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PolarNEWS Magazin - 15

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Abenteuer Mit Mike Horn

Abenteuer Mit Mike Horn in der Arktis Der 19-jährige Kölliker Kantischüler Simon Zuberbühler war im Rahmen des «Young Explorers Program» drei Wochen lang mit dem Extrem-Abenteurer Mike Horn in der kanadischen Arktis unterwegs. Diese Reise hat sein Leben verändert. Hier sein Bericht. Von Simon Zuberbühler (Text) und Dmitry Sharomov (Bilder) Vor fünf Jahren stiess ich auf eine Reportage von zwei Schweizer Studenten, die mit Mike Horn drei Wochen die Antarktis erforscht hatten. Ich war wie elektrisiert: Mike Horn, gebürtiger Südafrikaner, ist einer der aussergewöhnlichsten Abenteurer und Extremsportler der heutigen Zeit. Auf seinen unzähligen Expeditionen durchschwamm er die ganze Länge des Amazonas, umrundete die Erde ohne motorisierte Hilfe in 16 Monaten entlang des Äquators und lief mitten im Winter zum Nordpol. Er sagte einst: «Das unmögliche existiert nur so lange, bis wir einen Weg finden, es möglich zu machen.» Besagte Reportage handelte von der vier Jahre dauernden Expedition namens «Young Explorers Program», die Mike Horn 2008 startete. Dieses Abenteuer führte ihn während vier Jahren über alle Kontinente und durch jeden Ozean unserer Erde. Das Aussergewöhnliche an dieser Weltreise war jedoch, dass ihn auf jeder Etappe Jugendliche im Alter zwischen 15 und 20 Jahren begleiten und selber forschen konnten. Das Young Explorers Program hat zum Ziel, junge Menschen aus allen Kontinenten für die Umwelt zu sensibilisieren und sie zu motivieren, sich mit eigenen Projekten für eine nachhaltige Zukunft einzusetzen. Für die ausgewählten Jugendlichen war die ganze Expedition gratis. Vom Flug bis hin zum Material wurde alles von Mike Horns Sponsoren finanziert. Total begeistert von diesem Projekt, bewarb ich mich letztes Jahr um die Teilnahme an einer dieser Etappen. Aus rund 1000 Bewerbern wurde ich mit 15 anderen aus der ganzen Welt für das «Selection Camp» in der Schweiz ausgewählt. In Château d’Œx, Mike Horns Wohnort im Kanton Waadt, wurden wir zehn Tage lang 30 PolarNEWS

