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PolarNEWS Magazin - 11

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News aus der

News aus der Polarforschung Zusammengestellt von Peter Balwin Küstenseeschwalbe: Dreimal zum Mond und retour Die elegante, zierlich wirkende Küstensee - schwalbe muss seit langem herhalten, wenn man nach Beispielen sucht, um aussergewöhnliche Wanderbewegungen im Tierreich herauszustreichen. Schliesslich brütet dieser Vogel in der Arktis – und verbringt den Nordwinter in der Antarktis! Jetzt hat sich ein Forschungsprojekt genauer und mit modernster Technik dieser Seeschwalbe und ihrem Zugverhalten angenommen. Das Resultat der Studie von Forschern aus Grönland, Dänemark, England und Island bestätigt, dass die Küstenseeschwalbe zu Recht als der Inbegriff für tierisches Verhalten an der Grenze des körperlich Zumutbaren gilt: Kein Tier wandert weiter als sie. Dank kleinster Satellitensender liessen sich Zugroute, Rastplätze unterwegs sowie das Überwinterungsgebiet in der Antarktis genau lokalisieren. Die Untersuchung zeigte, dass es auf dem Weg nach Süden zwei verschiedene Strecken gibt: Ab Westafrika fliegen die einen weiter der afrikanischen Küste entlang südwärts, während die anderen abbiegen in Richtung Brasilien, um dort der Küste Südamerikas folgend den Südozean zu erreichen. Der Heimzug nordwärts nach rund 150 Tagen Aufenthalt im atlantischen Sektor des Südozeans erfolgt dann erstaunlicherweise bei allen untersuchten Vögeln über die gleiche Route, nämlich zuerst über den östlichen Südatlantik und am Äquator entlang auf die andere Atlantikseite wechselnd. Zwischen der Antarktis und Südgrönland flogen diese rund 125 Gramm leichten Seevögel durchschnittlich 24’270 Kilometer weit – und das in rund 40 Tagen. Das entspricht einer Flugleistung zwischen 390 und 670 Kilometer pro Tag! Jedenfalls auf ihrem Flug nach Norden. Für den Herbstzug nach Süden lassen sich die Vögel jedoch doppelt so lange Zeit: Sie legen im offenen Meeres - gebiet in der Mitte des Atlantiks etwa auf der Höhe Neufundlands eine drei- bis vierwöchige Pause ein. Das ist für die Forscher eine gänzlich neue Erkenntnis. Was bisher schon rekordverdächtig klang, ist jetzt durch neue Zahlen belegt: nicht 40’000 Kilometer, wie bisher immer zu lesen war, sondern durchschnittlich 70’900 Kilometer legt eine Küstenseeschwalbe jedes Jahr zurück. Und da dieser Vogel über 30 Jahre alt werden kann, reist er in seiner Lebenszeit über 2,4 Millionen Kilometer – oder dreimal zum Mond und zurück. Quelle: Proceedings of the National Academy of Science PNAS Flugrouten der Küstenseeschwalben: Auf dem Weg nach Süden legen die Vögel eine Pause ein und fliegen zweierlei Routen. Zurück geht’s dann gemeinsam. 10 Polar NEWS

