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PolarNEWS Magazin - 13

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Natur Der Voge Jeden

Natur Der Voge Jeden Frühling wird der Alkefjellen in Spit Dickschnabellummen. Was da jeweils abge Von Stefan Stoll (Text und Bilder) und Christian Hug (Bilder) Mein erster Blick heute Morgen aus dem Fenster meine Kajüte zeigt, dass das Wetter sich geändert hat. Zum ersten Mal auf dieser Reise ist unser Schiff in dicken Nebel gehüllt. Wir kommen aus dem Packeis nördlich von Spitzbergen und haben in den letzten Tagen Jagd auf Eisbären gemacht – nur mit dem Fotoapparat versteht sich. Nun sind wir auf Kurs nach Süden, wir befinden uns in der Hinlopenstrasse. Diesen Vormittag wollen wir das Alkefjell besuchen, eine der grössten und sicherlich eine der spektakulärsten Vogel - klippen im Archipel von Spitzbergen. Die Vogelschwärme, die nahe über der Wasseroberfläche unser Schiff passieren, werden während des Frühstücks dichter. Es sind Dickschnabellummen, die in langen Reihen an uns vorbeifliegen. Zu den Lummen in der Luft kommen Gruppen von Lummen, die auf dem Wasser sitzen. Nach dem Frühstück versammeln wir uns alle auf dem Vorderdeck. Von dort kann man die Lummen im Wasser und in der Luft am besten beobachten. Plötzlich schält sich eine senkrechte schwarze Felswand aus dem Nebel. Wir haben das Alkefjell erreicht, eine mehrere Kilo meter breite und bis zu hundert Meter hohe Basaltklippe mitten im Meer. Versehen mit grossen turmartigen Säulen, die zum Teil aus der Wand herauswachsen, zum Teil einzeln stehend aus dem Wasser vor der Klippe aufragen, erinnert die Szenerie an ein Stadtbild aus Wolkenkratzern. Wissen - schaftler schätzen, dass hier rund 100’000 Paare Dickschnabellummen brüten. Dieses Manhattan der Lummen wollen wir heute Morgen genauer erkunden. Zudem ermöglicht der Alkefjell spannende Einblicke in die Geologie. Oberhalb und unterhalb der Basaltklippe sind noch die älteren weissen Kalksteinschichten erkennbar, die in der Kontaktzone zum Basalt durch Hitze zu Marmor umkristallisiert wurden. Der harte Basalt blieb als senkrechte Wand stehen, während das umliegende weichere Gestein schnel- Eine geologische Seltenheit: Wie Türme ragen die harten Basaltfelsen senkrecht aus dem Meer. 34 Polar NEWS

lfels zbergen zum Brutplatz von rund 200’000 ht, ist ein wahres Naturspektakel. ler verwitterte und sanft geneigte Küsten ergab. Solche Bereiche mit hartem Gestein, das Klippen bildet, wenn es verwittert, sind selten auf Spitzbergen. Pulsierendes Leben Das Expeditionsteam an Bord des Schiffs lässt die Zodiaks zu Wasser. In diesen sehr robusten Schlauchbooten gleiten wir nahe an die Klippen heran. Der schnarrende Ruf der Vögel schwillt zu ohrenbetäubender Laut - stärke an. Der Geruch der Kolonie ist, im wahrsten Sinne des Wortes, atemberaubend. In den senkrechten Basaltwänden ist jede noch so kleine Nische von Dickschnabel - lummen besetzt. Tausende und abertausende von Vögeln haben sich aus einem weiten Umkreis hier versammelt, um in einem riesigen Schwarm zu brüten. Dicht an Vater oder Mutter gedrängt (bei den Lummen kann man die Geschlechter nicht am Federkleid unterscheiden), sitzt immer ein Junges bei einem Altvogel. Die Eltern wechseln sich beim Wärmen des Kükens und bei der Futtersuche ab. Die beiden Elterntiere können nicht gleichzeitig auf Futtersuche gehen, denn das Küken könnte sich nicht alleine gegen die Angriffe der allgegenwärtigen räuberischen Möwen verteidigen. Vor allem zwei Arten machen den Lummen das Leben schwer: die Eismöwen sowie die grossen Raubmöwen, die auch Skuas genannt werden. Während der Sommermonate sind sie ganz auf die Nahrungssuche in der Lummenkolonie spezialisiert. Sie brüten selbst am Rand der Kolonie und haben in ihrem Nest derzeit auch drei bis fünf hungrige Schnäbel zu stopfen. Die Möwen patrouillieren deshalb ständig vor der Klippe, immer bereit, einer unaufmerksamen Lumme das Ei oder das Küken zu stehlen. Das Brüten in einer solchen Vogelklippe erforderte von den Lummen einige spezielle An - passungen, die uns unser Guide erläutert, während er das Zodiak an der Felswand entlang steuert. Zur Illustration des Problems hat er ein hartgekochtes Hühnerei vom Früh - stücks buffet mitgebracht und legt es auf die » Polar NEWS Keine Scheu: Die Dickschnabellummen lassen sich von den Besuchern im Kajak nicht beirren. 35 »

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