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PolarNEWS Magazin - 17 - D

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Umwelt Die Rattenfänger

Umwelt Die Rattenfänger von G Walfänger haben Ratten nach Südgeorgien eingeschleppt. Seither sind sie eine Bedrohung für die Vögel. Nun sorgen engagierte Wissenschaftler dafür, dass die Viecher wieder von der Insel verschwinden. 46 PolarNEWS

Text: Michael Wenger Bilder: South Georgia Heritage Trust Es ist Frühsommer auf Südgeorgien. Millionen von Seevögeln schwirren in der Luft umher auf ihrem Weg von den Nestern zu den reichhaltigen Fischgründen im Südatlantik. Ein Sturmvogelmännchen kehrt mit gefülltem Schlund zurück: Krill und andere Krebse, die es im Verlauf des Tages zusammengesammelt hat. Die Beute ist für sein Küken bestimmt, das allein und hungrig im Nest auf die Rückkehr der Eltern wartet. Das Junge ist gerade erst so gross geworden, dass beide Elternteile Nahrung beschaffen müssen. Nur so können die Altvögel sicher sein, dass ihr Nachwuchs rechtzeitig flügge wird und den harten subantarktischen Winter übersteht. Das Sturmvogelmännchen kehrt punktgenau zu seinem im Tussockgras verborgenen Erdnest zurück, eine kleine navigationstechnische Meisterleistung im Angesicht der dichten Vegetation der Insel. Doch als es ins Nest kommt, stimmt etwas nicht. Kein Rufen hallt aus der Höhle, und auch kein Kopf schaut heraus. Am Eingang liegen nur Daunenfedern… und Reste eines Kadavers. Ein Rascheln im Gras lässt das Sturmvogelmännchen aufschrecken, es sieht ein braunes Stück Fell davonhuschen: Eine Ratte hat sich das kleine Küken geholt und verschwindet im Gras in seinen eigenen Bau… rytviken Rattenplage mitten im Meer Die Insel Südgeorgien liegt mitten im Südatlantik, tausende von Kilometern von Südamerika und Afrika entfernt. Durch ihre Lage in einem der reichhaltigsten Ökosysteme der Erde, dem Südpolarmeer, ist sie zur Brutstätte von Millionen von Seevögeln geworden. Die meisten von ihnen kommen nur einmal im Jahr zur Fortpflanzung her. Hier finden sie alles, was sie brauchen, um ihren Jungen den bestmöglichen Start ins Leben zu bieten. In diesem Paradies sollen gemäss Schätzungen von Wissenschaftlern noch vor rund 200 Jahren etwa 100 Millionen Vögel heimisch gewesen sein. Neueste Untersuchungen haben aber eine aktuelle Zahl von rund 65 Millionen Vögeln ergeben. Wie ist dieser dramatische Rückgang zu erklären? Mit der eingangs beschriebenen Szene: Ratten und Mäuse – eingeschleppt von den Robben- und Walfängern, die vor knapp 150 Jahren anfingen, Südgeorgien als Basis für ihr blutiges Geschäft zu nutzen. Wie die Seevögel fanden auch Ratten und Mäuse entlang der gesamten nordöstlichen Küste ideale Lebensbedingungen vor. Einheimische Tiere und Pflanzen, die weder Schutzstrategien noch Schutzmöglichkeiten haben, sind den Ratten ziemlich hilflos ausgeliefert. Die Nager richteten deshalb in relativ kurzer Zeit riesigen Schaden in der südgeorgischen Flora und Fauna an. Denn zum einen fressen sie Insekten und Pflanzensamen und verhindern so Wachstum und Regeneration der Vegetation. Zum andern machen die Ratten auch vor den bodenbrütenden Vögeln nicht halt. Heute weiss man, dass zwei Drittel der Küstengebiete von Ratten besiedelt sind. Ihr Ausbreitungs- Aufgefüllt: Mitarbeiter kontrollieren einen Sack mit eingefärbten, vergifteten Pellets. PolarNEWS 47

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