Weniger CO2 dank Phytoplankton Weil das Eis schmilzt, entstehen an den Küsten der Antarktis neue Flächen offenen Meerwassers, die bis vor kurzem noch von Schelfeis bedeckt waren. Forscher des British Antarctic Survey BAS haben nun be - merkt, dass solche «neuen» Meeresge biete Kohlenstoff aus der Atmosphäre aufnehmen (CO2-Senke) und damit der globalen Klima- Erwärmung entgegenwirken. Da hinter steckt das Phytoplankton; kleine einzellige Algen in den oberen Schichten der Weltmeere, welche die eisfrei gewordenen Meeres - flächen schnell besiedeln. Mittels Photo - synthese aus Kohlenstoffdioxid und Nähr - stoffen baut das Phytoplankton seine Körpersubstanz auf. Obwohl laut der BAS-Studie in den letzten 50 Jahren etwa 24’000 Quadratkilometer neue Wasserflächen unter den abschmelzenden Schelfeismassen zum Vorschein gekommen sind, ist die dadurch ausgelöste CO2- Aufnahme aus globaler Sicht sehr gering. Trotzdem wird die Entdeckung als wichtig gewertet, denn sie dürfte die Berechnung zukünftiger Klimamodelle mitbeeinflussen. Seit 1990 sind in der Antarktis sieben grossflächige Schelfeisgebiete weggeschmolzen, dies vor allem an der Antarktischen Halb - insel. Quelle: BBC News Warum es in Wostok so kalt war In der russischen Forschungsstation Wostok auf fast 3500 Metern über Meer in der östlichen Antarktis mass man im Juli 1983 mit –89,2 Grad die bisher tiefste gemessene Lufttemperatur der Erde. Zum Vergleich: die tiefste je in der Schweiz festgestellte Temperatur lag bei –41,8 Grad; sie wurde im Januar 1987 im Dorf La Brévine im Jura abgelesen. Lange hat man spekuliert, weshalb es in Wostok an jenem Wintertag derart kalt hatte werden können. Jetzt gelang es einem Forscherteam aus Mitgliedern des British Antarctic Survey BAS und des russischen Arctic and Antarctic Research Institute AARI, das Rätsel dank eines Computer - modells zu lösen. Sie fanden heraus, dass eine wärmere Luftströmung, die normalerweise vom Südozean her auf das ant ark - tische Plateau strömt, damals für einen ge - wissen Zeitraum fast ganz unterbrochen ge - wesen war. Eine kalte Luftmasse, die gleichzeitig in der Gegend der Forschungs station lagerte, verhinderte die Durch mischung mit der etwas wärmeren Luft aus tieferen Lagen, was die optimale Ab kühlung be - günstigte. Es fehlte auch jegliche Bewöl - kung, was die Abkühlung förderte und gleich zeitig so genannten Diamantstaub (feinste Eisnadeln in der Luft) entstehen liess, der die Kälte noch erhöhte. Die Forscher betonen, dass dieser Kältere - kord ausschliesslich durch natürliche Ur - sachen hervorgerufen wurde. Die Autoren der Studie rechnen sogar damit, dass eine Messung von gegen –100 Grad bei einer allfällig nächsten ähnlichen Situation durchaus möglich sein könnte. Quelle: SciencePoles Ein «Paradies» für Viren Die (wenigen) Seen in der Antarktis, augenscheinlich eher unwirtliche Lebensräume, sind eine Fundgrube für Virologen. Das belegt eine Untersuchung der Universitäten Madrid und Valencia. Die spanischen Forscher nahmen den See namens Limno - polar auf der Livingstoninsel buchstäblich unter die Lupe – und entdeckten an die 10’000 Viren-Arten, die 12 unterschiedlichen Familien zugeordnet werden konnten. Einige der Viren waren bisher unbekannt. Damit beherbergt dieser kalte, abweisende See auf der Inselgruppe der Südshetlands eine grössere Virenvielfalt als die meisten 22 Mal unsere Alpengletscher Forscher auf Virensuche. Das Grönlandeis schmilzt. Zwischen den Jahren 2000 und 2008 hat Grönland 1500 Kubikkilometer seines Inlandeises verloren – und trägt damit einen Sechstel zum weltweiten Anstieg des Meeresspiegels bei. Schlimmer noch: Es gibt Anzeichen, dass das Tempo des Eisverlustes zunimmt, wie Langsam wird’s eng. Platzmangel in Ny-Ålesund Die kleine Wissenschaftssiedlung Ny-Ålesund auf Spitzbergen verzeichnete in den letzten beiden Jahren eine Zunahme der «Forschungstage» um 60 Prozent. Jetzt wird der Ruf nach mehr Platz laut. Deutschland und Frankreich möchten weitere Stationen bauen, Japan und Indien ihre Gebäude erneuern, Südkorea das For - schungs feld erweitern und Russland mit einer eigenen Station Fuss fassen. Das norwegische Polarinstitut fordert die Forscher - nationen hingegen dazu auf, sich besser zu koordinieren, statt auszubauen. Jedenfalls ist ein Umweltverträglich keits - bericht geplant, mit dem festgestellt werden soll, wie sich eine Erweiterung der Aktivi - täten auf die Region auswirken könnte. Quelle: Icepeople.net anderen aquatischen Lebensräume andernorts in der Welt. Erstaunlich, denn allgemein wird angenommen, dass die Polargebiete eine eher geringe Artenvielfalt aufweisen. Interessant wird es nun herauszufinden, wie diese Viren an der Grenze des Lebens - möglichen überhaupt existieren können. Quelle: Universidad Autónoma de Madrid UAM niederländische Wissenschaftler feststellen mussten. Die grönländische Eismasse nimmt hauptsächlich durch zwei Vorgänge dramatisch ab: einerseits durch Ab - schmelzen, anderseits durch seine Glet - scher, die in letzter Zeit bedeutend schneller in Richtung Meer abfliessen. Der Meeresspiegel steigt im globalen Durchschnitt um 3 Millimeter jedes Jahr. Davon gehen 0,46 Millimeter auf Kosten des Grönlandeises. Die warmen Sommer seit 2006 beschleunigen diesen Anteil be - deutend; zurzeit liegt er bei 0,75 Milli - meter. Zum Vergleich: Das Volumen von 1500 Kubikkilometern hätte in rund 17 Genferseen Platz, oder es ist 22 Mal grösser als alle Schweizer Gletscher zusammen. Quellen: Science und NewScientist, ETH Polar NEWS 11

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