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PolarNEWS Magazin - 15

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Comic Schwarzweiss im

Comic Schwarzweiss im Comic: Matthew Henson (Mitte), Robert Peary (rechts) und Schiffskapitän Robert Abram Bartlett. Hensons Reise In seinem neuen Comic «Packeis» erzählt der Hamburger Autor Simon Schwartz das Leben von Matthew Henson. Der Amerikaner war nie getrieben von Abenteuerlust, fast wäre er aber trotzdem der erste Mensch am Nordpol gewesen. Henson hatte andere Probleme. Von Christian Hug (Text) Mal angenommen, der Amerikaner Robert E. Peary hätte an jenem 6. April 1909 tatsächlich als erster Mensch den Nordpol erreicht – so wäre trotzdem nicht er der Allererste gewesen, sondern sein Crewmitglied Matthew Henson. Der Hundeschlittenführer wurde von Peary vorausgeschickt, um den Weg zu bahnen, und gelangte rund eine Stunde vor dem Commander zum vereinbarten Punkt, wo das ominöse Siegerfoto entstand. Aber davon wollte die Welt nichts wissen: Peary wurde mit allen möglichen Ehren als Eroberer des Nordpols gefeiert, sogar sein Schiffskapitän erhielt höchste Auszeichnungen, nur Matthew Henson ging leer aus: Er arbeitete nach dem Pol 30 Jahre lang als Laufbursche der New Yorker Zollverwaltung. Der Grund: Matthew Henson war schwarz. Ein Neger, wie man damals sagte, nach der Wende zum letzten Jahrhundert, als Rassentrennung in Amerika selbstverständlich war. Sogar Peary bezeichnete Henson zeitlebens als seinen Diener, obwohl «der Neger» ihn 30 Jahre lang auf seinen Expeditionen begleitete und ihm einmal sogar das Leben rettete. 44 PolarNEWS

Simon Schwartz hält sich weitestgehend an historische Fakten und zeichnet in seinem Comic auch Originalfotos nach. Zum Beispiel das Bild, das beweisen sollte, dass Peary den Nordpol erreicht hatte. In der Mitte Matthew Henson mit der US-Flagge sowie vier Inuit. Peary war der Fotograf. Was für ein Mensch war Henson? Warum hielt er Peary sein Leben lang unverbrüchlich die Treue? Und wie war das genau am Nordpol? Solche Fragen liessen den Hamburger Comic-Zeichner und Illustrator Simon Schwartz nicht mehr los, als er vor einigen Jahren bei Recherchen für ein anderes Projekt auf den Namen Henson stiess. «Eigentlich wollte ich einen Comic über eine zynische Komödie am Nordpol schreiben, aber die Geschichte war mir selbst zu doof», erzählt Simon Schwartz. Er nahm deshalb ein anderes Projekt in Angriff, eine Graphic Novel über die Geschichte seiner Familie, die aus der ehemaligen DDR nach Westdeutschland geflüchtet war. Die Presse war von «Drüben» begeistert. Und Schwartz nahm noch einmal die Unterlagen für seine Polar-Geschichte hervor. «Die wurde in der Zwischenzeit zwar nicht besser», erzählt er, «aber ich blieb an diesem Henson hängen, er interessierte mich.» Er las alles über Henson, was er in die Finger kriegte: Henson selbst hatte zwei Bücher geschrieben, dazu kamen die Bücher von Robert Peary und natürlich Zeitungsberichte aus der damaligen Zeit. Bald stand für Schwartz fest: Seine nächste Graphic Novel sollte die Geschichte von Matthew Henson und über den Rassismus der damaligen Zeit erzählen. Robert Peary sammelt auf Vortragstourneen Geld für seine Nordpol-Expeditionen. Verkannter Held Matthew Alexander Henson wird am 8. August 1866 in Maryland, USA, geboren, ein Jahr nach dem Sezessionskrieg. Seine Eltern sind befreite Sklaven und sterben beide kurz nach Matthews Geburt. Er wächst bei seiner Tante auf, heuert aber schon mit 12 in Baltimore auf dem Schiff «Katie Hines» an, mit dem er als Schiffsjunge nach Asien, Afrika und Europa fährt. 1883 gibt er die Seefahrt auf und arbeitet in einem Hutgeschäft in Washington DC, wo er 1888 den Kunden Robert E. Peary kennenlernt: Peary nimmt ihn als seinen persönlichen Diener mit nach Nicaragua, wo er den Urwald vermisst, und nimmt ihn auch mit an Bord, als er 1891 für PolarNEWS 45

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