Wir segelten der Küste von Baffin Island entlang, als Mike uns plötzlich aufforderte, uns bereitzumachen, auf einen der flachen Eisberge zu springen. Es war ein heikles Manöver, mit der «Pangaea» so nahe an die Eisscholle heran zu segeln. Erwan, einer unserer Bergführer, sprang zuerst, und wir folgten ihm einer nach dem andern. Da trieben wir dann auf diesem Stück Eis, das vor rund 3000 Jahren in Grönland entstand und nun als riesige Eisscholle auf dem Wasser trieb. Ein unglaubliches Erlebnis! Erster Landgang Am nächsten Morgen gingen wir im Sam Fjord an Land. Voll ausgerüstet mit Schlafsack, Zelt, Schlitten, Steigeisen und Seil, brachen wir zu einer dreitägigen Gletscherüberquerung auf. Unser Ziel war der 50 Kilometer entfernte Gjbs Fjord. Am ersten Tag legten wir nur 6 Kilometer und 700 Höhenmeter zurück. Riesige Endmoränen, Gletscherspalten und Schmelzwasserflüsse In den folgenden Tagen legten wir je eine Strecke von 22 Kilometern zurück Die «Pangaea» läuft aus, die jungen Forscher fiebern ihren Abenteuern entgegen. auf Herz und Nieren geprüft. Dann endlich, am letzten Tag, die Nachricht: Ich gehörte zu den acht Auserwählten, ich war überglücklich. Spezialisten an Bord Schon einen Monat und viele Tage der Vorbereitungen später sass ich am Sonntag, 14. August 2011, im Flugzeug Richtung Kanada, Baffin Island. Aus dem Flugzeug blickte ich auf die endlose arktische Tundra und fing langsam an zu verstehen, was mich in den nächsten vier Wochen erwarten würde... In Clyde River stiegen wir zum ersten Mal an Bord der «Pangaea». Dieser Zweimaster ist die grösste Expeditionsyacht der Welt, 35 Meter lang, 9 Meter breit und mit einem 880-PS-Motor ausgerüstet. Mike Horn hat dieses Schiff extra für das Young Explorers Program gebaut. An Bord wurden wir von der Crew herzlich begrüsst. Allen voran von Mike Horn, Skipper und Expeditionsleiter, und Luke Johnson. Zur Schiffscrew gehörten Jacek Proniewicz und Tristan Jan. Gaynor Prince war unsere Ärztin, die Geografin Roswitha Stolz und Markus Wyss, ein IT-Ingenieur der ETH Zürich. Ausserdem hatten wir mit Erwan LeLann und seinen beiden Kollegen Manu und Meme drei erfahrene Mountain Guides an Bord. Um die ganze Expedition ausführlich dokumentieren zu können begleiteten uns auch die zwei Kameramänner Nicholaus Good und Javier Campos sowie der Fotograf Dmitry Sharomov. Unsere Begeisterung, an Bord dieses Schiffes zu sein, kannte keine Grenzen! Nun waren auch wir Jugendliche, drei Mädels und fünf Jungs aus Österreich, Polen, Südafrika, China und der Schweiz ein Teil dieser Expedition – wir nannten uns nach der Abkürzung für Young Explorers Program Yeps. Schon am nächsten Morgen lichteten wir den Anker und segelten aus dem Hafen in die Baffin Bay hinaus. Die Sonne schien vom blauen Himmel, und ein leichter Wind blies uns die kalte arktische Morgenluft ins Gesicht. Wir waren kaum zehn Minuten unterwegs, als jemand schrie: «Da ist ein Eisbär im Wasser!» Alle rannten an Deck, um das prächtige Tier zu bestaunen. Der Eisbär schwamm direkt neben unserem Boot, in kaum drei Metern Entfernung! So ein majestätisches Tier in freier Wildbahn und aus nächster Nähe beobachten zu können war einfach überwältigend. Kurze Zeit später erblickten wir die ersten Eisberge. Zuerst nur einige kleinere Eisschollen, dafür in den unterschiedlichsten Blautönen. Dann folgten grosse Eisberge. Manche hatten die Fläche eines Fussballfeldes, andere waren fast doppelt so hoch wie der 40 Meter hohe Masten der «Pangaea». Wir umrundeten die grössten Eisberge, um sie länger bestaunen zu können. Plötzlich knallte es. Mit tosendem Krach brach ein riesiges Stück eines Eisbergs ab und fiel ins Meer. Hinter einem anderen Eisberg konnten wir zwei Buckelwale sehen, die Luft holten und wieder in die Tiefen des Meeres verschwanden. erschwerten uns das Vorankommen. Von unserem ersten Lagerplatz aus konnten wir zwei riesige unbenannte Täler überblicken, und in der Ferne erahnte man noch das letzte Stück des Fjords. In den folgenden zwei Tagen legten wir je eine Strecke von rund 22 Kilometern zurück. Wir sprangen über unzählige Schmelzwasserbäche und Gletscherspalten, kämpften uns mit letzter Kraft steile Passagen hoch und durchquerten Mondlandschaft-ähnliche Geröllhalden. Das Kochen der Instant-Nudelsuppe als Nachtessen wurde Routine, genauso wie das Zubereiten von Porridge zum Frühstück. Durch die gemeinsamen Anstrengungen und vielen Erlebnisse, die wir teilten, wuchs unser Team mehr und mehr zusammen. Was mich an diesem Ort faszinierte, war die scheinbare Unendlichkeit der Land- Die Reiseroute durch die kanadische Arktis. PolarNEWS 31

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