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PolarNEWS Magazin - 10

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News aus der

News aus der Polarforschung Zusammengestellt von Peter Balwin Grönlandeis: Tiefste Bohrung Im Norden der grönländischen Eiskappe, auf einer Position von 77,45 Grad Nord und 51,06 Grad West, nehmen Wissenschaftler aus 14 Nationen (darunter der Schweiz/Uni - versität Bern) am Eisbohr-Projekt NEEM (North Greenland Eemian Ice Drilling) teil, welches noch bis 2011 läuft. Diesen Sommer erreichte die Bohrstange eine Tiefe von 1757,84 Metern – ein Weltrekord! Das Eis dort unten war 38’500 Jahre alt. Die diesjährige 100-tägige Feldsaison wurde soeben abgeschlossen. Quelle: NEEM-Webseite Russland forciert den Eisbärenschutz Die russische Regierung stellt ein 15’000 Quadratkilometer grosses Gebiet an der Nordspitze der Insel Nowaja Semlja unter Schutz. Dieser neue «Russische Arktis- Park» deckt ein Gebiet ab, das für die Eisbären der Barents- und Karasee sowie für Walrosse, Rentiere und Vögel von grosser Bedeutung ist. Ursprünglich war ein Schutz - gebiet von 50’000 Quadratkilo metern geplant – leider wurden Franz-Joseph-Land und die Victoria-Insel aus dem Projekt gestrichen. Quelle: WWF Elfenbeinmöwe: Neue Zahlen In ganz Grönland leben etwa 1800 Brutpaare der seltenen hocharktischen Elfenbeinmöwe, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie von Ornithologen aus Frankreich, Dänemark, Grönland und der Schweiz belegt. Diese schneeweisse Möwe ist eine der am wenigsten untersuchten Brutvogelarten der nördlichen Halbkugel. Auf der Roten Liste Grönlands wird sie als «verletzlich» aufgeführt, auf derjenigen von Kanada gar als «stark gefährdet». Laut der neuen Untersuchung kommt die Elfenbeinmöwe in Grönland hauptsächlich im Norden und an der Ostküste vor. In diesen beiden Regionen wurden 35 Brutplätze gefunden. Man nimmt an, dass in der gesamten Arktis zwischen 8000 und 11’500 Brutpaare der Elfenbeinmöwe leben. Quelle: Polar Biology 120ʼ000 Jahre verschlafen Zugedeckt unter einer 3 Kilometer mächtigen Eisschicht des grönländischen Inlandeises haben Bakterien 120’000 Jahre, einen gewaltigen Druck sowie Temperaturen bis zu -56 Grad überlebt. Sie besitzen ein bis zwei grosse Geisseln, sogenannte Flagellen, oben und ein bis drei seitlich, die zur Fortbewegung dienen. Das neue Geschöpf wurde durch ein US-amerikanisches Forscherteam entdeckt, während eines Jahres langsam aufgewärmt und so wieder zum Leben erweckt. Mikroorganismen wie dieses neue Bakterium namens Herminii monas glaciei, die unter extremen Bedingungen leben, lassen Rückschlüsse zu auf ähnliche Lebens - formen, die irgendwo im Sonnensystem überlebt haben könnten. Quelle: International Polar Foundation Wohnort: Nordpol! Russische Wissenschaftler haben während einer Fahrt mit dem Forschungs untersee - boot «Mir» das nördlichste Lebewesen der Erde entdeckt: eine See-Anemone. Sie lebt direkt auf dem Meeresgrund am Nordpol in einer Wassertiefe von 4262 Metern, trägt den schönen Namen Bathyphellia margaritacea und kommt auch andernorts in den nordischen Meeren vor. Quelle: Polar Biology 8 Polar NEWS

