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PolarNEWS Magazin - 19 - D

Interview «Ich habe

Interview «Ich habe viel geler Für ihr Abitur reiste die 17-jährige Janine Wetter aus Fehraltorf ZH in die Antarktis, wo sie einen Film über Pinguine und den Klimawandel drehte. Interview: Christian Hug Bilder: Charles Michel Normalerweise schreiben Mittelschüler ihre Abiturarbeit zu Hause im Kinderzimmer. Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Film in der Antarktis zu drehen? Janine Wetter: Mir war von Anfang an klar, dass ich für das Abitur keine Schreibarbeit machen wollte, sondern etwas Gestalterisches. Als ich vor eineinhalb Jahren im Internet einen Film über Pinguine gesehen habe, wollte ich mehr wissen über diese Tiere und recherchierte im Netz. Dabei las ich viel über den Klimawandel und wie der sich vor allem in der Antarktis auswirkt. Das weckte mein Interesse, weshalb für mich schnell feststand: Ich will einen Film über Pinguine und den Klimawandel drehen. In der Antarktis? Anfangs natürlich nicht. Ich wollte Pinguine filmen, die bei uns in den Zoos leben. Warum ausgerechnet Pinguine? 42 PolarNEWS

Janine Wetter, seit dem 20. April 18 Jahre alt, wohnt mit ihrer jüngeren Schwester bei ihren Eltern in Fehraltorf ZH. Das Filmen beschäftigt sie, seit sie 12 war. nt» Die mochte ich schon als kleines Kind. Und dass sich der Klimawandel auf so besorgniserregende Weise auf das Leben der Pinguine auswirkt, schockierte mich. Hattest du denn schon Erfahrung mit der Filmerei? Ja. Als ich zwölf war, gewann ich an einer Gewerbeausstellung eine kleine Filmkamera und lernte den Kameramann Charles Michel kennen, er betreute den Wettbewerb. Das Filmen machte mir Freude. Vor zwei Jahren besuchte ich ein Filmcamp, das Charles durchführte, und übte mich auch im Schneiden von Filmmaterial. Wir blieben auch nach dem Filmcamp in Kontakt. Deshalb lag es auf der Hand, dass ich Charles anfragte, als ich mich entschied, einen Film über Pinguine zu drehen. Er wurde mein wichtigster Mentor im ganzen Projekt. Wie kam die Antarktis ins Spiel? Bei einem Besuch der Pinguine im Zoo Zürich. Ich habe mich mit dem Pinguinwärter unterhalten, und er gab mir die Kontaktdaten eines Schiffslektors, den er kannte. Das war Benno Lüthi... ...den du natürlich umgehend angerufen hast... Genau. Wir führten ein langes Gespräch. Er sagte, dass er demnächst als Dozent auf einem Touristenschiff in die Antarktis reisen werde, und dass es eine tolle Idee wäre, wenn ich einfach mitkäme. Daraus wurde zwar nichts, aber jetzt ging mir die Idee nicht mehr aus dem Kopf. Ich erzählte Charles davon. Charles kannte jemanden, der sich in der Antarktis gut auskennt, und stellte einen Kontakt zum chilenischen Konsul her. Da war das Projekt Antarktis schon ziemlich fortgeschritten? Mehr oder weniger. Es ging ja immer noch um die Frage, ob die Reise überhaupt zustande kommt. Wenn es nicht geklappt hätte, hätte ich die Pinguine halt im Zoo gefilmt. Und was sagte der Konsul? Andrés Pérez González hat am Anfang zwar recht komisch dreingeschaut, war dann aber sehr nett – und ich sehr nervös. Ich habe ihm von meinem Plan erzählt, und er fand die Idee so gut, dass er mir seine Unterstützung zusagte. Das war im Juni letzten Jahres. Wie kamen deine Eltern mit deinem Plan klar? Sie waren schon sehr überrascht, dass ich so ein Riesending durchziehen wollte. Ich habe ihnen ja auch erst davon erzählt, als der Besuch beim Konsul bevorstand... Aber sie haben mich von Anfang an sehr unterstützt. Konnte Konsul Pérez González weiterhelfen? Ja, er setzte sich für mich beim chilenischen Aussenministerium ein, dieses wiederum kontaktierte die chilenische Marine, und ein paar Wochen später erhielt ich die Zusage, dass ich mit dem zum Forschungsschiff umgebauten ehemaligen Kriegsschiff «Aquiles» mitreisen dürfe. Das alles hat auf Anhieb geklappt? Wir haben auch verschiedene Reedereien angefragt, aber nur Absagen oder unbrauchbare Angebote erhalten. Hattest du ein bisschen Bammel vor dem eigenen Mut? Ja, hin und wieder. Aber ich wusste ja, dass das Projekt Antarktis ein riesiges Abenteuer wird. Und wir haben ja schon mit den Vorbereitungen begonnen, bevor die Zusage aus Chile kam. Inwiefern? Zum Beispiel die Sponsorensuche. Ich konnte ja so ein Projekt unmöglich aus meinem Taschengeld bezahlen, und die Reise auf dem Schiff war nicht gratis. Ich brauchte also Sponsoren. Charles hat mir dabei sehr geholfen, überhaupt zu definieren, welche Art Sponsoren wir brauchen, wie man sich ihnen richtig präsentiert und wie man mit ihnen verhandelt. Sponsoring ist normalerweise sehr aufwendig... Ja, wir haben auch diverse Absagen gekriegt. Aber ich habe viel gelernt, und wir haben am Ende die richtigen Sponsoren gefunden. Von wie viel Geld reden wir denn? Alles in allem kostete das Projekt Antarktis rund 100’000 Franken. Alles von Sponsoren bezahlt? Ich habe in den Schulferien bei einem Maler gearbeitet und nach Kräften mitfinanziert. Viele Sponsoren haben mich auch mit Material unterstützt, Kameras, Tontechnik, Kleider... Hast du erwartet, dass das Geld zusammenkommt, oder warst du eher überrascht? Das ist sicher aussergewöhnlich, und ich weiss das sehr zu schätzen. Aber ich habe ja auch sehr hart dafür gearbeitet. Du hattest vorher keine Erfahrung mit dem ewigen Eis und wie man in der PolarNEWS 43

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