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PolarNEWS Magazin - 12

Von Heiner Kubny (Text

Von Heiner Kubny (Text und Bilder) Ferdinand Magellan, portugiesischer See - fahrer in spanischen Diensten, wollte a) die Welt umsegeln und b) die kürzeste Ver - bindung zwischen den beiden Meeren links und rechts von Südamerika finden. Monate - lang segelte er mit fünf Schiffen die Ost - küste Südamerikas runter, bis er schliesslich am 28. November 1520 fast im Südzipfel zwischen Inseln eine Passage fand, die den atlantischen mit dem pazifischen Ozean verbindet. Diese Seeroute heisst heute noch Magellanstrasse. Dem Kapitän zu Ehren er - hielt auch ein Tier seinen Namen, von denen die Crew unterwegs unzählige verspiesen hat: der Magellan pinguin. Lebensraum Tatsächlich lebt der 70 Zentimeter hohe und bis 5 Kilo schwere Magellanpinguin vor allem an den felsigen Küsten von Uruguay, Argentinien und Chile und den Falkland - inseln. Hin und wieder erblickt man ihn auch im Süden Brasiliens. Er zieht also eher wärmere Weltgegenden vor. Die International Union for Conservation of Nature schätzt den weltweiten Bestand der Magellanpinguine auf rund 1,3 Millionen Brutpaare, andere Schätzungen kommen auf 5 Millionen Tiere. Einig sind sich alle Untersuchungen, dass Magellanpinguine zwar noch nicht ernsthaft vom Aussterben bedroht sind, aber als «near threatened» in einer Art erhöhter Gefahr sind: Seit die argentinische Fischereibehörde 2003 das umfangreiche Ausbeuten der Sardellen vor ihren Küsten bewilligt hat, geht den Pinguinen sprichwörtlich die Nahrung aus. Fortpflanzung Nach acht bis neun Monaten im Meer kommen Anfang September zuerst die Männ - chen an Land, um die Bruthöhlen vom letzten Jahr wieder «in Schuss» zu bringen. Einige Tage später treffen die Weibchen ein, ausführliche Begrüssungsrituale folgen. Je weiter südlich die Pinguine leben, umso später beginnt die Brutzeit: Auf den Falklands ist das bis zu einem Monat später als in Uruguay. Magellanpinguine sind treue Gesellen: Sie brüten nicht nur regelmässig auf derselben Insel in derselben Höhle, sondern auch mit demselben Partner. Erscheint ein Weibchen nicht am Platz, ruft das Männchen mehrere Tage nach ihr: Erst, wenn das Weibchen auch dann nicht erscheint, fängt das Männchen an, um ein anderes Weibchen zu balzen. Von der Paarung bis zur Eiablage bleibt dem Paar nun rund ein Monat Zeit, die Bruthöhle auszubauen: Bis zu einem Meter ins Erd - innere reichen diese Höhlen in der Regel, in Ausnahmefällen können sie aber bis zu 5 Meter lang sein. Die Höhlen bieten zwar Schutz vor vielen Fressfeinden, dafür handeln sich die Pinguine neue Gefahren ein: Die Höhlen können einbrechen, Regengüsse schwemmen Schlamm und Steine hinein. Am liebsten graben sie deshalb unter Wurzel stöcken von Tussok-Gras, das stabilisiert die Decke. Trotzdem erfordern die neuen Gefahren eine neue Strategie zum Schutz der Eier: Die Weibchen verschlucken Stücke von Muschelschalen, die sie am Strand finden. Im Magen werden die darin enthaltenen Mineralien ausgelöst. Diese werden für die Eierschalen eingesetzt: Die sehr harten Schalen der Magellanpinguin-Eier sind mit 0,8 Milli m etern doppelt so dick wie diejenigen eines Hühnereis. Magellanpinguin-Eier sind übrigens rund 130 Gramm schwer und werden im Abstand von 4 Tagen im Doppel gelegt. Lebensraum: Die Ost- und West küste im südlichen Teil Südamerikas bis zu den Falklands. Finden die Pinguine keine geeignete Höhle, brüten sie auch im Freien in Mulden. Harte Kämpfer Magellanpinguine sind kämpferisch: Vor allem Männchen, die zum ersten Mal brüten (sie werden nach 5 Jahren geschlechtsreif, die Weibchen ein Jahr früher), fordern alteingesessene Höhlenbesitzer heraus. Das artet oft in harte Schnabelkämpfe aus, die ernsthafte Verletzungen nach sich ziehen – ein weiterer Vorteil der dicken Eierschalen: Sie gehen bei dem Gerangel nur selten zu Bruch. Ein Kampf ist erst beendet, wenn der Verlierer das Territorium des Gewinners verlässt – was viele Jungtiere nicht kapieren, weil sie sich selber überschätzen. Erschöpft und verletzt, sind die Verlierer deshalb eine leichte Beute für Fressfeinde. Feinde Vor allem die Greifvögel Karakara stürzen sich auf verletzte Pinguine. Wenn die Eltern tiere abgelenkt sind, wagen sich Domi ni kaner möwen und Truthahngeier zuweilen sogar in die Bruthöhlen hinein und stehlen ein Ei oder gar ein Küken. Am Strand lauert die Mähnenrobbe auf Beute: Hungrige Robben lassen sich von einer grossen Welle auf den Sand treiben und verfolgen die überraschten Pinguine: Er wischen sie einen, zerren sie ihn blitzschnell ins Wasser, beissen ihm den Kopf ab und häuten ihn, bevor sie sich an dessen Brustfleisch machen. Als Höhlenbrüter sind die Magellanpinguine gut vor Feinden geschützt. Allerdings werden die Gruben zuweilen vom Regen überschwemmt. Aufzucht Rund 40 Tage lang werden die Eier bebrütet: Die ersten zwei bis drei Wochen vom Weibchen, dann abwechselnd mit dem Männchen. Sind die Jungen geschlüpft, wechseln sich die Elterntiere täglich ab bei der Betreuung der Kleinen, von denen das 50 Polar NEWS

