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PolarNEWS Magazin - 13

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Dreimal tanzende Bären:

Dreimal tanzende Bären: (von links) Nalenik Temela (Material: Serpentin); Axangayuk Shaa (Marmor); Nalenik Temela (Speckstein). Der Eisbär ist gleichzeitig Freund un Peter Cerny: Das ist das Schöne an der Kunst: Jeder hat einen anderen Blickwinkel darauf. Dem einen gefällt das, dem anderen gefällt jenes. Die einen sehen das so, die anderen sehen das anders. Aber um auf die Frage zurückzukommen, wo das hinführt: Was mich interessiert ist, wie sich die eher traditionelle Inuit-Kunst mit der wirtschaftlich-industriellen Zukunft dieser Re - gionen auseinandersetzen und entwickeln wird. Muss man diese Geschichten und kulturellen Hintergründe kennen, um die Kunst - werke zu verstehen? Es hilft auf alle Fälle. Wenn man zum Beispiel weiss, was Schamanismus ist, sind viele Werke selbsterklärend. Aber das ist nichts Neues: Hintergrundwissen hilft auch bei Picasso und Rothko. Am Ende aber zählt für den Betrachter: Man fühlt sich – warum auch immer – von einem Kunstwerk angesprochen oder nicht. Der Rest ergibt sich von alleine. Was gefällt Ihnen denn an der Inuit-Kunst persönlich? Zum einen waren Martha und ich immer schon fasziniert von Kunst und von der Bildhauerei im Besonderen: von der Schönheit des Materials und der Form. Der kürzlich verstorbene Maler Tom Hopkins Im Zuge des Klimawandels wird das Eis dünner und gefährlicher: Inuit müssen deshalb doppelt vorsichtig sein und ihre Beobachtungen mitteilen. «Kreatur des Packeisrandes» von David Ruben aus Kanada (Speckstein und Alabaster). 24 Polar NEWS

d Feind. sagte mir mal während einer Vernissage: I never saw a stupid Inuk – ich habe nie einen dummen Inuk gesehen. Darüber musste ich lange nachdenken. Ein Inuit darf sich so gut wie keinen Fehler erlauben, wenn er in der polaren Natur überleben will: Er muss sehr genau beobachten können, er muss ein erlegtes Tier richtig zerlegen können, und er muss mit einem Minimum an Material auskommen können. Und er lebt in einem besonderen Zwist: Seine Beute, die ihm zum Überleben hilft, gemeint ist der Eisbär, ist gleichzeitig sein Feind. Diese über Jahrhunderte trainierten Eigenschaften, das Beobachten, das Zerlegen und das Reduzieren, finden auch in der Inuit-Kunst ihren Ausdruck. Das macht viele Inuit zu begnadeten Künstlern – so zu - mindest eine Hypothese. Das ist eine andere Ausgangslage als bei uns: Wir können uns hinsetzen und frei über Farben oder Formen diskutieren, uns steht alles zur Verfügung, und wir müssen kaum auf irgend etwas Rücksicht nehmen. Wir können experimentieren, bis uns etwas gefällt. waren davon sehr angetan. Wir wurden von Null auf Hundert zu Inuitkunst-Sammlern. Und dann zu Galeristen. Wir reisten und reisen relativ viel – zu Koope - rativen und Galerien, fortan natürlich auch zu den Künstlern, deren Werke wir gekauft hatten. Manche Künstler besuchten uns. Mehr Kontakte entstanden, die Sammlung wuchs. Um das Jahr 2000 herum entstand in uns das Bedürfnis, die Werke und die dahinterstehende Kultur auch anderen zugänglich zu machen. Ausstellungen wie im Palais des Nations und im Palais Wilson in Genf, im Staatsmuseum für orientalische Kunst in Moskau, im Kulturzentrum in Salekhard in Sibirien und viele andere von uns organisierte Events zeigten das Interesse an der bei uns weitgehend unbekannten Kunst und Kultur. Nun eröffnen Sie im kommenden Herbst in der Stadt Bern ein Museum, die Cerny Inuit Collection, und die Galerie Cerny. Genau. Wir wollen eine internationale Plattform werden für Kunst aus dem nördlichen Polarkreis, sowohl auf musealer als auch kommerzieller Ebene. Das Museum soll voraussichtlich über einen Verein finanziert werden. Die Galerie ist als AG kommerziell. Beides ist voneinander getrennt. Bisher sind es vor allem Politiker, Industrielle und Firmen sowie Akademiker, die Inuit-Kunst sammeln. Wir möchten aber die Kunst und Kultur der nordpolaren Regionen einer breiteren Öffentlichkeit und insbesondere auch Schulklassen zugänglich machen. Denn diese Kunst spricht zum Beispiel mit dem Klimawandel und der Spiritualität Themen an, die auch uns stark beschäftigen. So wirkt eine Auseinander - setzung mit Inuit-Kunst auch völkerverbindend. Werden Sie von der Kunst leben können? Das wäre schön. Ist aber sehr unwahrscheinlich. Meine Frau arbeitet weiterhin als Kuratorin. Ich werde wohl, wenn auch mit mehr Ferien als früher, weiter als Arzt arbeiten «müssen», um unsere Passion ausleben zu können. PolarNEWS www.cernyinuitcollection.com Ausstellung in Payerne Vom 29. Mai bis 11. September 2011 wird im Rahmen des Jubiläumsjahres Russland-Schweiz im Museum Payerne die Ausstellung «Fenster zum Norden: Die Kunst der Inuit und ihrer Nach - barn» stattfinden. Und wie kamen Sie ausgerechnet auf Inuit- Kunst? Da war dieses Inserat in der NZZ vor gut zwanzig Jahren: Inuit-Kunstsammlung zu verkaufen. Wir hatten so gut wie keine Ahnung von den Inuit, aber Martha ist Kanadierin, wir haben viele kanadische Freunde, die Kontakte zu Inuit pflegen. Wir fuhren also aus reiner Neugierde in die Ostschweiz, sahen diese rund 120 Skulpturen und Steindrucke und Mit der Sesshaftigkeit kamen neue Werkzeuge, die Arbeiten wurden filigraner: «Jäger» von Silasiapi aus Kanada (Speckstein). Detail aus dem geschnitzten Schädelknochen eines Buckelwals: «Schamane und Vertraute» von Manasie Maniapik, Kanada. Polar NEWS 25

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