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PolarNEWS Magazin - 18 - D

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Reich gedeckter Tisch:

Reich gedeckter Tisch: Gleich drei Eisbären fressen sich an einer Robbe satt und lassen sich vom Besuch der Menschen nicht wirklich stören. bewohner solche Gletscher nichts Neues sein sollten, staunen wir über die Mächtigkeit der Wand, die sich am Ende der Bucht zeigt. Das Wetter ist einmal mehr Spitzbergen-typisch: bewölkt, leicht nieselig und etwas windig, was das Einsteigen in die Schlauchboote zu einem kleinen Abenteuer macht. Doch die Szenerie entschädigt für die Schaukelei: Überall treiben Eisbrocken des Gletschers im Wasser mit Dreizehenmöwen als Passagiere; in den Felsen an der Küste sitzen Dickschnabellummen und sogar Papageientaucher beim Brutgeschäft, und hoch oben fliegen Eismöwen und andere Seevögel; an den Hängen der Berge entdecken wir sogar Rentiere. Zum Glück sind wir am Nachmittag in Ny Ålesund, der nördlichsten Siedlung der Welt, um diese ersten Eindrücke zu verarbeiten. Denn der Ort ist klein und übersichtlich und erlaubt es uns, noch einmal einen Hauch von Zivilisation zu geniessen. Die rund 150 Wissenschaftler, die hier im Sommer leben, teilen sich trotzdem den Raum mit Weisswangengänsen, Küstenseeschwalben, Eis- und Elfenbeinmöwen und unzähligen anderen Vogelarten, die hier auch als Sommergäste brüten. Gemütlich können wir der Strasse entlang gehen und erhalten dennoch Gelegenheiten, die Tiere aus nächster Nähe zu beobachten. Noch ein paar Postkarten vom nördlichsten Postamt abschicken, etwas Geschichte über Amundsen und die Luftfahrt in der Arktis lernen, und schon ist auch der Nachmittag vorbei. Wir machen uns auf den Weg in den wilden Norden des Archipels. Glück gehabt Der Norden der Hauptinsel Spitzbergen wird von zwei Fjorden tief eingeschnitten, dem Wijdefjord und dem Woodfjord. Letzterer ist auch unser erstes Ziel für eine Anlandung in die arktische Tundra. Passend dazu hat sich das Wetter signifikant verbessert, hin und wieder bricht die Sonne durch die Wolkendecke. Genau das Richtige für eine kleine Wanderung über weichen Tundraboden mit unzähligen Fotostopps. Svalbard-Mohn, verschiedene Steinbrecharten und sogar Pilze lassen beinahe jeden auf die Knie gehen... Fantastisch, wie die Farben der Blüten, der Moose und Flechten leuchten, umrahmt von Bergen, Gletschern und dem Meer. Hier sieht es völlig anders aus als das Bild, das sich die meisten Leute von der Arktis machen. Auch am Nachmittag am Monacobreen, einer der bekanntesten Gletscherfronten, sind unsere Gefühle zweigeteilt: Hohe Berge, massive Gletscher und Eis im Wasser sind zwar untrügliche Zeugnisse der Arktis; aber gleichzeitig scheint die Sonne, und die Temperaturen sind auf der eher angenehmen Seite. Das Resultat der globalen Erwärmung?, fragt sich mancher insgeheim. Jedenfalls geniessen wir die ruhige und friedliche Atmosphäre. Doch nicht für lange: Ein Eisbär auf einer kleinen Insel der Andøyane! Unverzüglich bringt Kapitän Alexey Nazarov das Schiff in eine geeignete Halteposition, während wir eilig die Schlauchboote bemannen. Gespannte Aufmerksamkeit macht sich breit. Doch der Bär spielt Verstecken mit uns. Zuerst noch näher am Ufer, verzieht er sich bald in eine Senke in der Mitte der Insel, um sich auszuruhen und Energie zu sparen. Denn der Sommer ist die Fastenzeit für Eisbären, und wenn nur wenig Nahrung zu finden ist, müssen längere Ruhepausen eingelegt werden. Und wir gelangen unversehrt zurück an Bord der «Plancius». Dafür präsentieren sich andere Tiere umso lebendiger, zum Beispiel die Eiderenten, die auf den Inseln nisten und als Namensgeber der Enteninseln dienen. Herrlich, wie die schwarz-weissen Erpel und die fast perfekt getarnten Enten vom Wasser zu ihren Brutplätzen watscheln und wie Küstenseeschwalben im Sonnenlicht über dem Wasser schweben auf der Suche nach Nahrung. Zauberhafte Szenerie Kann die Szenerie noch besser werden? O ja, sie kann! Denn die weiter nördlich gelegenen Sieben-Inseln (Sjuøyane), die uns zuerst mit Nebel empfangen, sind genau das, was wir uns zu Hause unter «Arktis» vorgestellt haben: Eis und Schnee sind immer noch an den Hängen zu sehen, Pflanzenwuchs ist praktisch nicht sichtbar, im Wasser treiben Eisschollen… und eine grosse Zahl Walrosse. Auch am Strand liegen mindestens 100 der urtümlichen Kolosse dicht an dicht und ruhen sich von der Suche nach Muscheln, ihrer Hauptnahrung, aus. Diese Ruhe strahlt auch auf uns aus. Wir geniessen das Schauspiel, obwohl uns hin und wieder eine Wolke der Marke «Chanel Walrus» entgegenweht. Eines 44 PolarNEWS

