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PolarNEWS Magazin - 17 - D

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mission on the Limits of

mission on the Limits of the Continental Shelf, die Kommission zur Begrenzung der Festlandsockel. Hier kann jedes Land Besitzansprüche über die 200-Meilen-Zone hinaus geltend machen, sofern es beweisen kann, dass sich dessen Kontinentalsockel auf dem Meeresboden über die besagte Zone hinaus ausbreitet. In der «Beweisführung» der betreffenden Länder hat sich vor allem der Lomonossow- Rücken zum Zankapfel entwickelt. Dieser 60 bis 200 Kilometer breite und bis zu 3500 Meter hohe Gebirgszug auf dem Meeresgrund ruht zwischen Grönland und den russischen Neusibirischen Inseln, und genau da liegt das Problem: Die Russen betrachten den Lomonossow-Rücken als Fortsetzung ihres Landes, während Grönland das Gebirge als unterseeischen Fortsatz Grönlands definiert. Die Kanadier reklamieren den Lomonossow-Rücken derweil als Fortsetzung ihrer Ellesmere-Insel. Alle drei Länder haben selbstverständlich geologische Gutachten erstellt, die ihre Thesen beweisen. Dass übrigens unter dem Lomonossow-Rücken Erdöl oder andere Bodenschätze eingelagert sind, schliessen amerikanische Geologen so gut wie aus. Politische Lösungen Die Situation ist aber weitaus komplizierter: Dänemark/Grönland und Kanada fechten den Anspruch Russlands auf den Lomonossow-Rücken an. Gleichzeitig streiten sich Dänemark/Grönland und Kanada um die winzige Hans-Insel und die Seegrenze in der Lincolnsee nördlich von Grönland. Die USA lehnen den Anspruch Kanadas auf die Nordwestpassage ab. Und Russland lehnt Norwegens Vorschlag einer Fischereischutzzone um Spitzbergen ab. Entschieden wird noch lange nichts, die Eingabefristen laufen noch. Begleitend soll der 1996 gegründete Arktische Rat, bestehend aus acht Anrainerstaaten und indigenen Nordvölkern, die Stimmung friedlich halten und Einigungen aufgrund des Seerechts ermöglichen. Erst seit Ende 2012 hat dieses wichtige Gremium einen festen Sitz, im norwegischen Tromsö. Zudem haben sich die Anrainerstaaten im Mai 2008 in der sogenannten Erklärung von Ilulissat verpflichtet, den Arktis-Konflikt auf der Grundlage des Rechts zu lösen, also nicht zu den Waffen zu greifen. 2010 konnten deshalb Russland und Norwegen einen Seegrenzen-Streit in der Barentssee friedlich beilegen. Und erst kürzlich unterzeichneten die Anrainerstaaten im Arktischen Rat das rechtlich bindende Abkommen, dass sie einander bei Rettungs- und Suchaktionen in der Arktis helfen. Immerhin. Das ist schon mal ein Anfang. Doch das «Great Game», wie der Kampf um die Arktis genannt wird, geht derweil auch mit anderen Mitteln weiter. China macht Stunk Eröffnet hatte das «Grosse Spiel» 2007 der damalige russische Staatspolitiker Artur Tschilingarow: Er setzte im August mit zwei U-Booten die russische Flagge auf dem Meeresgrund exakt auf 90 Grad Nord. Und markierte wie in früheren Eroberer-Zeiten den Besitzanspruch Russlands auf den Nordpol. Die anderen Staaten waren entsetzt. Diese Aufregung hat sich inzwischen aber wieder gelegt, weil die Flagge keinerlei gesetzliche Berechtigung hat. Viel mehr Grund zur Besorgnis erregt seit einigen Jahren China. Die Wirtschaft des bevölkerungsreichsten Lands der Erde wächst in Riesenschritten und benötigt dringend «Treibstoff», um den Motor am Laufen zu halten. Aggressiv kaufen die Chinesen auf der ganzen Welt Schürfrechte ein. Immer wieder erhebt Peking resolut Besitzanspruch auf kleine Inseln (und die dazu gehörende 200-Meilen-Zone) und gerät so in Konflikt mit Nachbarstaaten. Und natürlich ist der Rote Riese auch auf das Erdöl und das Erdgas in der Arktis scharf. Das veranschaulicht die Regierung auch mit militärischen Mitteln: Bereits fünf Mal kreuzte der 167 Meter lange Eisbrecher «Xue Long» («Schneedrache») die Arktis, zuletzt im vergangenen Sommer