Mit dem zweiten Mauserkleid wagen sich die Jungen vor die Höhle. Ein Elternteil bleibt immer in der Nähe. Scharfer Schnabel, lautes Mundwerk: Magellanpinguine fechten harte Revierkämpfe aus, wenn’s sein muss. Erstgeschlüpfte bei der Fütterung deutlich bevorzugt wird – eine «Sicherheits mass - nahme», damit wenigstens eines der Jungen überlebt, falls das Nahrungs angebot in dieser Saison knapp ist. Nach rund 30 Tagen wechseln die Jungvögel von einem tiefgrauen zu einem weissgrauen Daunengefieder und verlassen zum ersten Mal die Bruthöhle. Flügge werden die Kleinen mit 9 bis 17 Wochen, je nach Nahrungsangebot. Sind die Jungen nach der zweiten Mauser erstmal selbstständig und «wasserfest», beginnen die Elterntiere ihrerseits mit der Mauser, bevor sie sich wieder für acht bis neun Monate ins Meer verziehen. Weitschwimmer In der Zeit, da die Eier ausgebrütet werden, schwimmen Magellanpinguine auf ihren Beutezügen bis zu 500 Kilometer vom Strand weg. Während der Aufzucht der Jungen verringern sie ihren Aktionsradius auf 50 Kilometer. Auf die Suche nach Sprotten, Sardinen und Tintenfischen machen sich die Vögel übrigens bereits um etwa 4 Uhr morgens, wenn es noch dunkel ist. In der Regel sind sie bis zu zwölf Stunden im Wasser unterwegs. Während der «marinen Phase» legen Magellan pinguine jedoch Tausende von Kilometern zurück: Immer wieder lassen sich ganze Gruppen mit dem Humboldt strom bis an die Küsten Brasiliens treiben. Vereinzelt sind extreme Reisen der Magellan - pinguine dokumentiert: Im Mai 2007 entdeckte man ein einzelnes Tier an der Küste Perus, 5000 Kilometer von seinem Brutplatz entfernt an der Westküste Südamerikas. Die weiteste dokumentierte Reise führte einen mit GPS ausgerüsteten Magellanpinguin von der Küste Chiles bis zur Philipp-Insel nördlich von Tasmanien. Distanz: sagenhafte 13’400 Kilometer. Welche Gefahren auf die Tiere im Meer lauern, weiss niemand genau: Im Mai des vergangenen Jahres wurden mehr als 1500 Magellanpinguine tot an einen Küsten abschnitt im Süden Chiles angeschwemmt. Woran die Tiere verendeten, ist bis heute unklar. PolarNEWS PolarNEWS Gejagt wird sicherheitshalber in Gruppen. Kommen die Vögel vom Fischzug zurück, wird erstmal ausführlich das Gefieder geputzt. Polar NEWS 51

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