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PolarNEWS Magazin - 17 - D

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Reise Auf der anderen

Reise Auf der anderen Sei An der Ostküste von Grönland steht nur ein einziges Dorf. Umso beeindruckender ist die grossartige Natur. Text und Bilder: Michael Wenger Die meisten Reisen in die Arktis von Europa aus starten in Longyearbyen, dem Hauptort auf Spitzbergen und Tor in die nördlichsten Regionen. Auch unsere Reise beginnt hier, nur 1200 Kilometer vom Nordpol entfernt. Zwei Tage zuvor genossen wir noch einen Spätsommertag in der Schweiz mit angenehmen Temperaturen, schon stehen wir in dicken Jacken und mit Handschuhen und Mützen mitten in Longyearbyen und hören von unserem lokalen Guide Marcel Schütz, wie und warum Menschen hier hoch gekom- 52 PolarNEWS

Im Kaiser-Franz-Joseph-Fjord spiegeln sich die Berge von Hudson-Land, Teil des grönländischen Festlandes. Denn unser eigentliches Ziel ist nicht die Arktis hier auf Spitzbergen, sondern liegt weiter im Westen davon, nämlich Ostgrönland. Doch im Moment sind wir erst mal froh, als wir nachmittags an Bord der «Plancius», unserem Heim für die nächsten zwei Wochen, unsere Kabinen beziehen können. An Bord empfängt uns eine behagliche Wärme, die auch von der Crew und dem Hotelpersonal, trotz Willkommenshektik, ausgestrahlt wird. Ein kurzer Rundgang durch das Schiff, um sich umzusehen und um Freunden und Bekannten der Crew kurz Hallo zu sagen. Ja, es sieht alles noch so aus wie vor zwei Wochen, als ich das letzte Mal an Bord war, damals als Expeditionsguide, heute aber als Tourguide für PolarNEWS. Zusammen mit 31 Arktisfreunden bin ich unterwegs, um ihnen vor allem den Zauber Ostgrönlands zu zeigen. Denn dies ist eine Region, die nur schwer zu erreichen ist, anders als die Westseite der grössten Insel der Welt. Dort findet man die meisten Ortschaften und die entsprechende Infrastruktur, dort haben sich schon seit Jahrhunderten Menschen vor allem aufgehalten, begünstigt durch das Klima und die Topographie. Ganz anders der Osten: rau, wild, beinahe unbewohnt und lange Zeit von den Eismassen der Arktis aus dem Norden eingeschlossen. Erst ab etwa Ende August sind die Bedingungen für eine Expeditionsfahrt wirklich ideal, um in die riesigen Fjorde hineinzufahren und sie zu erkunden. Und genau das ist nun unser Ziel. te Grönlands men sind und hier leben. Auch er gehört zu denjenigen, die ihre Zelte in ihrer Heimat abgebrochen haben und sich eine neue Existenz hier auf 78 Grad nördlicher Breite aufbauen. Entgegen den Wetterprognosen pfeift ein eisiger Wind aus dem Adventdalen herunter, und wir versuchen, hinter Gebäuden in Deckung zu gehen und den Ausführungen Marcels zu folgen. Aber der eine oder andere fragt sich bereits, ob das Wetter in den nächsten 14 Tagen besser sein wird oder schlechter, ob der Wind auch an unserem Hauptziel derartig eisig die Täler und Gletscher herunterwehen wird. Ostgrönland einfach Bevor wir uns auf den Weg nach Westen machen, führen uns Kapitän Evgeny Levakov und Expeditionsleiterin Delphine Aurés nach Norden, an den Nordwestzipfel Spitzbergens. Ein erster Halt im Liefdefjord mit Gletscher, Bartrobben und Seevögeln, eingerahmt von hohen, spitz zulaufenden Bergflanken lassen die arktischen Gefühle ein erstes Mal auflodern. Am Abend setzen wir unseren Weg fort nach Norden zur Insel Moffen, wo wir trotz Nebel unsere einzige Möglichkeit, Walrosse zu sehen, wahrnehmen. Wir beobachten diese urtümlichen, bis zu 2 Tonnen schweren Kolosse eine Weile, sowohl an Land wie auch um das Schiff herum. Obwohl sie behäbig an Land wirken, sind sie im Wasser sehr wendig und geschickt, wenn sie nach Muscheln tauchen, die sie mit ihren Lippen festhalten PolarNEWS 53

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