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PolarNEWS Magazin - 18 - D

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Die Zusammenkunft Im

Die Zusammenkunft Im antarktischen Sommer (also während unserer Winterzeit) war die Bucht absolut eisfrei. Doch nun hält der Winter Einzug, Anfang März beginnt die neuerliche Meereisbildung. Der Polartag mit der Wintersonnenwende ist schon seit einigen Wochen vorbei, nachts sinken die Temperaturen rasant. Es dauert rund einen Monat, bis die komplette Bucht wieder gefroren ist. Nach und nach kehren auch die Kaiserpinguine von einem ausgedehnten Sommer im Wasser zurück – wohlgenährt und voller Erwartung. An ihrem alten Brutort rund 40 Kilometer «eiseinwärts» wollen sie einen Partner für den neuen Brutzyklus finden. Mitte April findet die Paarung statt. Die Kolonie umfasst 1800 bis 2000 Brutpaare und ist somit eine der grössten Kaiserpinguin-Kolonien der Antarktis. Das Ei Vier Wochen später, Mitte Mai, legt das Weibchen ein Ei – es ist immer nur eines. Die Temperaturen sind bereits konstant unter minus 20 Grad, die Tage haben nur noch wenige Stunden Sonnenlicht. Das Legen des Eis hat das Weibchen viel Kraft gekostet. Nun muss es schnellstmöglich den Weg zurück in den Ozean finden, um dort seine Energiereserven aufzufüllen. Es übergibt das Ei daher an das Männchen, das es auf seinen Füssen in seiner Bauchfalte ausbrüten wird, bis das Junge schlüpft. Werdende Väter Die Temperaturen sinken weiter. Die Polarnacht steht kurz bevor. Die zurückgebliebenen Männchen tragen nun alle ein Ei auf ihren Füssen, was man leicht an ihrer ausgebeulten Bauchfalte erkennen kann. Sie beginnen sich immer mehr zu sammeln und formieren erste kleine Gruppen, in denen sie sich gegenseitig wärmen.

Verlorene Eier Die Gefahren für die Eier sind enorm. Eine kurze Unachtsamkeit des Vaters oder ein Sturm, der einen Sturz des Tieres provoziert, kann das Todesurteil für das ungeborene Leben bedeuten. An einigen Stellen liegen Eier herum, bei deren Übergabe vom Weibchen zum Männchen etwas schiefgelaufen ist. Liegen die Eier erst einmal ungeschützt auf dem eiskalten Boden des Meereises, dauert es nur wenige Minuten, bis sie vollkommen auskühlen und gefrieren. Kurz nachdem die Weibchen abgezogen sind, findet man einige Dutzend solcher Eier, die nach und nach vom Schnee überweht werden und darunter verschwinden. Männchen, die ihr Ei verloren haben, bleiben noch eine Weile in der Kolonie und versuchen andere Eier, die auf dem Boden herumliegen, aufzunehmen. Natürlich haben ihre Brutversuche keinen Erfolg. Sobald sie hungrig werden, ziehen sie dann ebenfalls ins Meer und fischen. Das Huddle Der Polarnacht hüllt das Schelfeis in Dunkelheit bei konstant unter minus 30 Grad. Starke Stürme ziehen mit bis zu 180 Stundenkilometern über das Eis. Den Männchen bleibt nun nichts mehr anderes übrig, als sich eng aneinanderzustellen und das sogenannte Huddle zu formen. Erstaunlich, wie wenig Platz die rund 2000 Männchen dafür brauchen. Sie stehen so dicht zusammen, dass sich ein einzelnes Individuum weder vor- noch zurückbewegen kann. Stattdessen bewegt sich die gesamte Gruppe in einer konstanten Drehbewegung, so dass die Tiere die Eier, die auf ihren Füssen liegen, regelmässig drehen und gleichmässig mit ihrer Bauchfalte erwärmen können. Die Männchen sind schon seit zwei Monaten mit dem Ei allein und haben viel Körpergewicht eingebüsst. Die Küken schlüpfen Ende August geschieht ein kleines Wunder: Mit der Rückkehr der Sonne und dem Längerwerden der Tage erblickt auch neues Leben das Licht der Welt. Die kleinen Küken schlüpfen und fordern umgehend die erste Mahlzeit von ihren Vätern ein. Diese haben aufopferungsvoll Wind und Wetter getrotzt und würgen nun aus den Tiefen ihres Kropfes einige letzte Fischreste hervor, um die noch schwachen und fast nackten Küken zu füttern. Die Väter haben nun die Hälfte ihres Körpergewichts verloren und warten sehnsüchtig auf die Weibchen, die die Aufzucht der Jungtiere von nun an übernehmen sollen. 51

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