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PolarNEWS Magazin - 19 - D

Schönwetter auf Danco

Schönwetter auf Danco Island. Die Eselspinguine brüten ihre Eier aus, bald schlüpfen die Küken. Ein krachender Donner durchschneidet urplötzlich die Ruhe des gemächlichen Treibens: Ein gigantisches Stück Eis bricht vom Gletscher ab. Augenblicklich erteilen die Tourguides in scharfem Ton den Befehl, sofort vom Ufer weg und den Hang hinauf zu gehen – und tatsächlich: Nach etwa einer Minute bricht eine Welle über den Kiesstrand wie ein kleiner Tsunami. Die Antarktis ist wunderschön. Aber ihre Idylle ist trügerisch gefährlich... ten paddelt. In ihrem Land, erklärt sie, sei es schon fast ein Kündigungsgrund, wenn man länger als zwei Wochen der Arbeit fernbleibe. Und weil nur schon die Anreise von Tokyo nach Punta Arenas mehrere Tage in Anspruch nehme, bliebe ihr keine andere Wahl als die schnelle Reise mit dem Flieger. Auch das ein stichhaltiges Argument. Ach ja, die Kajakfahrer: Wer vor Beginn der Reise den entsprechenden Aufpreis gezahlt hat, darf während der Landgänge auf den Wellen paddeln, bei uns sind das sieben Leute. Das gibt natürlich unter den Polarpuristen zu reden: Darf man das in diesem ehrfurchtgebietenden Land? «Man muss den Leuten etwas bieten», erklärt der Chef der Expeditionsleiter. Er ist Unternehmer. Und aus seiner Sicht hat er recht. Der beste Moment Angesichts meiner bohrenden Zweifel grenzt es fast schon an Ironie, dass mir ausgerechnet die «Tempobolzer» einen der schönsten und bewegendsten Momente bescheren, seit ich in polare Gebiete reise. Und das kommt so: Am Nachmittag desselben Tages ist ein weiterer Landgang auf kontinentales Festland angesagt, Besuch der Kehlstreif-Pinguine auf Orne Harbour. Die Kolonie nistet auf einem Bergkamm rund 300 Meter über Meer, der Aufstieg durch den tiefen Schnee ist kräfteraubend, ein paar Leute geben schon nach wenigen Schritten auf. Oben angekommen, ist die 360-Grad-Aussicht schlicht und Viele gute Gründe Kein Wunder, treibt mich beim Mittagessen mit der gewohnt grossartigen, freundlichen Bedienung und dem leckeren Buffet mit Wein à discretion wieder diese eine Frage um: Was ist besser: Schiff oder Flugzeug? Ich setze mich zu einer Familie aus Malaysia, Vater, Mutter und zwei halbwüchsige Töchter, und frage die Eltern, warum sie sich für das Flugzeug entschieden haben. «Eine unserer Töchter wird schnell seekrank, und die Drake Passage ist ja bekannt für starken Seegang», antwortet der Vater in fliessendem Englisch und lächelt dabei sein begeistertes Lächeln, das er seit Tagen nicht aus seinem Gesicht kriegt. Gutes Argument. Ich frage zwei Neuseeländer. Sie nutzen die eingesparte Zeit für einen Besuch des Nationalparks Torres del Paine in Argentinien. Auch ein gutes Argument. Schliesslich wende ich mich an eine Japanerin, die jeweils nicht mit an Land kommt, sondern mit einer kleinen Gruppe Kajak-Freunde in den Bucheinfach gigantisch. Aber weil die Pinguine in den für uns unbegehbaren Felsen brüten, bleibt der Abstand zwischen Mensch und Tier gross. Die meisten bleiben deshalb nicht lange und treten den Abstieg an. Es dauert nicht lange, bis nur noch der obligatorische Tourguide und ich übrig bleiben. Er führt mich ganz nah an die Pinguine heran, und schweigend geniessen wir die Aussicht und die ruhige Stimmung in der Pinguinkolonie. Schliesslich trete auch ich meinen Rückweg an, und entlang des Grats bis zum Abstiegspunkt passierts: Die totale Windstille. Das klingt komisch. Aber die meisten Leute stellen sich die Antarktis und die Arktis vor als riesiges weisses Land, in dem die totale Stille herrscht. Das stimmt nicht. Denn der Wind bläst einem eigentlich permanent um die kalten Ohren. Aber nicht jetzt. Jetzt ist es tatsächlich still. Kein Motorengeräusch von der «Ocean Nova», keine Menschenstimmen, kein Wind, nichts. Hin und wieder ruft ein Pinguin. Aber sonst: Ruhe. Und das volle Panorama. Es dauert lange, bis ich selber wieder Worte finde. Und tschüss Alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe: die Vulkaninsel Deception, die langgezogene Landzunge bei Yankee Harbour und Ardley Island. Die obligate Grillparty an Deck und der Abschieds-Cocktail, bei dem wir alle auf eine gelungene Reise anstossen. Auf dem Flug zurück nach Punta Arenas unterhalte ich mich ausführlich mit einem jungen Paar aus Australien, das auf Hochzeitsreise ist. Sie leben in einem, wie sie selber sagen, abgeschiedenen Kaff an der ziemlich unbewohnten Ostküste Australiens. Ich frage die beiden, ob sie beeindruckt sind von der Weite der Antarktis und ob sie auch das Gefühl haben, dass Zeit und Raum hier überhaupt keine Rolle spielen. Die beiden schauen mich völlig unbeeindruckt an: «You’re Swiss, right?», fragt er, «small country.» Und ohne meine Antwort abzuwarten, fügt er hinzu: «Endlose Weite kennen wir schon von zu Hause. Aber die Berge und das Eis sind fantastisch.» 36 PolarNEWS

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