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PolarNEWS Magazin - 12

Denn die haben ja ein

Denn die haben ja ein vitales Interesse daran, diese Reisen auch in zehn Jahren anbieten zu können. Die Bestimmungen sollen auch verhindern, dass eines Tages eine Landes re - gierung sagt: Fertig jetzt. Bisig: Zudem darf man nicht vergessen: 95 Prozent aller Reisen in die Antarktis beschränken sich auf die verhältnismässig kleine Antarktische Halbinsel. Das heisst: In den allermeisten Gebieten der Antarktis findet gar kein Tourismus statt. Und im Norden? Bisig: Da beschränkt sich der Tourismus vor allem auf Spitzbergen und Grönland, hier vor allem auf die Westküste. Es gibt also auch im Norden sehr viele Gebiete, die touristisch so gut wie nicht erschlosssen sind. Wer kontrolliert die Einhaltung dieser Bestimmungen? Bisig: Es gibt keine Kontrolleure wie bei den Biobauernhöfen. Dafür sind die Gebiete viel zu gross. Meistens sind auf diesen Schiffen aber Naturwissenschaftler an Bord, die Vorträge halten und ein ganz persönliches Interesse daran haben, dass alle Be - stimmungen eingehalten werden. Immer hin: Die Organisationen halten regelmässig Versammlungen ab – und da jedes Mitglied ein Interesse daran hat, dass die anderen Mitglieder die Bestimmungen einhalten, spricht es sich in der Branche schnell herum, wenn das einer nicht tut. So gross ist ja diese Branche nicht. Gibt es aus ökologischer Sicht eine «ideale Grösse» von Reisegruppen beziehungsweise Schiffen? Minder: Das kann man so nicht sagen, weil es wie überall immer auf die Verhältnisse ankommt. Zwei kleine Schiffe mit je 150 Passagieren und 5000 Liter Benzinver brauch täglich belasten die Umwelt vergleichsweise stärker als ein Schiff mit 300 Passagieren und 7000 Liter Treibstoff verbrauch pro Tag. Es spielt auch eine Rolle, ob man mit einem alten oder einem neuen Flugzeug zum Schiffs hafen fliegt. Es gibt keine Ideal - formel. Was kann ich als Reisender tun? Minder: Es gibt natürlich viele Möglich - keiten: Meinen CO2-Ausstoss kompensieren und mich ausführlich informieren. Entsprechend bei einem seriösen Anbieter buchen. Information und Vorwissen sind bei Reisen in polare Gebiete sowieso viel wichtiger als bei Kreuzfahrten. Da muss jeder seine eigene Lösung finden. Die strengen Reglemente der IAATO bestim Bruno Bisig Andreas Minder Eine Lösung wäre: Gar nicht erst hingehen. Bisig: Wenn man die Arktis nicht mehr bereist, heisst das nicht, dass damit der Eisbär gerettet ist. Dafür ist der Einfluss des Tourismus viel zu klein. Auch dann, wenn ich erst mit dem Flugzeug hinfliegen muss? Bisig: Einzelflüge streichen rettet das Klima nicht. Wenn man diesbezüglich etwas ändern will, muss man grössere Massstäbe ansetzen. Bruno Bisig, 40, ist seit einem Jahr Geschäftsführer bei Kontiki-Saga. Davor entwickelte er sieben Jahre lang als Produkt-Manager bei Kontiki-Saga neue Reisen und war im Marketing tätig. Seine Ausbildung zum Tourismus fach mann schloss er mit dem Master of Advanced Studies in General Manage ment ab, nachdem er zuvor an der Tou rismusfachschule in Samedan studierte. Bruno Bisig lebt in Baden, reist am liebsten in der Schweiz, in Schweden und Lappland, wo er seine Partnerin kennenlernte. Andreas Minder, 43, betreut als Produkt- Manager seit drei Jahren den Bereich Polarreisen bei Kontiki-Saga. Der ge - lernte Tourismusfachmann arbeitete bei Imholz in der Abteilung Spezialreisen und betreute als Abteilungsleiter bei Group Worldspan den Bereich Incentive Travel. Arbeitshalber ist er viel in nördlichen Ländern unterwegs. Am allerliebsten reist Andreas Minder in den «drei S», wie er sagt: Schweiz, Süd afrika, Spitz bergen. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Das Argument ist fadenscheinig: Etwas bewirken kann ich erst, wenn ich nicht hingehe. Wenn der Flieger ohne mich fliegt, ist es nicht mehr mein Problem. Bisig: Das stimmt. Allerdings sind Sie beim Thema Umweltschutz und globale Er - wärmung nicht aus der Verantwortung entlassen, bloss weil sie nicht mehr mitmachen. Es ist eine verzwickte Lage, welche sich auf das gesamte Leben auswirkt und sich nicht nur aufs Reisen beschränken lässt. Bezogen auf unsere Reisen, bieten wir deshalb unseren Gästen myclimate an, mit dem man den CO2- Ausstoss kompensieren kann. Nutzen Ihre Kunden diese Möglichkeit? Bisig: Immer mehr Gäste nutzen dieses Angebot. Schön wäre, wenn man diese Kom - 26 Polar NEWS

men genau, wie viele Personen in den südpolaren Reisezielen wo zu welcher Zeit an Land gehen dürfen. Im Norden wie hier in Spitzbergen ist die AECO dafür zuständig. pen sation per Gesetz bei jedem Flug direkt in den Flugpreis integrieren würde – und zwar weltweit. Die CO2-Kompensationen werden inzwischen kontrovers diskutiert... Bisig: Eine Lösung wäre zum Beispiel: Lieber eine lange Reise unternehmen statt fünf Kurzreisen. Andere behaupten, Tourismus nütze den polaren Gebieten. Minder: Durchaus, weil eine Reise dorthin sensibilisiert, und das ist sehr wichtig: Wer von einer Reise in die Arktis oder die Antarktis nach Hause kommt, wird Bot - schafter für deren Erhaltung und steigert bei Gesprächen auch das Bewusstsein bei Freunden und Verwandten. Wie lauten Ihre Prognosen? Minder: Zurzeit ist die Nachfrage auf dem Weltmarkt eher rückläufig. Wegen der Weltwirtschaftskrise ist der Markt vor allem in Amerika und England förmlich eingebrochen. Dank den neuen Bestimmungen fallen ab nächstem Jahr zumindest in der Antarktis die grossen Kreuzfahrtschiffe weg. Der Reiseverkehr in polare Gebiete wird also zumindest in den nächsten paar Jahren sicher nicht zunehmen. PolarNEWS Kontiki-Saga Reisen ist die Nummer 1 in der Schweiz für Ferien im Norden. Der Badener Reiseveranstalter ist Spezialist für Reisen nach Skandi navien, Island, Schottland, Russ land und das Baltikum. Zusätzlich widmet Kontiki den Polar - reisen eine eigene Ab teilung mit Mit - arbeitern, die diese Ziel gebiete aus eigener Erfahrung kennen und die polaren Gebiete schon selbst bereist haben. Wo liegen die Grenzen des Reiseverkehrs in den polaren Gebieten? Bisig: Ich würde sagen: Wenn man sich an die bestehenden Vorschriften hält, wird der Tourismus auch dann keine Spuren hinterlassen, wenn sich die Anzahl Reisender in den nächsten Jahren verdoppelt. Wird das passieren? Minder: Das weiss niemand. Reisende in polare Gebiete bevorzugen kleine Gruppen: Unterwegs gehören Vorträge und Briefings zum Tagesprogramm. Polar NEWS 27

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