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PolarNEWS Magazin - 16 - CH

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Rockhopper sind die

Rockhopper sind die einzigen Pinguine, die grosse Sprünge wagen. Sie stossen sich immer mit beiden Füssen gleichzeitig ab. Text: Heiner Kubny Bilder: Ruedi und Priska Abbühl Dass im Kinderfilm «Happy Feet» ausgerechnet ein Felsenpinguin der grosse Guru von Mumbles’ Kaiserpinguin-Kolonie ist, liegt wahrscheinlich in seinem putzigen Aussehen begründet: Lovelace, so heisst der Guru im Film, gibt mit seinen schmucken gelben Kopffedern und seinen karminroten Augen optisch viel her und setzt einen wohltuenden Gegenpart zur Einförmigkeit der Kaiserpinguine. Dass sich Felsen- und Kaiserpinguine in der echten Natur so gut wie nie begegnen, spielte für die Filmemacher eine untergeordnete Rolle. Die Kaiser leben rund um den antarktischen Kontinent, die Felsenpinguine aber im angrenzenden Gürtel der subantarktischen Inseln. Aber wir wollen nicht kleinlich sein. Erstaunlich aber ist viel eher, dass die Filmemacher nicht mehr aus der Figur Lovelace herausgeholt haben. Denn Felsenpinguine brüten, wie ihr Name schon verrät, in schwer zugänglichen Klippen. Dort ist das Klettern zwar anstrengend, aber sie sind vor Feindangriffen sicherer und von anderen Pinguinkolonien ungestört. Weil sie sich ein so schwer begehbares Territorium ausgesucht haben, sind die Felsenpinguine die einzigen ihrer Verwandtschaft, die buchstäblich grosse Luftsprünge wagen. Sein englischer Name Rockhopper – Felsenhüpfer – bringt diese Besonderheit auf den Punkt. Das hätte im Film «Happy Feet» sicher ein paar lustige Szenen gegeben. Drastische Bedrohung Aber konzentrieren wir uns auf Fakten. Am häufigsten ist der Felsenpinguin auf den Falkland-Inseln anzutreffen. Rund ein Drittel des 2005 weltweit auf 3,7 Millionen Brutpaare geschätzten Bestands ist hier zu Hause. Allerdings in rasant schwindender Zahl, vor allem auf den Falklands: Von 1984 bis 1995 hat die Anzahl der Brutpaare hier von geschätzten 2,5 Millionen Brutpaaren auf rund 300’000 Brutpaare abgenommen. Grund dafür ist die intensive Fischerei rund um die Falklands: Für die Felsenpinguine bleibt zuwenig Nahrung Für die Wanderungen auf den Klippen sind die Felsenpinguine mit kräftigen Krallen ausgerüstet. 60 PolarNEWS

übrig, sie verhungern während der auszehrenden Brutzeit zu Tausenden. Der Felsenpinguin steht deshalb auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Sichere Brutpflege Rockhopper besitzen vergleichsweise grosse Krallen und entsprechend ausgeprägte Beinmuskeln: Die brauchen sie, um auf den Felsen klettern zu können. Das Leben auf den Felsen erfordert auch eine spezielle Anlandungstaktik: Im Wasser warten sie eine grosse Welle ab, mit der sie auf die Felsen zuschwimmen. Im richtigen Moment schnellen sie aus dem Wasser und landen bäuchlings auf den Felsen. Da kann es schon mal vorkommen, dass sie von der nächsten Welle wieder ins Meer zurückgespült werden, bevor sie sich aufrichten konnten. Umgekehrt ist der Rockhopper der einzige Pinguin, der mit den Füssen voran ins Wasser springt. Das ist anstrengend, dafür bietet das Leben auf den Felsen relativ grosse Sicherheit vor Fressfeinden: Den Raubmöwen fällt es in den Klippen schwerer, ein Ei zu stehlen. Davon legt das Pinguinweibchen im November in der Regel zwei, die 33 Tage lang abwechselnd bebrütet werden: Die ersten Tage bleiben beide Elterntiere beim Nest und wechseln sich beim Brüten ab, danach geht das Männchen auf Nahrungssuche rund zehn Tage lang ins Meer, um dann die letzten zehn Tage des Brütens zu übernehmen, an denen das Weibchen auf Nahrungssuche geht. Nach dem Schlüpfen bleibt das Männchen bei den Kleinen, bis diese nach drei Wochen ihr zweites Dunenkleid entwickelt haben. Dann sind sie nämlich gross genug für den Kindergarten – und beide Elternteile können ins Meer jagen gehen, damit die Jungvögel genügend zu fressen kriegen. Oft wird nur das stärkere der beiden Küken gefüttert, das jüngere Küken verendet. Sind die Jungen nach etwa 13 Wochen schwimmtauglich, fressen sich die Elterntiere erst mal im Meer die verlorengegangenen Fettreserven wieder an, bevor sie für die Mauser an Land zurückkehren. Über die kalte Jahreszeit ziehen die Felsenpinguine in wärmere Gewässer, dann sieht man sie bis 2200 Kilometer von ihrem Brutplatz entfernt auch an der Küste Argentiniens und Brasiliens. Dabei verfügen die Vögel über einen ausgesprochen guten Orientierungssinn, denn die Tiere finden nicht nur zielsicher zu ihrem angestammten Brutfelsen zurück, sie verwenden auch Jahr für Jahr dasselbe Nest. Das ist bemerkenswert angesichts der Tatsache, dass Felsenpinguin-Kolonien bis zu 100’000 Der gelbe Federschmuck ist bei diesem Jungtier noch nicht ganz ausgewachsen. Nester zählen – dazu kommen die Nester der Kormorane und Albatrosse, die oft inmitten von Felsenpinguin-Kolonien brüten. Anfang Oktober gelangen zuerst die Männchen zu den Brutplätzen: Sie bessern ihre Nester mit Steinchen, Stöcken und Pflanzenteilen aus, bevor einige Tage später die Weibchen eintreffen. Felsenpinguine sind übrigens treue Gesellen: Sie brüten jedes Jahr mit demselben Partner. Angriff erfolgt sofort Und sie gelten als aggressivste aller Pinguinarten. Ohne Zögern attackieren sie alles, was ihrem Nest zu nahe kommt, egal, wie gross der vermeintliche Feind ist. Sogar wenn ein Mensch in seinem Territorium auftaucht, springt der Vogel hoch und schnappt nach dessen Ärmel. Ihren eigenen Partnern und dem eigenen Nachwuchs gegenüber verhalten sich die Felsenpinguine allerdings überaus liebevoll. Vielleicht ist das der Grund, warum die Macher von «Happy Feet» einen Felsenpinguin zum Guru der Kaiserpinguine gemacht haben. Denn Lovelace predigt im Film vor allem eines: Die ganz grosse, ewig währende Liebe. Die Küken werden in der Kolonie nach etwa einem Monat in Kindergärten gehütet. PolarNEWS 61

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