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PolarNEWS Magazin - 19 - D

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Nachrichten News aus der Polarforschung Zusammengestellt von Peter Balwin Wie die Kaiserpinguine (Main group) die Klippe (Ice cliff) vom Meereis (Fast-sea-ice) zum Schelfeis (Ice shelf) überwinden, ist ein Rätsel. Entdeckt wurden die beiden Kolonien auf einem Satellitenbild. Schelfeis – der neue Brutplatz des Kaisers Kaiserpinguine legen ein neues Brutverhalten an den Tag, das die Wissenschaft bisher nicht kannte und alle äusserst überraschte: Sie brüten auf dem Schelfeis. Kürzlich entdeckte man auf Satellitenbildern und bei Flugbildauswertungen zwei neue Kolonien von Kaiserpinguinen, die hoch oben auf dem Schelfeis brüten. Weil das Schelfeis, das vom Land ins Meer fliesst, bis zu 60 Meter dicker ist als Meereis, bedeutet das für die Pinguine, dass sie diese bis 60 Meter hohe Kante überwinden müssen, um da rauf zu kommen. Wie die Vögel das fertigbringen, ist noch völlig unklar. Bisher ging man davon aus, dass Kaiserpinguine für ihr Brutgeschäft einzig auf Meereis angewiesen sind – immerhin sind 44 der bisher 46 bekannten Kolonien auf dem gefrorenen Meer anzutreffen (die anderen beiden wurden auf Felsen beziehungsweise auf einem gefrorenen See lokalisiert). Quelle: PLOS Gigantische Schlucht unter dem Eis Unter dem Eis der Westantarktis haben britische Forscher eine Schlucht entdeckt, die den Grand Canyon wie eine kleine Mulde aussehen lässt. Der neu entdeckte Graben ist über 3000 Meter tief, über 300 Kilometer lang und bis zu 25 Kilometer breit. Der Boden dieser immensen Rinne reicht an einigen Stellen mehr als 2000 Meter unter den Meeresspiegel. Diese Schlucht, die von einem mehrere Kilometer dicken Eispanzer bedeckt ist, gehört zu den Ellsworth Subglacial Highlands, einem uralten Gebirgszug. Quelle: Newcastle University Können nur Seismologen lesen: Der Beweis, dass der Graben existiert. Bilder: IceSat, Ian Potten, Nasa, Newcastle University 18 PolarNEWS

Mehr Quecksilber wegen Eisrinnen Bisher hätte niemand vermutet, dass grosse Rinnen im Packeis Quecksilber aus der Luft herabpumpen – doch genau diese Feststellung verblüffte ein Team von Wissenschaftlern im Eismeer vor der Küste Nordalaskas. Über solchen Öffnungen im Eis, an denen das wärmere Meerwasser mit der kalten Polarluft zusammentrifft, findet eine heftige Durchmischung der Luftschichten statt. Solche Wirbel sind bis in eine Höhe von etwa 400 Metern zu spüren. Dort oben befördert der Sog das gasförmig vorkommende Quecksilber mit der Luft hinab auf die Erdoberfläche, notabene ins Wasser des Arktischen Ozeans. Quecksilber ist einer von vielen Schadstoffen aus der industrialisierten Welt weiter südlich (bis hin zu den Tropen), die ihren Weg ins arktische Ökosystem gefunden und sich bereits in der Nahrungskette festgesetzt haben. California Institute of Technology, Nasa IN KÜRZE Antarktis: Extrem kalt Forscher der US-amerikanischen Zentralstelle für Schnee- und Eisdaten stellten in den höchstgelegenen Regionen der Ost-Antarktis einen neuen Temperatur-Rekord fest: -93,2 Grad Celsius! Bisher galt die russische Station Wostok gleich in der Nachbarschaft als der kälteste Ort der Welt mit einer Messung von -89,2 Grad vom Juli 1983. Quelle: National Snow and Ice Data Center Eine Art warme Quelle: Meerwasser verdampft durch Risse im Eis. Eine Alge macht Meereis-Geschichte Weil Langzeitbeobachtungen fehlen, lassen sich schnelle Veränderungen in der Kryosphäre (alle mit Eis und Schnee bedeckten Bereiche der Erde) nur beschränkt verstehen. Zumindest beim Meereis in der Arktis steht nun Hilfe an in Form einer neu entdeckten, langlebigen Kalkalge. Sie lebt auf dem Meeresboden des Arktischen Ozeans und bildet Wachstumsringe in ihrer verkalkten Kruste ähnlich den Jahresringen eines Baumstammes. Daraus lässt sich eine mehrhundertjährige Geschichte des Meereises herauslesen. Denkwürdigster Befund: Das 20. Jahrhundert wies die geringste Meereis-Bedeckung seit 646 Jahren auf. Quelle: PNAS Antarktis: Extrem warm Mittels Isotopenmessungen an fossilen Muschelschalen haben Forscher der Yale-Universität errechnet, dass Teile der Antarktis vor 40 bis 50 Millionen Jahren so warm waren wie das Meer vor Kalifornien heute: bis zu 17 Grad! Der Südpazifische Ozean soll damals stellenweise bis zu 22 Grad warm gewesen sein. Quelle: Yale University Schneller als je: Jakobshavn-Gletscher Der mächtige Jakobshavn-Gletscher bei Ilulissat in Westgrönland ist bekannt als der am schnellsten fliessende Eisstrom Grönlands. Neue Messungen zeigen, dass sich der Gletscher fast dreimal schneller bewegt als Mitte der 1990er-Jahre. Allein im Sommer beträgt die Geschwindigkeit heute 17 Kilometer pro Jahr. Altes Virus schlägt zurück Mindestens 30’000 Jahre lang ruhte das Virus im Dauerfrostboden Sibiriens – jetzt haben es französische Wissenschaftler in gut 30 Metern Tiefe aus dem gefrorenen Boden geholt. Kaum aufgetaut, begann es sich zu regen und machte sich sofort über eine Amöbe her... Dies wird als sicheres Zeichen gewertet, dass im Permafrostboden weitere krankmachende Viren eingefroren sind. Sie könnten sich vielleicht ebenfalls regenerieren, wenn der Boden auftaut, und eine Gefahr für Mensch und Tier darstellen. Quelle: PNAS Wöchentlich News aus der Polarforschung auf polar-news.de Quelle: The Cryosphere Biodiversität: Bericht in Buchform Das vom Arktischen Rat herausgegebene «Arctic Biodiversity Assessment», eine Einschätzung der arktischen Biodiversität, ist nun als Buch zu haben. Über 250 Polarexperten aus 15 Ländern haben darin den neuesten Wissensstand über die Natur des Nordpolargebietes zusammengetragen. Online zu lesen oder zu kaufen bei http://www.arcticbiodiversity.is. Quelle: CAFF PolarNEWS 19

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