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PolarNEWS Magazin - 11

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Politik Markieren

Politik Markieren gemeinsam militärische Stärke: Der Eisbrecher «Healy» von der amerikanischen und der Eisbrecher «Louis S St-Laurent» von der kanadischen Küstenwache u Wem gehört die Arktis? Erdöl, Erdgas, Diamanten, Gold und Edelsteine: Die Anrainerstaaten der Arktis streiten sich um die Bodenschätze im Grund der internationalen Gewässer um den Nordpol. Von Christian Hug (Text) Am 2. August 2007 tauchte das russische Unterseeboot «Mir 1» unter das Eis der Arktis und setzte am geographischen Nordpol eine russische Flagge aus rostfreiem Titan auf den Meeresgrund, 4261 Meter unter der Wasseroberfläche. Das zehn Kilogramm schwere Hoheitszeichen löste international heftige Reaktionen aus: Die Amerikaner und die Dänen verspotteten die Aktion der Russen, Kanada liess verlauten, dass die Arktis immer kanadisch war. Und Deutschland warnte vor einem kalten Krieg am Nordpol. 24 Polar NEWS

nterwegs in kanadischen Polargewässern. Besorgnis war und ist in diesem Fall tatsächlich angebracht, denn um den Grund so grosser diplomatischer Aufregung wurden schon «heisse» Kriege geführt: Unter dem Boden des arktischen Meeres werden riesige Erdöl- und Erdgasvorkommen vermutet, vor allem in der Barentssee, an der Nordküste Alaskas, östlich von Gönland, im kanadischen Mackenzie-Delta sowie an der russischen Jamal-Halbinsel und den Schelf - meeren Russlands. Der US-amerikanische Geologische Dienst USGS schätzt, dass in der gesamten Arktis bis zu 90 Milliarden Barrel unentdecktes Erdöl schlummern. Das entspricht dem weltweiten Erdölbedarf von drei Jahren. Das ist nicht viel. Aber dazu, so die weitere Schätzung, kommen 47,3 Billionen Kubik - meter Erdgas und 44 Milliarden Barrel Flüssiggas. Rechnet man den Energie wert des Gases in denjenigen des Erdöls um, ergibt das die dreifache Energiemenge des in der Arktis vermuteten Erdöls. Damit nicht genug: Am Meeresboden der Aktis lagern auch gigantische Mengen von in Eis gebundenem Methan, und es existieren grosse Vorkommen von Gold, Silber und Platin, von seltenen Stoffen wie Gallium, Indium und Tellur, die in der Halbleiter - industrie eingesetzt werden, sowie von Mangan, Nickel und Kupfer – und von Diamanten. Im Dezember dieses Jahres sollen vor der kanadischen Küste mit dem eigens dafür entwickelten Förderschiff «Jules Verne» zum ersten Mal überhaupt Gold-, Kupfer- und Zink-Erze aus einer Wassertiefe von 1700 Metern geholt werden. Alle wollen mitreden Zwar werden heute schon rund um die Arktis in zahlreichen Minen Phosphat, Nickel, Eisenerz, Aluminium und Uran ausgebeutet, und in arktischen Gewässern werden heute bereits 10,5 Prozent des weltweit konsumierten Erdöls und 25,5 Prozent der globalen Gasproduktion gewonnen. Bei diesen Aussichten, was es da alles zu holen und zu Geld zu machen gibt, erstaunt es nicht, dass die Anrainerstaaten mit aller Vehemenz Besitzansprüche reklamieren. Sogar Länder, die nicht direkt an die Arktis grenzen, wollen mitreden: Deutschland markiert den starken Staat. Neuerdings mischt sich auch China mehr oder weniger diplomatisch in die laufenden Gespräche ein – unabhängig davon, ob die oben erwähnten Schätzungen des Amerikanischen Geologischen Dienstes stimmen. Denn die Tiefen des rund 15 Millionen Quadratkilometer grossen Nord - polar meeres sind nur an satzweise untersucht. Schätzungen über Erdölvorkommen von anderen Institutionen liegen wesentlich tiefer als diejenigen des USGS. Trotzdem: Mit den Prognosen, dass wegen des Klimawandels die Arktis bis in wenigen Jahrzehnten im Sommer eisfrei sein könnte, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass dank neuer Technik Erdöl- und Erdgas- Förderung auch in der Arktis möglich wird. Komplizierte Gesetze Das Problem und letztlich auch der Grund, weshalb sich die USA, Kanada, Russland, Dänemark, Norwegen und Island streiten: Die Arktis ist kein Kontinent. Im Gegensatz zum Südpolareis liegt die Eisdecke des Nordens nicht auf einem Kontinent, sondern schwimmt auf dem Wasser. Und zwar so weit weg von der nächstgelegenen Küste, dass die Arktis als internationales Gewässer, als Hohe See gilt. Gemäss dem internationalen Seerechts - übereinkommen der UNO, seit 1994 in Kraft, zählt ein 12 Seemeilen (22,2 Kilo - meter) breiter Streifen entlang einer Küste als Hoheitsgebiet des jeweiligen Staates. Ab dieser Grenze hat jedes Land der Erde dasselbe Recht, die Hohe See für ihre Schiff - fahrt zu nutzen. Innerhalb eines 200 Seemeilen (370 Kilo - meter) breiten Streifens entlang der Küste verfügt jedoch jede jeweilige Nation über das alleinige Recht, die im Meeres boden » Polar NEWS 25

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