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PolarNEWS Magazin - 12

24 Polar

24 Polar NEWS

Viele «Repeater»: Wer einmal den hohen Norden erlebt hat, bucht später oft auch eine Reise in den tiefen Süden. Oder umgekehrt. irgendwo ankern und an Land eine riesige Chilbi veranstalten mit Bierzelt und Bratwürsten. Das ist Schwachsinn. Warum darf man das in der Arktis und in der Antarktis nicht? Bisig: Weil weite Teile der Arktis Staats ge - biet sind, zum Beispiel von Kanada oder Russland. Und dort macht jedes Land seine eigenen Gesetze. Die Antarktis hingegen ist zwar ein Kontinent, aber kein Staat. Sie gehört niemandem beziehungsweise der ganzen Menschheit. Deshalb konnte und kann sich die internationale Staatengemein - schaft viel schneller einigen, wenn es darum geht, Gesetze zum Schutz der Antarktis zu erlassen. Und die sind gut genug? Minder: Was die Antarktis betrifft: Ja. Die strengen Reglementierungen, wie viele Leute wo, wie lange an Land dürfen und was sie dort zu tun beziehungsweise zu unterlassen haben, habe ich bereits erwähnt. Zum Glück werden ab August 2011 die Regeln noch strenger: Ab dann dürfen keine Schweröl-betriebenen Schiffe mehr südlich des 60. Breitengrades verkehren. Und es sind nur noch Schiffe mit maximal 500 Passagieren erlaubt. In der Arktis ist es schwieriger: Einerseits ist die Arktis viel weiter nach Norden eisfrei, als es die Antarktis nach Süden ist. Und wie gesagt machen dort die Anrainerstaaten die Gesetze. Wer hat die lascheste Reglementierung in der Arktis? Bisig: Was den Umweltschutz betrifft, sind es sicher die Russen. Dafür sind sie politisch sehr restriktiv, das heisst, in russischen polaren Gebieten zu reisen ist nicht so einfach möglich wie in kanadischen. In Grönland und Spitzbergen sind die Reglemente korrekt. Zumal Dänemark be - ziehungsweise Norwegen als deren «Schutz - mächte» wissen, wie wichtig Tourismus dort als Einnahmeq uelle für die Einheimischen ist, und deshalb tragen sie Sorge zum Land. Was können Sie als Reiseveranstalter für den Umweltschutz tun? Minder: Für einen umweltverträglichen Tourismus im Norden haben sich weltweit Veranstalter zusammengeschlossen, die klare und strenge Regeln festsetzen und an die sich alle Mitglieder per Unterschrift halten müssen. Die Vereinigung heisst AECO, Association of Arctic Expedition Cruise Operators. In der Antarktis gibt es die IAATO, bei denen auch Kontiki assoziiertes Mitglied ist. Gibt es Reiseanbieter, die in den Norden gehen, ohne AECO-Mitglied zu sein? Minder: Das weiss ich nicht, da kann ich nur für uns sprechen: Wir arbeiten ausschliesslich mit Partnern zusammen, die Mitglied bei der AECO sind. Entsprechend gilt das auch für den Süden. Aber ich nehme an, dass die ganz grossen Schiffe, die nur einen Abstecher für eine Bierzeltparty unternehmen, nicht angeschlossen sind. Was natürlich nicht heisst, dass diese Schiffe achtlos Abfall über Bord werfen und das Meer verschmutzen. Dafür gibt es Gesetze, die für alle Schiffe weltweit gelten. Können die polaren Gebiete den Touris - mus überhaupt verkraften? Minder: Bis jetzt ganz klar: Ja. Ich habe auf meinen Reisen bisher noch keinerlei Spuren der Zerstörung festgestellt, die eindeutig auf den Tourismus zurückzuführen sind. Das sagt sich leicht... Minder: Das sage nicht ich alleine, das sagen auch die IAATO und die AECO: Im Grunde sind diese Zusammenschlüsse Selbst schutzorganisationen der Reedereien: » Polar NEWS 25

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