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PolarNEWS Magazin - 15

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Januar 2008: Unterwegs

Januar 2008: Unterwegs zum Südpol der Unzugänglichkeit macht der Traktor Probleme: Ein Flugzeug bringt Ersatz-Elektronik. 19. Januar 2012: Auf der amerikanischen Antarktis-Station McMurdo nach dem gescheiterten Versuch, zum magnetischen Südpol zu gelangen. stellen unsere Infrastruktur und Logistik, die zu erstellen ja extrem teuer ist, den Forschern zur Verfügung. Bei einer Expedition in Kanada zum Beispiel nahmen wir Forscher einer Uni in Montreal mit, die Messboyen auslegten. Auf einer Expedition in der Antarktis nahmen wir drei italienische und französische Forscher mit und stellten ihnen unsere Flugzeuge zur Verfügung: Hätten sie zu diesem Zeitpunkt ihre Messungen nicht durchführen können, wären für sie zwei Jahre Forschungsarbeit im Eimer gewesen. Warum unterstützen Sie die Forschung? Weil Sie an den Resultaten interessiert sind? Oder um ein schlechtes Gewissen zu beruhigen? Für mich ist das eine Frage, wie man erzogen wurde. Nicht die materiellen Werte sind von zentraler Bedeutung, sondern das Aufbauen von Wissen. Schon mein Vater hat mit viel Geld gemeinnützige und philanthropische Projekte unterstützt. Diese Tradition führe ich fort 7 . Alleine in das Projekt South Georgia Heritage Trust 8 zur Bekämpfung der Rattenplage auf South Georgia habe ich bisher rund drei Millionen Franken investiert. Wohingegen die Expedition mit den beiden russischen «Mir»-Unterseeboten zum Meeresgrund in der Weltpolitik sehr hohe Wellen warf. Die Russen steckten eine Fahne in den Boden und beanspruchten den Nordpol als russisches Territorium. Erst zwei Tage vor dem Tauchgang kam jemand auf die Idee, am Boden eine Fahne zu stecken, sie wurde dann ruckzuck im Maschinenraum des Schiffes angefertigt. Am meisten über die Fahne hat wohl das russische 7 http://typo.kulturimnetz.de/t1/index.php?id=2 8 www.sght.org. Zur Bekämpfung der Rattenplage: www.polar-news.ch/antarktis/faunatierwelt/451-das-letztejahr-der-ratten.html www.sght.org/ Aussenministerium gestaunt, denn die ganze Aktion war absolut privat finanziert und organisiert. Dass die Russen die Expedition im nachhinein politisch nutzten und die Fahne somit zum Politikum wurde, konnte ich nicht absehen. Jeder hat seine eigene politische Wahrnehmung. Sie hatten nie die Absicht, diese Expedition politisch zu nutzen? Nein. Für mich war es nur eine Expedition... ...die Sie notabene zum grössten Teil selber finanzierten. Ärgert Sie die politische Propaganda? Ich wurde kurz darauf zwar an der kanadischen Grenze angehalten und musste zwei Stunden lang erklären, warum ich in die kanadische Arktis wollte, aber nein: Es ärgert mich nicht. Die heftigen Reaktionen vieler Staaten auf die Erklärung der Russen haben dazu geführt, dass in der breiten Öffentlichkeit die Belange um die Arktis nun besser wahrgenommen und diskutiert werden. ...auch wenn diese staatspolitischen Diskussionen wegen der in der Arktis vermuteten Bodenschätze ziemlich hitzig geführt werden? Auch dann. Wenn die Auseinandersetzungen dazu führen, dass sich wie beim Antarktis- Vertrag 9 alle betreffenden Staaten auch in der Arktis einigen können, dann finde ich das gut. Welche Einigung würden Sie vorschlagen? Dieselbe wie in der Antarktis: Man zieht einen möglichst grossen Kreis um den Nordpol, innerhalb dessen niemand Besitzansprüche stellt, es keine Waffen geben darf, keine U-Boote, keine Militärflugzeuge. 9 Internationales Abkommen zum Schutz der Antarktis: http://de.wikipedia.org/wiki/Antarktisvertrag Ist dieser Vorschlag auch realisierbar? Leider nein. Die Einzelinteressen sind zu gross. Nun verraten Sie uns endlich: Wie war es unten, fast 4000 Meter unter dem Meeresspiegel? Gibt es dafür Worte? Es war aufregend, an einem Ort zu sein, an dem noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist. Aber sonderbarerweise war diese Erkenntnis nicht mit dem Nordpol gekoppelt, sondern mit der Feststellung, die einer der Passagiere im U-Boot machte: «Jetzt sind wir an dem Punkt der Erdoberfläche, der am nahesten am Mittelpunkt der Erde ist.» Was natürlich sofort zur Frage führte: Und welcher Punkt ist am weitesten weg vom Erdmittelpunkt? Worauf ich beschloss: Da will ich hin. Auf die Spitze des Vulkans Chimborazo 10 in Ecuador? Genau. Ich habe letzten Oktober den ersten Versuch unternommen, wir kamen aber leider nicht sehr weit hoch. Doch ich bleibe dran. Dann wäre ich der erste Mensch, der sowohl am Punkt war, der am nahesten am Erdmittelpunkt liegt, als auch an demjenigen, der am weitesten weg davon entfernt ist. Sonst noch Ideen? Selbstverständlich: So, wie ich am Nordpol unter dem Eis auf dem Meeresgrund war, möchte ich auch am Südpol unter das Eis auf den festen Boden vorstossen. Darüber denken Sie ernsthaft nach? Ja. Genau darum geht es ja. 10 Vom Erdmittelpunkt aus gemessen ist nicht der Gipfel des Mount Everest am weitesten davon entfernt, sondern der 6267 Meter über Meer liegende erloschene Vulkan Chimborazo in Ecuador. Er liegt näher am Äquator, wo die Erde ihren grössten Umfang hat. Bilder: JG Laynaud/Polepictures 52 PolarNEWS

