubriktitel Forschung Luft und Licht Dank alternativen Energien verursacht die Princess Elisabeth Antarctica Station keinerlei Emissionen. Damit bleibt Belgien weiterhin Pionier. Aber wie lange noch? Princess Elisabeth Antarctica Station Position: 71,57 Grad Süd, 23,20 Grad Ost Eröffnet: 15. Februar 2009 CO2-Ausstoss: 0 46 PolarNEWS

Text: Michael Wenger Belgien hat eine lange Entdecker-Tradition, nicht nur in den Tiefen Afrikas. Seit 1897 der belgische Baron Adrien de Gerlache mit seiner berühmten Belgica-Expedition als erster Mensch in der Antarktis überwinterte, hat das Antarktis-Fieber auch diese europäische Nation gepackt. Adrien de Gerlache gelang etwas bis dahin Undenkbares: einen ganzen Winter im Eis der Antarktis zu verbringen. Dabei diente ihm sein Schiff als Unterkunft und als Basis für wissenschaftliche Untersuchungen, wie es zu Beginn der antarktischen Entdeckungsfahrten üblich war. Belgien, das zu den Gründungsmitgliedern des Antarktis-Vertragssystems von 1959 zählt, errichtete seine erste Station im Zuge der ersten belgischen Antarktis-Expedition 1957–59 unter der Führung von Gaston de Gerlache, dem Sohn des belgischen Antarktis-Helden. Gaston und seine Männer bauten die Station auf dem Schelfeis des Dronning Maud Land im norwegischen Sektor und nannten sie Base Roi Baudouin – eine zweite wurde während der Expedition von 1964–66 keine hundert Meter entfernt neu gebaut. Die Stationen wurden für geophysikalische Forschungen und als Basis für die geographische, glaziologische und geologische Kartographierung dieses unbekannten Gebietes genutzt. Doch dem belgischen Staat ging nach und nach das Geld für Forschung in der Antarktis aus, weshalb die Stationen 1961 beziehungsweise 1967 aufgegeben wurden. 1971 stoppte die belgische Regierung ihre Unterstützung für antarktische Forschungen bis auf weiteres ganz. Neue Ideen für die Zukunft Expeditionen in die Antarktis waren und sind immer ein kostenaufwendiges Unternehmen. In den frühen Jahren waren es vor allem Nationalstolz und der Entdeckerdrang, die eine Finanzierung ermöglichten. Sowohl die Staaten wie auch Privatinvestoren, die sich lukrative Geschäfte erhofften, gaben Unsummen aus für die Durchführung der Antarktis-Expeditionen. Doch mit dem Antarktis-Vertrag, der eine kommerzielle Nutzung der Antarktis verbietet und dafür Wissenschaft und Forschung stärkt, geriet die Antarktis und damit auch die Forschung etwas in Vergessenheit. Erst durch das Ozonloch und den Klimawandel gelangte die Antarktis wieder in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Auch in Belgien erwachte wieder der Wunsch nach einer dauerhafteren Präsenz. 1985 nahm das Land deshalb sein Antarktisprogramm wieder auf. Allerdings waren in der Zwischenzeit die Stationen Roi Baudouin zerfallen, weshalb Belgien logistisch auf die Zusammenarbeit mit anderen Staaten angewiesen war. Ein unhaltbarer Zustand für eine Nation, die einst Pionierin in der Antarktisforschung war... Eine eigene, neue, belgische Station musste her. Doch gut Ding will Weile haben, das gilt besonders in der Antarktis. Fast 20 Jahre zogen durch das Land, bis der Polarforscher Alain Hubert und die beiden Klimatologen Hugo Decleir und André Berger die zündende Idee hatten: Sie gründeten 2002 in Brüssel die International Polar Foundation IPF. Das erklärte Ziel dieser internationalen Gesellschaft: mit Forschungsprojekten in den Polargebieten die Öffentlichkeit über den Klimawandel und dessen Folgen zu informieren sowie mit eigenen innovativen PolarNEWS 47

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