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PolarNEWS Magazin - 17 - D

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und aussaugen. Danach

und aussaugen. Danach heisst es aber schon bald: Ostgrönland ho! Nach zwei Tagen ruhiger Überfahrt durch die Grönlandsee schält sich die Küste Ostgrönlands aus dem Nebel, und irgendwie sieht es gar nicht so anders aus als die Westküste Spitzbergens. Die Bergspitzen sind zwar nicht so gezackt, aber man erkennt klar Gletscher und Tundravegetation, sogar das Gestein scheint sehr ähnlich zu sein. Sind wir etwa wieder in Spitzbergen? Nein, denn geologisch gesehen haben die beiden Küstenbereiche einen gemeinsamen Ursprung, wurden aber durch geologische Vorgänge vor 20 bis 30 Millionen Jahren voneinander getrennt durch die Öffnung der Grönlandsee. Durch die starke Vergletscherung Ostgrönlands, ein Resultat des kalten Grönlandstromes, der von Norden her der Küste entlang fliesst, wurden die meisten Bergspitzen abgetragen und bilden die heutige Silhouette Ostgrönlands: Tafelberg-ähnlich mit tiefen Tälern dazwischen. Die Küste selbst ist mit tiefen Fjordsystemen sehr stark zerklüftet. Die Gletscher haben die geologische Geschichte Grönlands freigelegt. Eines der grösseren Fjordsysteme und unser erstes Ziel an der Küste ist der Kaiser-Franz-Joseph-Fjord, der sich weit verzweigt und mit durchschnittlich 22 Kilometern Breite und bis zu 970 Metern Tiefe sehr imposant wirkt. Bei unserer ersten Landung auf grönländischem Festland bei Myggebukta erhalten wir einen ersten Eindruck, wie grönländische Tundra aussehen kann. Von weitem noch dachten wir, wie ähnlich sich Spitzbergen und Ostgrönland sind. Nächste Reise: Spitzbergen – Ostgrönland Wann: 24. August bis 7. September 2013 Schiff: MS «Plancius» Passagiere: 106 Crew: 49 Aber nun, bei näherer Betrachtung, finden wir einen massiven Unterschied: Die Vegetation ist viel grösser und höher gewachsen. Und reichhaltiger. Rund 500 Arten von Gefässpflanzen wachsen in Grönland, viele davon auch auf der Ostseite – wahrscheinlich aufgrund des mineralhaltigen Bodens, der nach der letzten Eiszeit von den zurückgezogenen Gletschern freigelegt wurde. Aber auch faunistisch gesehen werden wir von den Expeditionsguides auf einen markanten Unterschied aufmerksam gemacht: In der Ferne steht auf einem Hügelkamm eine Gruppe von Moschusochsen (Ovibos moschatus), die uns längst entdeckt haben und sicherheitshalber noch etwas Distanz zwischen sich und den unbekannten Neuankömmlingen schaffen. Diese mit den Ziegen verwandte arktische Tierart fehlt auf Spitzbergen komplett. Moschusochsen sind erst hier zu sehen, wo sie die Küstenbereiche durchwandern auf der Suche nach Futter und Wasser. Obwohl mit 1,4 Metern Schulterhöhe doch ziemlich gross, sind die Tiere nur schwer zu entdecken, denn die vorherrschende Farben hier sind Rot- und Brauntöne, mit einzelnen Farbtupfern von Blau, Weiss und Gelb. Man bemerkt den bereits nahenden Herbst schon aufgrund dieser Farbenkombination. Im Schein der Frühherbstsonne leuchten sie kräftig und wunderschön. Durch die Fjorde Die nächsten Tage erkunden wir extensiv dieses Fjordsystem, landen an vielen wunderschönen Orten wie beispielsweise Ymer Ø oder Andree-Land, kreuzen mit den Zodiaks vor Gletschern oder mit dem Schiff an riesigen Eisbergen vorbei und geniessen das überraschend traumhafte Wetter mit viel Sonnenschein. Dieser enthüllt ein prächtiges Farbenspiel und lässt sowohl Pflanzen wie auch die spannenden Gesteinsformationen der hinteren Bereiche des Fjordes in satten Farben erleuchten. Sogar einen Eisbären auf den im Fjord treibenden Eisschollen können wir lange beobachten. Dabei bestätigt sich einmal mehr die Erfahrung unseres Kapitäns – nämlich dass er das Schiff nahe an den Bären heranbringen kann, ohne dass sich dieser gestört fühlt. Ein wahrer Glücksfall, denn die Eisbärenpopulation Ostgrönlands wird auf lediglich 200 bis 500 Tiere geschätzt, und daher sind entsprechende Zusammentreffen selten. 54 PolarNEWS

Weitere Höhepunkte sind sicher die phänomenalen Sonnenaufgänge frühmorgens, denn obwohl wir uns noch weit über dem Polarkreis befinden, herrscht hier keine Mitternachtssonne mehr. Die Nächte sind zwar kurz, aber die aufgehende Sonne morgens taucht die hohen Felswände mitten im Fjordsystem in ein goldenes Licht. Viele von uns stehen schon sehr früh auf, um diesen herrlichen Anblick zu geniessen und auf einer Speicherkarte zu verewigen. Auf Ella Ø treffen wir auch auf eine Basis der Sirius-Patrouille, eine Elite-Einheit der dänischen Armee. Sie sind hier für Überwachungsaufgaben stationiert, denn der Fjord ist Teil des grössten Nationalparks der Welt. Mit 972’001 Quadratkilometern Fläche ist er 24 Mal grösser als die Schweiz. Der Besuch auf der Station ist sowohl für uns wie auch für die Sirius-Mitglieder eine willkommene Abwechslung und erlaubt uns einen Einblick in den Alltag dieser Spezialtruppe. Nachdem wir aus dem Kong-Oscar-Fjord, der mit dem Kaiser-Franz-Joseph-Fjord verbunden ist, hinausgesegelt sind, führt uns unsere Route der Küste entlang in das grösste Fjordsystem der Welt, den Scoresbysund. Doch bevor wir diesen Fjord erreichen, erleben wir früh am Morgen ein Spektakel, wie es das so nur noch selten gibt: eine riesige Gruppe Buckelwale auf der Jagd nach Fischen. Zuerst entdecken wir nur die Blas- Wolken der Wale in der Ferne. Kapitän Levakov steuert das Schiff geradewegs auf die Entdeckung zu, und unversehens gleiten wir inmitten einer Gruppe von 120 bis 150 Buckelwalen. Die mächtigen Tiere sind überall um uns herum, sogar direkt am Schiff tauchen sie auf, holen in aller Ruhe Luft und verschwinden wieder für ein paar Minuten in der Tiefe, um zu frühstücken. Ein unglaublicher Anblick im goldenen Licht der Morgensonne. Alle Passagiere sind wie verzaubert. Stunden später gleiten wir sanft im Scoresbysund, und wieder ist das Wetter absolut Im Uhrzeigersinn von oben links: Die Arktische Glockenblume und das Arktische Weidenröschen, Grönlands Nationalblume. Im Harefjord, dem hinteren Bereich des Scoresbysund. Rechts erkennt man die Ausläufer des mächtigen Eispanzers, der Grönland bedeckt. Moschusochsen finden in der sommerlich üppigen Tundra reichlich Nahrung und gedeihen prächtig. Blick auf die südlichste Station der Sirius- Patrouille, einer Spezialeinheit des dänischen Militärs, die die Nordostküste Grönlands mit Hundeschlitten und Booten kontrolliert. PolarNEWS 55

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