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PolarNEWS Magazin - 12

Gefahr droht den

Gefahr droht den massigen Tieren vielmehr von anderer Seite: Sie ernähren sich ausschliesslich von Muscheln und Schnecken, die sie am Meeresboden finden. Allerdings ist ihre Tauchfähigkeit nicht unbegrenzt. Sollte sich die Eisplatte, auf der sie normalerweise leben, weiter gegen Norden zu rück - ziehen, dann erreichen sie ihren Futterplatz nicht mehr. Denn dort kann das Meer bis 4000 Meter tief sein... Auf unserer Fahrt trafen wir bei der Apolonov-Insel auf eine beachtliche Kolonie von einigen Dutzend Tieren, die wir aus unseren Zodiaks in nächster Nähe schwimmend beobachten konnten. Ein beeindruckendes Erlebnis! Kein Eis zu brechen Was bringt Menschen dazu, so hoch in den Norden zu reisen? Für die Mehrheit der Teilnehmer an dieser Expedition war es der Wunsch, einmal einen richtigen Eisbrecher in Aktion zu erleben. Wie er seine unbändige Kraft und sein enormes Gewicht gegen die Eismassen einsetzt. Wie das Eis kracht und donnert, wenn er es durchbricht. Wie die Eisplatten an der dicken Stahlwand entlang scheppern. Wie das ganze Schiff bebt... Soweit die Wunschvorstellung. Leider waren uns alle diese Erlebnisse nicht vergönnt, denn die «Kapitan Dranitsyn» war auf dieser Reise ein gewöhnliches Schiff auf offenem Wasser – und wäre das auch geblieben, wenn die Passagiere, die unbedingt Packeis erleben wollten, nicht Druck gemacht hätten. Schliesslich erklärte sich der Organisator bereit, den Eisbrecher auf die Suche nach Eis zu schicken... Das wäre witzig, wenn es nicht so traurig wäre. Was wir dann allerdings im hohen Norden der Insel an weisser Pracht vorfanden, war nicht mehr als ein optisches Trostpfläster - chen. Das richtige Eisbrechergefühl mochte nie aufkommen. Dazu war die Eisdecke schlicht zu mickrig. Starke Worte an Bord Wie auf jeder Schiffsreise in die Kälte gab es auch hier Strecken auf offenem Meer, wo nicht viel zu sehen war. Diese wurden im grosszügig dimensionierten Konzert saal mit hochkarätigen Vorträgen über Geologie, Biologie und Geschichte überbrückt. Die Lektoren verstanden ihr Handwerk: Der Historiker und Expeditionsleiter Arne Eisbärensichtung auf Franz-Joseph-Land ist so gut wie garantiert: Hier leben mehr Eisbären als auf Spitzbergen. Die majestätischen Basaltnadeln des Kap Tegetthoff – hier wurde Franz-Joseph-Land 1873 entdeckt. Kertelhein brillierte mit witzig vorgetragenen Storys und Anekdoten über Polar - pioniere, die ihre Spuren auf Franz-Joseph- Land hinterlassen haben. Absolut genial waren auch die Ausführungen der Geologin Heike Fries, die es verstand, in fesselnden Worten Steine zum Leben zu erwecken. Sie hat in manch einen Zuhörer den Virus gesetzt, sich künftig mehr mit diesem inte - ressanten Gebiet zu befassen. Nicht minder packend referierte der Biologe Sepp Friedhuber über Flora, Fauna und vor allem auch über die topaktuelle Klima-Situation. Fazit Zugegeben: Das dünne Eis war nicht ganz nach dem Geschmack der 90 Expedi tions - teilnehmer – wir hätten den Eisbrecher lieber erlebt, wie er sich bebend durch dicke Eisplatten kämpfen muss. Aber der Sommer 2010 machte uns einen Strich durch die Rechnung, weil er überdurchschnittlich warm ausfiel, wie die Hitzewellen über Russland mit ihren Feuersbrünsten beweisen. So ist die Natur nun mal. Gut möglich, dass nächstes Jahr das Gegenteil eintrifft und nicht einmal die «Kapitan Dranitsyn» in den schmalen Kanälen zwischen den Inseln von Franz-Joseph-Land durchkommt. Dennoch war dieser Trip hoch spannend und im wahrsten Sinne des Wortes «eine Reise wert». Franz-Joseph-Land, die unbekannte Insel im hohen Norden, ist für ein paar Dutzend Leute in seiner einmaligen landschaftlichen Schönheit und mit ihrem geschichtsträchtigen Hintergrund ein gutes Stück näher gerückt und hat vielen den Horizont erweitert. PolarNEWS 42 Polar NEWS

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