ist sicher: Dieses Parfum wird es nicht in die Geschäfte der Zürcher Bahnhofstrasse schaffen. Hin und wieder können wir auch das Sportprogramm von Walrossen beobachten. Es ist schon spektakulär, wie die Tiere ihre bis zu 1,5 Tonnen schweren Körper hochwuchten und wie wendig sie sich bewegen können. Die Stosszähne, die wie Dolche aus den Schnauzen ragen und derentwegen die Tiere an den Rand der Ausrottung getrieben wurden, leuchten aus dem rostbraun-roten Gewimmel der Leiber heraus. Einfach grossartig und faszinierend! Eisbären! Doch gestreng dem Motto «Und wenn man glaubt, es kann nicht mehr besser werden, kommt es knüppeldick» wird der Nachmittag zum grossartigen Spektakel: Delphine und Kapitän Nazarov haben die «Plancius» ins Eis geführt, um nach Robben und vor allem nach Eisbären Ausschau zu halten. Und tatsächlich: Kaum sind wir im Eis, entdecken wir unseren ersten Bären – der allerdings von uns weg wandert. Noch gleich darauf finden die Expeditionsguides einen weiteren, diesmal schlafenden Bären auf einer Scholle. Gekonnt steuert der Kapitän unser Schiff zur Scholle, und wir werden Zeugen, wie Eisbären aufwachen. Doch damit nicht genug: Das Tier hat uns gewittert und will herausfinden, was sich da seiner Scholle genähert hat. Der Bär kommt näher und näher, bis er schliesslich direkt an der Bordwand steht und zu uns hoch blickt. Ein atemberaubender Moment, der von unzähligen Kameras festgehalten wird. Niemand scheint mehr zu atmen. Nur das Klicken der Fotoapparate ist zu hören. In der glatten Wasseroberfläche zwischen den Schollen spiegelt sich das Tier perfekt und bietet ein unglaubliches Bildmotiv. Mehr als 15 Minuten bleibt das imposante Männchen bei uns, bevor es weiter seiner Wege geht. Noch haben wir uns nicht richtig von diesem einzigartigen Moment erholt, als bereits der nächste Eisbär entdeckt wird und der direkt in unsere Richtung läuft. Auch dieses Männchen kann seine Neugier nicht bezähmen und kommt vorsichtig näher an die «Plancius» heran. Nur wenige Meter vom Schiff entfernt bleibt der Eisbär stehen und begutachtet uns, die Nase immer wieder in die Luft haltend. Eisbären sind mit einem sehr sensiblen Geruchssinn ausgestattet. Auch dieser Bär bleibt länger als eine Viertelstunde am Schiff, um dann wieder weiter über das Eis zu ziehen, auf der Suche nach Robben. Wir können unser Glück kaum fassen und sind noch voll euphorisch, als auf einer Eisscholle gleich eine ganze Gruppe von Eisbären entdeckt wird, und auch diese Bären scheinen keinerlei Eile zu haben. Noch mehr Eisbären! Als wir langsam näher kommen, wird uns klar, wie viel Glück wir haben: Insgesamt sechs (!) Eisbären sind um eine frisch geschlagene Bartrobbe versammelt, drei davon fressen genüsslich und friedlich an den Überresten. Ihre roten, blutverschmierten Gesichter blicken immer wieder in unsere Richtung, sie lassen sich aber nicht stören. Die Zeit scheint stillzustehen. Sprachlos betrachten wir die gleichermassen unheimliche und PolarNEWS 45

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