nahe am Nordpol vorbei. Parallel dazu ist das 8,2 Meter lange Tiefsee-U-Boot «Jiaolong» («Meeresdrache») unsichtbar unterwegs. Beide seien, so versichert Peking gerne, nur zu Forschungszwecken unterwegs. Aber das ist diplomatisches Gerede: China geht es darum, den starken Staat zu markieren. Und drängt auf einen Beobachterstatus im Arktischen Rat. Und fordert von Russland den freien Zugang zur Nordostpassage. «Bisher hat China keine Rohstoffexploration in der Arktis betrieben», sagte Zhao Yun, Pekings Botschafter in Norwegen, kürzlich an einer Konferenz der Organisation Arctic Frontiers in Tromsö. Man beachte das kleine Wort «bisher»... Nächstes Jahr soll der zweite chinesische Eisbrecher vom Stapel laufen. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri macht sich in einer kürzlich veröffentlichten Studie Sorgen um den Frieden in der Arktis wegen der Aggressivität Chinas. Militärische Präsenz Doch auch Russland setzt auf Taten mit klarer Signalwirkung: Bereits im Frühling 2011 verkündigte der russische Heerchef Alexander Postnikow die Bildung einer Artkis-Brigade mit Stützpunkt nahe Murmansk. Russland werde, so hiess es ohne Schönfärberei, seine Ansprüche auf die Bodenschätze im Eismeer notfalls militärisch durchsetzen. 2015 sollen Kriegsschiffe und U-Boote in der Arktis patrouillieren. Entsprechend verstärkten die USA und Kanada umgehend ihre militärische Präsenz in den arktischen Gewässern. Nichts als Probleme Viele Experten sind jedoch sehr zuversichtlich, dass es nie zu einem militärischen Konflikt in der Arktis kommen wird. Und zwar aus mehreren Gründen: Niemand kann sich einen teuren Krieg leisten um Öl, von dem immer noch nicht sicher ist, ob man es überhaupt je wird fördern können. Und vor allem: in der Entwicklung notwendiger neuer Fördertechniken sind die Länder auf gegenseitige Hilfe, sprich Austausch von Knowhow angewiesen. Beobachter nehmen deshalb an, dass die wirtschaftlichen und technischen Notwendigkeiten die Länder zu einer friedlichen Lösung ihrer Konflikte förmlich zwingen. Kommt hinzu: Eine Studie des norwegischen Zentrums für internationale Klimaund Umweltforschung in Oslo kam im Herbst letzten Jahres zum Ergebnis, dass die Arktis als Erdöl- und Erdgas-Lager stark überschätzt wird: Die Kosten, diese Reserven auszubeuten, seien schlicht und einfach zu hoch. Denn Ölförderung in der Arktis ist extrem teuer, weil das unberechenbare Wetter, die tiefen Temperaturen und das unberechenbare Meer die Techniker vor schier unlösbare Probleme stellen. Ein paar Beispiele: Bei Temperaturen von minus 60 Grad kann Metall brechen. Hubschrauber können bei extrem tiefen Temperaturen nicht fliegen, weil der Treibstoff verdickt. Im kurzen arktischen Sommer tauen Permafrostböden auf, schwere Maschinen sinken ein. Es herrscht monatelange Dunkelheit, und Arbeiter müssen sich vor Eisbären und im Sommer vor Milliarden von Mücken schützen. Verständlich, dass sich deshalb Fachkräfte nur sehr schwer finden lassen. Das Meer in der Arktis ist sehr unruhig, das Wetter kippt sehr schnell, die Stürme sind überaus heftig. Eisberge können mit Bohrinseln kollidieren und diese beschädigen – in der Baffin Bay, wo die Konzerne Statoil und Cern aktiv sind, patrouillieren deshalb permanent Eisbrecher, die gefährliche Eisberge abschleppen. Wasser kann an den Schiffswänden gefrieren und das Manövrieren erschweren. Der Meeresboden ist schlecht kartografiert. Die Eis-Situation ändert sich permanent. Das alles sind Gründe, warum die Ölkonzerne an der Entwicklung von 28 PolarNEWS

Eine Grafik des Ölmultis Statoil zeigt, wie die Erdölförderung in der Arktis funktionieren soll: Der Rohstoff wird in Tanks am Meeresboden gelagert und bei Bedarf zur schwimmenden Plattform hochgepumpt. Oder per Meeresboden-Pipeline direkt zum Festland weiterbefördert. PolarNEWS 29

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