Meereis schon viel früher als bisher angenommen Der Arktische Ozean könnte vor bereits 47,5 Millionen Jahren erstmals von Winter- Meereis überdeckt worden sein – gute 24 Millionen Jahre, bevor sich die ersten grösseren arktischen Eisschilde zu Land bildeten und auch lange vor der Vereisung der Antarktis. Dies sind die herausragenden Resultate einer internationalen Gruppe von Wissenschaftlern, welche Meeressedimente des zentralarktischen Lomonosov-Rückens im Rahmen der Bohr-Expedition ACEX analysierten. Quelle: International Polar Foundation Grönlandwal-Schutzgebiet Die Inuit-Gemeinde Clyde River / Kangiq - tugaapik im Norden der Baffin-Insel hat zusammen mit WWF Kanada ein Schutz - gebiet für den Grönlandwal ausgeschieden. Es ist weltweit das erste dieser Art. Die neue Ninginganiq National Wildlife Area in der Isabella Bay – ehemals ein Zentrum der Walfangindustrie im 19. Jahrhundert – beherbergt heute im Sommer und im Herbst über 100 Grönlandwale. Quelle: WWF Kanada Pine-Island-Gletscher schmilzt viel schneller Der gigantische Pine-Island-Gletscher in der Westantarktis schmilzt vier Mal schneller als noch vor einem Jahrzehnt. Dies hat eine ununterbrochene Messreihe der letzten 15 Jahre von Satelliten ans Licht gebracht, wie Geophysiker zweier britischer Universi - täten berichten. Durch diesen riesigen Eis - strom fliessen 10 Prozent des gesamten Eises der Westantarktis ab. Die betroffene Region misst allerdings «nur» 5400 Quadratkilometer, was der Grösse des Kantons Wallis entspricht, aber deren Abschmelzen hätte bedeutende Auswirkungen auf den Anstieg des Meeres - spiegels. Dieser dürfte allein wegen des Pine-Island-Gletschers doppelt so schnell ansteigen, als vom Weltklimarat fürs 21. Jahrhundert vorausgesagt. Das Ereignis in der Westantarktis stellt heute weltweit das wohl grösste Ungleich - gewicht in der Kryosphäre dar. Die Kryo - sphäre umfasst sämtliche von Eis bedeckten Regionen der Erde zu Land wie auch zu Wasser. Quelle: University of Leed Kaiserpinguine aus dem All gezählt Er ist zwar der grösste aller Pinguine, aber trotzdem reicht es dem Kaiserpinguin nicht, dass man ihn auf Satellitenbildern erkennen könnte. Jetzt aber haben Forscher des British Antarctic Survey einen Weg gefunden, dem Aufenthaltsort des Kaiserpinguins im Winter doch noch auf die Spur zu kommen: Auf Fotos aus dem Weltall sind die Kotspuren dieser Pinguine an deren Brut - kolonien auf dem antarktischen Packeis deutlich zu sehen. Weil die Kaiserpinguine während der winter lichen Brutzeit acht Monate lang in ihren Kolonien bleiben und das Eis dort ziemlich mit Kot verschmutzen, lassen sich solche rotbraunen Stellen auf Satelliten - bildern erkennen. Auf diese Weise hat das British Antarctic Survey rund 90 Prozent des Meereises vor der antarktischen Küstenlinie abgesucht – und insgesamt 38 Kaiser pinguin-Kolonien ausgemacht. Quelle: British Antarctic Survey Hochseefischerei: Fluch und Segen Der Riesensturmvogel profitiert bei seinen Nahrungsflügen über dem Patagonischen Schelf von Fischereiabfällen der Hochsee- Trawler. Zu diesem Schluss kommt eine Studie argentinischer Forscher. Sie besenderten 16 Riesensturmvögel und fanden heraus, dass sich die Vögel in argentinischen Ge - wässern konzentrierten und im Ope rations - gebiet der Fischereischiffe Nahrung suchten. Ähnliche Verhaltensänderungen sind von den Falklandinseln bekannt, wo Schwarzbrauen - albatrosse zwischen 10 und 15 Prozent ihres Nahrungsbedarfs aus Fischereiabfällen decken. Auch die Zu nahme der Population der Dominikaner möwe entlang der Küste Argentiniens geht hauptsächlich auf das Konto von Abfällen der Fischindustrie. Unbestritten bleibt jedoch, dass die Hochseefischerei für Seevögel weltweit die bedeutendste Gefahrenquelle bleibt. Quelle: Polar Biology Polar NEWS 9

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