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PolarNEWS Magazin - 17 - D

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Und was war aus der

Und was war aus der «Fram» geworden? Als Nansen mit Johansen das Schiff verliess, übertrug er das Expeditions-Kommando dem Schiffskapitän Otto Sverdrup. Dieser sorgte für wissenschaftliche Forschung und Unterhaltung auf der «Fram» und liess das Schiff weiterhin unbeschadet durch das Eis driften. Am 15. November 1895 erreichte die «Fram» 85 Grad 55 Minuten nördliche Breite und war damit nur 35 Kilometer weniger weit nördlich gekommen als Nansen und Johansen. Und damit das erste Schiff überhaupt, das so nahe an den Nordpol vorgedrungen war. Die «Fram» kommt zurück Dann driftete sie wieder süd- und westwärts bis nördlich von Spitzbergen. Vom Juni bis August 1896, also in der Zeit, als Nansen und Johansen von Jackson gerettet wurden, liess Kapitän Sverdrup die letzten 180 Kilometer Packeis bis zum offenen Meer sprengen: Die «Fram» konnte sich nun wieder aus eigener Kraft vorwärtsbewegen und steuerte Richtung Heimat. Am 21. August 1896, nur acht Tage nach der Ankunft von Nansen und Johansen, lief die «Fram» im Hafen von Tromsø ein – endlich war die ganze Crew wieder vereint. Alle hatten das wagemutige Experiment überlebt. Die Auswertung der «Fram»-Expedition wurde in sechs wissenschaftlichen Bänden veröffentlicht. Die Haupterkenntnisse: Der Nordpol ist weder ein Kontinent noch ein warmes Meer, sondern umgeben von bewegtem Packeis. Es existiert tatsächlich eine transpolare Driftströmung von Osten nach 23.6.1896: Auf Franz-Joseph-Land trifft Nansen auf Jackson mit Hund (die Szene ist nachgestellt). Westen. Gleichzeitig bewegt sich die Meeresströmung unter dem Eis in eine entgegengesetzte Richtung, was mit der von der Erdrotation verursachten Corioliskraft zu tun hat. Der Arktische Ozean ist ein Tiefseebecken. Zum ersten Mal verfügte man über präzise, detaillierte ozeanographische Informationen über die Nordpolarregion. Auch über die Art und Weise, wie Expeditionen effizient durchgeführt werden können, lieferte Nansens Trip wertvolle Informationen: Zum Beispiel, dass Hunde besser und schneller Schlitten ziehen können als Menschen. Aufgrund der Erfahrungen auf der «Fram» wurde das Ausrüstungsmaterial von den Skiern über die Kleidung bis zum Gaskocher verbessert – inklusive Schiffsbau. Die «Fram» selber war Jahre später das Schiff, mit dem der Landsmann Roald Amundsen aufbrach, den Südpol zu erobern. Fritjof Nansen gilt bis heute als einer der bedeutendsten Polarforscher der Geschichte. Fredrik Hjalmar Johansen hingegen geriet in Vergessenheit: Als Nansen mitsamt seiner Familie als Gast des Königs in dessen Schloss eingeladen war, wurde Johansen bei den Feierlichkeiten gänzlich übersehen. Otto Sverdrup ging als Kapitän mit auf die nächste Expedition der «Fram» und führte später mehrere Arktis-Expeditionen an. 9.9.1896: Grosser Empfang in Kristiania bei der Ankunft von Nansen. Bei den Feierlichkeiten ging Hjalmar Johansen komplett vergessen (6.4.1894). 42 PolarNEWS