2. August 2007: Die russische Flagge auf dem Meeresgrund am Nordpol löste international politische Aufregung aus. 6. April 2011: Am magnetischen Nordpol (links) mit Sasha Borodin, Bruno Tremblay, Christian de Marliave und Didier Martiny. Wie weit sind die Überlegungen gediehen? Heute bohren Forscher mit heissem Wasser bis ganz nach unten. Technisch müsste so eine Expedition also machbar sein. Das grössere Problem ist allerdings der extreme Druck unter dem Eis. Ich habe ein paar Leute engagiert, die darüber nachdenken, wie man dieses Problem lösen kann... Wenn’s klappt, werde ich auf dem Südpol-Boden die Schweizer Fahne setzen. Haben Sie übrigens gewusst, dass es in der Schweiz kein offizielles Institut für polare Angelegenheiten gibt? Im Gegensatz zum Beispiel zu Frankreich, das sich mit Michel Rocard sogar einen offiziellen Botschafter für polare Gebiete leistet. Deshalb können wir unsere Expeditionen nie als offizielle Mission durchführen, sondern müssen sie als private Unternehmen deklarieren, was das Einholen von Bewilligungen beträchtlich erschwert. Nur schon wegen den immer wichtiger werdenden Klimafragen sollte die Schweiz ein solches Institut führen. ja in den polaren Gebieten nicht möglich. Polarreisende sind die ausgeprägteren Individualisten. Es gibt ja auch Menschen, die solo durch die Sahara laufen. Sind das andere Individualisten als diejenigen in den polaren Gebieten? Die einen mögen die Kälte, die anderen mehr die Wärme... Sie waren schon als Student auf Ihrer ersten Reise auf die Faröer Inseln von der Kälte angezogen. Warum? Vielleicht ist das genetisch bedingt. Können Sie sich zwei Wochen Badeferien in Phuket 12 vorstellen? Dafür würde ich kein Geld ausgeben. 12 Beliebte Ferien-Insel in Süd-Thailand. Frederik Paulsen Frederik Paulsen, 61, ist in Stockholm geboren und dort aufgewachsen. Er ist der Verwaltungsratspräsident und alleiniger Inhaber des von seinem Vater gegründeten Pharmakonzerns Ferring, das in über 50 Ländern vor allem Peptide und Fertilitätsmedikamente herstellt und verkauft. Ferring hat seinen Hauptsitz in St Prex am Genfersee. Der Vater von drei erwachsenen Kindern war 1998 zum ersten Mal am Nordpol. Seither finanziert er Expeditionen wie den Tauchgang zum Nordpol am Meeresgrund 2007 oder das Forschungsprojekt Elmo (Exploration des eaux lémaniques) 2011 am Genfersee, aber auch Unterstützungsprojekte wie ein Museum in Nord-Friesland oder die Royal Textile Academy in Bhutan 13 . 13 Seite in Englisch: http://online.wsj.com/article/ SB107057284130430800.html Sie arbeiten sicher daran, dass die Schweiz ein Institut für polare Angelegenheiten eröffnet. Ich tue mein Bestes. Kein Interesse am Weltall, mit dem sich Ihr Abenteurer-Kollege Richard Branson 11 beschäftigt? Nein. Mich faszinieren die polaren Gebiete. Was ist der Unterschied zwischen einem Menschen, der in die polaren Gebiete geht, und einem, der an die Sonne fliegt? Ich glaube, das hat damit zu tun, ob man gerne viele Menschen um sich hat. Das ist 11 Englischer Unternehmer und Multimilliardär, der unter anderem mehrmals versuchte, die Erde in einem Heissluftballon zu umrunden. 2. August 2007: Letzte Vorbereitungen am Tiefsee-U-Boot «Mir 2» vor dem Tauchgang zum Meeresboden am Nordpol. PolarNEWS 53

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