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PolarNEWS Magazin - 11

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Von Höchstes

Von Höchstes Entzücken: Während der Rückkehr vom Landausflug auf Neko Harbour auf der Antarktischen Halbinsel umkreisen zwei junge Buckelwale neugierig unser Schiff. 30 Polar NEWS

Passagieren und Pinguinen Die Reise der Pinguin-Fans: Wie sich unterwegs in die Antarktis den Menschen neue Horizonte eröffnen. Beobachtungen auf dem Expeditionsschiff «Plancius». Von Christian Hug (Text und Bilder) Die Reise: Buenos-Aires – Ushuaia – Falkland-Inseln – South Georgia – Antarktische Halbinsel Wann: 3. bis 24. Februar 2010 Schiff: MV «Plancius» Passagiere: 88 Crew: 49 Der Vogelspezialist unter den Tourguides ist wie immer leicht zu erkennen: Das ist derjenige, der seinen Feldstecher permanent umgehängt hat, auch während des Essens. Der Verdacht liegt sogar nahe, dass er ihn auch zum Schlafen nicht weglegt. Unser «Vögeler» heisst Steve (man duzt sich auf dem Schiff), kommt aus Kalifornien, war früher Museumsdirektor und ist – logisch – der beste Beobachter an Bord. Er ist es, der im Gewusel in der Golden Bay auf South Georgia als Erster einen Königspinguin mit einem gänzlich schwarzen Bauch entdeckt (eine Sensation) und nur Minuten später eine Krabbenfresserrobbe (eine kleine Sensation). «Diese Robbenart kommt eigentlich nur auf der Antarktischen Halbinsel vor», erklärt Steve jedem, der vorbeikommt, «sie ist über tausend Kilometer bis hierher geschwommen und ruht sich jetzt aus. Also bitte nicht stören.» Schauen, grenzenlos staunen und natürlich fotografieren ist allerdings mehr als erlaubt; deswegen sind wir schliesslich hier. Wir, das sind 88 Passagiere buchstäblich aus aller Welt, die in Ushuaia an Bord des Motorschiffs «Plancius» gehen. 19 Tage lang wird die Reise vom südlichen Zipfel Südamerikas zu den Falkland-Inseln, nach South Georgia und zur Antarktischen Halbinsel führen. Fast drei Wochen Natur und Abenteuer. In dieser Zeit wird die kunterbunt zusammengewürfelte Gruppe von Passagieren zu einer eingeschworenen Gemeinschaft von Südpolar-Reisenden zusammenwachsen. Heute aber, am ersten Tag auf Schiff, prägt sich mir von den vielen neuen Menschen wegen seines Feldstechers nur Steve ein. Und die Frau mit dem Tee. mit sich selber redend fest, dass sie vergessen hat, ihren Tee mitzunehmen. «You must be english», sage ich spontan zu ihr, und «Earl Gray...» Sie bejaht beides und stellt sich als Fay vor, sie kommt aus London, ist Personalberaterin und very freundlich. Als ich ihr am Abend zum Trost für den fehlenden Tee eine Tafel Schweizer Schokolade in die Hand drücke, freut sie sich zwar, sagt aber, dass sie ihre Teebeutel lediglich in der Schiffskabine vergessen hatte, nicht zu Hause in London. Ist ja eigentlich logisch, dass Engländer ihren Tee mit auf Reisen nehmen – ich selber habe ja auch ein ganzes Kilo echte swiss Chocolate im Koffer. Über die Schoggi freut sich übrigens auch Fays Begleiter: Rob ist schweigsam. Eine Art Silent Rob. Fay und Rob sitzen stundenlang in der Lounge nebeneinander und vertiefen sich in trauter Schweigsamkeit in Bücher – sowas muss man können. Erst Tage später wird mir Rob erzählen, dass er für die Walschutz - organisation Whale and Dolphin Conser - vation Society arbeitet und als Tierfotograf internationales Renommee geniesst. 88 Gründe Vorerst aber bin ich viel zu aufgeregt, um mich mit all den neuen Leuten anzufreunden: Es tut so gut, wieder auf einem Schiff zu sein, wieder unterwegs zu sein zu Horizonten, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Diesem Drang, Neues zu entdecken, endlich nachgeben zu können. Immer wieder stehe ich im Bugkorb und schaue aufs endlose Wasser hinaus. Igor, mein Freund von der Kola-Reise letztes Jahr, russischbelgischer Rallye-Fahrer, ist ebenfalls an Bord, auch ihn treibt die Entdeckerlust. Manchmal schauen wir schweigend den Sturmvögeln zu, die unser Schiff begleiten, und sind einfach nur glücklich. «Tu sais», sagt Igor dann, «c’est ça: la nature.» Ich verstehe. Jeder und jede hier an Bord hat seine Gründe, warum er oder sie durch diese südpolare Gegend reist. Bea aus Barcelona will demnächst ihre eigene Reiseagentur eröffnen. Fritz aus Zürich will fotografieren. Jasmine aus Kentucky bekam die Reise von ihrem Mann geschenkt, ihre Freundin Terry begleitet sie. Karl aus Zürich hat sich diesen Trip zu seinem 50. Geburtstag gleich selber geschenkt. Seine Partnerin Anita ist ganz aus dem Häuschen, als am 14. Februar abends im Schiffsrestaurant die Lichter ausgehen und alle Passagiere samt der philippinischen Serviercrew für Karl «Happy Birthday» singen. Helga und Ernst aus Basel waren schon in Grönland, dort hat sie Schokolade zum Trost Die adrette Dame mit pflegeleichtem Kurz - haar schnitt steht vor der Kaffee maschine in der Aussichtslounge auf Deck fünf und stellt Ein Königspinguin wirft sich in der St Andrews Bay in Pose, während sich seine Artgenossen im Wasser tummeln. Polar NEWS 31

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