Chefin Inserate: Sonja Gartmann Intern Ab sofort kümmert sich Sonja Gartmann für PolarNEWS um unsere Inserenten und ihre Inserate. Wir heissen Sonja Gartmann in unserem Team herzlich willkommen: Sie ist Fan unseres Magazins seit der ersten Stunde, arbeitet als Lehrerin im Teilzeitpensum regelmässig mit unserem Heft im Unterricht, reist gerne in polare Gegenden und kümmert sich ab sofort um das Inseratewesen für PolarNEWS. Sonja ist 30 Jahre alt, in Domat/Ems aufgewachsen und spricht alle vier Landessprachen fliessend. Sie hat vor drei Jahren das Studium der Medienwissenschaften an der Universität Zürich abgeschlossen. Nach einer Weltreise, einem Praktikum bei der Swiss und einer temporären Tätigkeit im Mediendienst der Flugsicherung hat sie sich entschieden, eine Stelle mit Bezug auf ihre liebste Freizeitbeschäftigung zu finden – die Polarwelt. «Am PolarNEWS-Team gefällt mir besonders, dass alle vom Polar-Virus infiziert sind und sich mit grosser Begeisterung für das Magazin und Polarreisen einsetzen», erzählt Neu im Team: Sonja Gartmann. Sonja. «Da mache ich gerne mit, weil mich auch das Thema begeistert und alle Leser das Magazin weiterhin gratis erhalten sollen.» Kontakt: sonja@polarnews.ch Ein neuer Schlitten aus Polyethylen Das Unternehmen TransarcticSolo wird immer konkreter. Inzwischen hat Thomas Ulrich einen Schlitten nach Mass entwickelt. Der ist nun der Beste seiner Art. Im Jahr 2015 will der Berner Oberländer Thomas Ulrich einen zweiten Versuch unternehmen, von der russischen bis zur kanadischen Küste alleine und ohne Unterstützung quer über die Arktis laufen (siehe Interview im PolarNEWS Nummer 16). Die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren. Einen wichtigen Schritt hat Thomas inzwischen vollzogen: Der eigens für TransarcticSolo entwickelte Schlitten ist bei ihm in Interlaken eingetroffen. «Eigentlich hätte ich schon für meinen ersten ArcticSolo-Versuch 2006 Schlitten aus dem Kunststoff entwickeln wollen, aber damals fehlte mir schlicht das Geld dafür», erzählt Thomas Ulrich. «Ich benutzte schliesslich bestehende Schlitten aus Keflar und Karbon, aber die gleiteten auf dem Eis nicht so gut, wie ich erwartet hatte. Und sie waren relativ kantig und deshalb schwer manövrierbar. Von meiner Expedition mit Børge Ousland 2003 durch das patagonische Inlandeis aber wusste ich, dass Polyethylen hervorragende Gleiteigenschaften besitzt – damals bestanden die Kajaks aus diesem Kunststoff.» Als Thomas Ulrich später den Entschluss fasste, einen zweiten Versuch zu Fuss, alleine und ohne Unterstützung über die Arktis zu unternehmen, setzte er sich mit Spezialisten Entwicklerstolz: Thomas Ulrich mit dem ersten erfolgreich hergestellten Schlitten. der Berner Fachhochschule für Technik und Informatik in Biel zusammen und tüftelte an einem Schlitten aus Polyethylen. In einem weiteren Schritt liess Ulrich von der auf Karbon-Verfahren spezialisierten Firma OCP in Lyss eine Art Prototyp aus Glasfasern herstellen. Diesen testete er letztes Jahr ausführlich am Nordpol. «Technische Ergebnisse sind das eine», sagt Ulrich, «aber ob dann alles auch wirklich funktioniert, kann man eben nur dort austesten, wo der Schlitten zum Einsatz kommen wird.» Tatsächlich verbesserte er nach der Testphase im Eis den Prototypen mit den Ingenieuren der Fachhochschule. Schliesslich liess er den Schlitten bei der deutschen Firma Priyon, dem weltgrössten Hersteller von Kajaks, im sogenannten Blasverfahren herstellen. Ergebnis: «Ich bin sehr zufrieden. Jetzt kommen noch spezielle Details wie Haken und Ösen dazu.» Mit anderen Worten: Thomas Ulrich besitzt nun den wohl besten Schlitten für Arktis- und Antarktis-Expeditionen. Entsprechend möchte er einen Teil der Entwicklungskosten wieder einbringen, indem er ihn an andere Abenteurer verkauft. Der Schlitten ist 1,65 Meter lang, 0,6 Meter breit, 6 bis 8 Kilo schwer und fasst die Ausrüstung, die Ulrich auf TransarcticSolo hinter sich herziehen wird. PolarNEWS 43

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