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PolarNEWS Magazin - 12

News aus der

News aus der Polarforschung Zusammengestellt von Peter Balwin Am fittesten ist, wer den Ton am längsten hält Der Balzgesang eines Adéliepinguin- Männchens verrät den Weibchen, ob es sich lohnt, mit ihm eine Ehe einzugehen und Küken grosszuziehen. Damit hat eine neuseeländische Ornitho login der Universität Auckland die Frage beantwortet, wie weibliche Pinguine einen Brut - partner auswählen. Beim Vergleich unzähliger Tonbandaufnahmen von Adélies der Ross-Insel mit dem tatsächlichen Bruterfolg der Pinguinpaare stellte sich heraus, dass eine besondere, gleichbleibende Frequenz im längsten Abschnitt des Balzrufes den Gesundheitszustand und die Paarungsbereit - schaft eines Männchens verkündet. Wer die gleichmässigste Tonlage durchhalten konnte, entpuppte sich auch als das schwerere Tier und war bei der Jungen auf zucht am erfolgreichsten. Im Internet kann man der Balz eines Adéliepinguins lauschen: www.eurekalert.org/multimedia/pub/23874.php?from=16 4558. Quelle: Science Daily Heilendes Gift aus der Tiefe Erstmals hat man das Gift antarktischer Tintenfische untersucht und dabei Be - standteile entdeckt, die in zukünftigen Medikamenten gegen Schmerzen, Aller - gien oder Krebs zur Anwendung kommen könnten. Noch ist aber rätselhaft, weshalb das Gift der Kraken bei derart tiefen Wasser tem - peraturen wie in der Antarktis überhaupt funktionieren kann. Welche biochemischen Tricks dahinter stecken, sollen kommende Studien entschlüsseln. Quelle: International Polar Foundation Tiefsee-Tintenfisch: Bald als Medizin? Erstmals beobachtet: Orcas jagen Pinguine Was man aus anderen Gegenden bereits kennt, wurde kürzlich in der Antarktis erstmals beobachtet: Schwertwale fressen Kehlstreif- und Eselspinguine. Nach erfolgreicher Verfolgungsjagd schluckten die 3000 Kilo schweren Wale nicht etwa den ganzen, 4 bis 6 Kilo leichten Vogel, sondern wählten nur deren Brustmuskulatur als Mahlzeit aus. Noch ist fraglich, wie regelmässig solche Jagden stattfinden und ob sie allenfalls einen Einfluss auf die Pinguin - populationen der Antarktis haben. Quelle: International Polar Foundation 10 Polar NEWS

Dauerfrost nur noch von kurzer Dauer? Eine gross angelegte Studie hat aufgezeigt, dass sich die Permafrostböden in den hohen Breitengraden der ganzen Nordhalbkugel weiterhin erwärmen. Die Temperaturen der Dauerfrostböden stiegen, verglichen mit den Werten vor zwanzig Jahren, um 2 Grad an. Auch in der Schweiz ist Permafrost ein Thema: Er kommt auf 6 Prozent der Alpen - fläche vor, hauptsächlich oberhalb von 2400 Metern Höhe. Schmilzt der Dauerfrostboden bei uns, verliert der Boden an Stabilität und gefährdet Siedlungen und Infrastruktur. Quelle: Aus «Permafrost and Periglacial Processes» Nach 156 Jahren im Eiswasser geortet Kanadische Archäologen haben das Wrack der «Investigator» gefunden. Das Schiff sank im Frühling 1853 in der Nordwest passage im Inselgewirr der kanadischen Arktis, als es nach der verschollenen Expedition John Franklins suchte. Die Mannschaft unter Kapitän Robert McClure hatte die «Investigator» verlassen, nachdem das Schiff nördlich der Banks-Insel in der westlichen kanadischen Arktis ins Packeis geraten war. Das beinahe intakte Wrack wurde in rund 10 Metern Wasser tiefe gefunden, wo es 156 Jahre lang unentdeckt auf dem Meeresgrund ruhte. Hier ist es heute kalt und trocken. Ellesmere war einst schön und warm Schon öfters fand man in der Arktis Fossilien von Schildkröten und Krokodilen aus längst vergangenen Erdzeitaltern (siehe PolarNews 9, Mai 2009), die auf eine damals warme Arktis hindeuten. Jetzt haben Forscher der Universität Colorado auf der kanadischen Ellesmere- Insel herausgefunden, weshalb es diesen Reptilien so weit im Norden so gut gefallen hat: Die Temperaturen lagen im Eozän genannten Zeitalter vor rund 50 Millionen Jahren in den wärmsten Monaten bei 20 Grad, in den kältesten bei 0 bis minus 3,5 Grad. Ellesmere Island zählt heute zu den kältesten und trockensten Gebieten der Erde. Quelle und Bild: University of Colorado Eisbären bedrohen die Weisswangengänse. Hungrige Eisbären gefährden Gänse Eisbären in Spitzbergen, die während der zunehmend Eis-ärmer werdenden Sommermonate an Land gestrandet sind und dort nur wenig Nahrung finden, gefährden die Weisswangengänse. Dies berichtet der britische Wildfowl & Wetlands Trust nach einer Forschungsreise diesen Sommer. Dank rigoroser Natur - schutz massnahmen in den letzten 60 Jahren hat die Population dieser Gans von 300 auf 30’000 Individuen zugenommen. Die hungrigen Bären scheinen diesen Erfolg jetzt zunichte zu machen. So beobachteten niederländische Forscher, wie ein einzelner Eisbär in einem einzigen Beutezug gleich tausend Gänseeier frass. Von 500 Nestern in einem untersuchten Gebiet verzeichneten nur 40 einen Brut er - folg. Alle Weisswangengänse Spitzbergens überwintern am Solway Firth in Gross - britannien. Quelle: WWT und Universität Groningen Fotografiert: Das Wrack der «Investigator». Bis Ende August war auch eine Such expe - dition im benachbarten Nunavut unterwegs. Sie spürte den beiden berühmten Schiffen «Erebus» und «Terror» nach, welche bei Exp - e ditionen von Franklin und James Clark Ross grosse Polargeschichte geschrieben haben: Die beiden Schiffe waren Mitte des 19. Jahrhunderts ebenfalls in dieser Gegend untergegangen. Polar NEWS Quelle und Bild: Parks Canada Eine Bohrung durch den mächtigen Schild des grönländischen Inlandeises erreichte Ende Juli in einer Tiefe von 2537,36 Metern den felsigen Untergrund. Das unterste, älteste Eis aus dem Bohrkern ist mindes tens 130’000 Jahre alt. Die Eisforscher aus 14 Ländern erhoffen sich reiche Pollen-Funde Die Bohrkerne liegen gekühlt zum Untersuch bereit. Bohrung nach Pollen hat den Boden erreicht aus dem Eis, womit das Pflanzenleben auf Grönland vor der Vereisung entschlüsselt werden könnte. Quelle: NEEM / North Greenland Eemian Ice Drilling und WSL-Institut für Schneeund Lawinenforschung SLF 11

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