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PolarNEWS Magazin - 11

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efindlichen Schätze

efindlichen Schätze auszubeuten. Diese Zone heisst Festlandsockel, auch Konti - nentalschelf genannt. Danach beginnt die Tiefsee. Und dort gehören gemäss dem internationalen Seerechtsübereinkommen sämtliche Bodenschätze zum gemeinsamen Erbe der Menschheit. Es sei denn – hier fängt das Problem an –, ein Staat kann beweisen, dass der Konti nental - sockel vor seiner Küste weiter ins Meer hinaus reicht als 200 Seemeilen. So steht es vereinfacht gesagt im Artikel 76 des inter - nationalen Seerechtsübereinkommens ge - schrieben. Auf genau diesen berufen sich die beteiligten Länder im Arktis-Händel. Tat - sächlich sind die Sonderbestimmungen we - sentlich komplexer und komplizierter. Diese hier ausführlich zu erläutern, würde den Rahmen sprengen. Kurz: Weil die betreffenden Länder beweisen müssen, dass ihr Kontinent viel weiter als 200 Seemeilen ins Meer hinaus reicht, wird der arktische Meeresboden seit einigen Jahren intensiv vermessen und kartographiert – zum Nutzen auch derjenigen Forscher, die nicht an Politik interessiert sind. Geologische Knacknuss In der «Beweisführung» der verschiedenen Länder hat sich vor allem der Lomonossow- Rücken zum Zankapfel entwickelt. Dieser 60 bis 200 Kilometer breite und bis zu 3500 Meter hohe Gebirgszug auf dem Meeres - grund ruht zwischen Grönland und den russischen Neusibirischen Inseln, und genau da liegt das Problem: Die Russen betrachten den Lomonossow-Rücken als Fortsetzung ihres Landes, während Grönland beziehungsweise Dänemark als dessen «Pate» das Gebirge als Proben vom Meeresboden: Oft ist Erdöl nicht flüssig vorhanden, sondern im Gestein gebunden und somit nicht förderbar. unterseeischen Fortsatz Grönlands definiert. Die Kanadier reklamieren den Lomo nossow- Rücken derweil als Fortsetzung ihrer Elles - mere-Insel. Alle drei Länder haben geologische Gutachten erstellt, die ihre Thesen be - weisen. In der Beaufortsee gibt es Territorien, auf die sowohl die Kanadier als auch die USA Ansprüche erheben. Und in der Barentssee liegt eine «Grauzone», für die sich sowohl die Russen als auch die Norweger interessieren. Entscheiden, wer nun wo Recht hat, muss innerhalb der UNO die «Festlandsockel - grenzkommission« auf Englisch «Commission on the Limits on the continental Shelf». Ihre Mitglieder treffen sich mehrmals pro Jahr zu Sitzungswochen in New York. Was dann besprochen und beschlossen wird, ist streng geheim. Die Unterlagen werden nicht veröffentlicht aus Sorge vor möglichen Kon - flikten zwischen militärischer Geheim - haltung und wirtschaftlichen Interessen. Grafik: USGS Um Anspruch auf ein Gebiet erheben zu können, muss erst bewiesen werden, dass die Gebirge auf dem Grund des arktischen Meeres die geologische Verlängerung des betreffenden Kontinents sind. Besonders umstritten ist der Lomonossow-Rücken. Politisches Säbelrasseln Das zeigt, wie viel politischer Zündstoff in dieser Angelegenheit steckt. Und das macht es für aussenstehende Länder auch so schwierig, vermittelnd und beschwichtigend mitzureden. Auch die einwöchige Experten - konferenz über Klima und Bodenschätze in der Arktis, zu der sich 500 führende Wissenschaftler, Wirtschaftler und Politiker im Januar letzten Jahres im norwegischen Tromsö trafen, führte zu keinen nennenswerten Ergebnissen. Die Frage, wem die Bodenschätze denn nun gehören, ist so offen wie zuvor. Derweil inszenieren die betreffenden Staaten öffentlich ein politisches Säbel rasseln. Im Mai 2009 unterschrieb der russische Staats - präsident Dmitri Medwedew ein Strategie - papier, das besagt, dass sich Russland für einen allfälligen Energiekrieg militärisch wappnen wolle. Moskau erhöhte daraufhin seine militärische Präsenz in den russischen polaren Gebieten. Norwegen hat seit 2007 schon zwei runderneuerte Strategiepapiere zur Arktis vorgelegt. Amerika markiert mit Eisbrechern Präsenz in den arktischen Gewässern. US- Präsident Barack Obama will so schnell als möglich dem internationalen Seerechtsüber - ein kommen beitreten. Das würde die USA nämlich berechtigen, rechtlich gültige Ansprüche auf die Arktis zu erheben. Schwierige Prognosen Wie geht es weiter mit dem «great Game», wie das Ringen um die Arktis inzwischen genannt wird? Vorläufig so langsam und zähflüssig wie bisher. Denn neben dem politischen Gerangel sind viele zusätzliche Faktoren und Umstände überaus schwierig einzuschätzen. Zum Beispiel der Klimawandel: Dass unter dem arktischen Eis Erdölvorkommen schlummern, weiss man schon lange. Doch die nordpolare Eiskappe war seit Menschen - 26 Polar NEWS

Dieses Bild sorgte für diplomatische Aufregung: Die Russen setzten am 3. August 2007 ihre Flagge auf den Grund des Nordpols. Das ist faktisch eine Landnahme. gedenken so dick, dass es technisch gar nicht möglich war, hier Bohrinseln zu installieren. Jetzt aber, wo das Eis immer dünner wird und Klimaforscher davon reden, dass die Arktis in dreissig Jahren im Sommer gänzlich eisfrei sein wird, könnte Erd öl förderung am Nordpol ein lukratives Ge schäft werden – unter der Voraussetzung, dass bis dann die Technik soweit fortgeschritten ist, in Tiefen von mehreren tausend Metern in den Meeresgrund zu bohren. Bis heute stellt die Erdölförderung in der Tiefsee die Ingenieure vor gigantische technische Heraus forde - rungen, von denen längst noch nicht für jede eine Lösung ge funden ist. Die Investitionen in die arktische Erdölförderung werden auch in Zukunft überaus hoch sein. Entsprechend ist der Erdölpreis im weltweiten Handel heute verhältnismässig zu tief. Und ob die Prognosen der Klimaforscher tatsächlich eintreten werden, weiss niemand. Ein weiteres «Problem»: Niemand weiss genau, wie viel Erdöl und Erdgas tatsächlich im Boden des arktischen Meeres lagert – und in welchem Zustand sich das Erdöl befindet. Ob es sich also nur um eine im Gestein gebundene Vorstufe von Erdöl handelt, die nicht förderbar ist, oder ob es tatsächlich » Bilder: USGS, Patrick Kelley/US Coast Guard, NTV/AFP, Kristensen, atlantia.com/seastar, Eupec PipeCoatings France S.A. Der Klimawandel erlaubt den Abbau von Bodenschätzen in immer nördlicheren Regionen: Diamantenmine Diavik in Kanada. Polar NEWS 27

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