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PolarNEWS Magazin - 10

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Von Heiner Kubny (Text

Von Heiner Kubny (Text und Bilder) Er gilt als der Albatros mit der anmutigsten Flugfähigkeit, und auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten wird er als schönster aller Albatrosse beschrieben. Bedauerlich bloss, dass das auf der Roten Liste steht. Denn das bedeutet, dass der Russalbatros vom Aussterben bedroht ist. In den vergangenen 90 Jahren, so schätzt man, sind dessen Bestände auf rund einen Viertel seiner ursprünglichen Population geschrumpft. Bis vor wenigen Jahren fanden die Vögel vor allem in den Schleppnetzen grosser Fischer ei - schiffe den Tod, heute bleiben Russalba trosse oft an den Haken der Langleinen hängen und ertrinken jämmerlich. Forscher beziffern die Anzahl Russalbatrosse heute weltweit auf rund 40’000 Brutpaare – von allen geschlüpften Russalbatrossen, so geht die Schätzung weiter, überlebt nur einer von fünf Vögeln die Jugendzeit. Seinen deutschen Namen und seine lateinische Bezeichnung Phoebetria palpebrata erhielt der Russalbatros übrigens vom deutschen Pfarrer und Vogelkundler und Systematiker Johann Reinhold Forster bereits 1785. Aussehen Während Rücken und Unterseite aschgrau gefärbt sind, ist das Gefieder am Kopf dunkel gräulich-braun. Die ebenfalls gräulichbraunen Flügel werden an den Hand - schwingen fast schwarz, der lange Schwanz ist richtig schwarz. Über den ebenfalls schwarzen Schnabel läuft eine blassblaue Linie, die Augen sind mit leuchtend weiss kontrastierenden Ringen verziert. Männchen und Weibchen sehen beide gleich aus. Mit einer Körpergrösse von 70 Zentimetern und einer Flügelspanne von 200 Zentimetern gehört er zu den Kleinen aus der Familie der Albatrosse. Russalbatrosse sind im südlichen Atlantik zu Hause zwischen dem 55. und 35. Breitengrad. Lebensraum Verbreitet ist der Russalbatros in den südlichen Ozeanen zwischen dem 55. und 35. Grad südlich. Er brütet auf Inseln wie Südgeorgien, Bouvet, Macquarie, Kerguelen, Heard und Campbell, wo er vor allem steile und windige Küstenfelsen bevorzugt. Denn wie alle Albatrosse ist auch der Russalbatros ein exzellenter Segler, aber seine Landungen sind miserabel. Felsvorsprünge an steilen Küsten ermöglichen ihm immerhin einen ansehnlichen Start: Indem er sich einfach in die Tiefe fallen lässt und mit seinen grossen Flügeln den Wind auffängt. An den Felsvorsprüngen weht immer Aufwind: Ideal, um vom Nest aus in die Luft zu kommen, denn an Land sind Russalbatrosse ziemlich ungelenk. Fortpflanzung und Alter Das Weibchen legt ein einziges, 250 bis 340 Gramm schweres Ei. Direkt nach der Eiablage übernimmt das Männchen das Ausbrüten, während das hungrige und ge - schwächte Weibchen das Nest verlässt, um Nahrung zu suchen. Erst nach elf Tagen kehrt es zur Ablösung zurück. Nach einer Brutzeit von 70 Tagen schlüpft der Jung vogel. Von nun an wechseln sich die Brut partner im Wochenrhythmus ab. Die ersten 20 bis 30 Tage wird der Nestling ständig von einem Elternvogel unter dessen Fittiche genommen und so vor Kälte ge - schützt, da er die Körpertemperatur noch nicht selbständig halten kann. Wenn der Jung vogel heranwächst und grössere Mengen Nahrung benötigt, gehen beide Eltern vögel auf Futtersuche. So erhält der hungrige Nachwuchs rund alle drei Tage Futter, hauptsächlich bestehend aus Fisch und Tintenfisch. Nach 160 Tagen, was vergleichsweise eine sehr lange Zeit ist, wird der Jungvogel flügge. Obwohl von der Eiablage bis zum Flüggewerden weniger als ein Jahr vergeht, brüten die Russalbatrosse nur alle zwei Jahre. Frühestens nach sieben, spätestens nach zehn Jahren kommen die jugendlichen Vögel zu ihrer Geburtsstätte zurück, um sich einen Partner zu suchen. Geschlechtsreif werden 54

In der Luft nützen die Vögel sogar die kleinsten Aufwinde, die sich an den Wellen bilden. Dank seinem Körperbau ist er ein exzellenter Langdistanz-Flieger. sie allerdings erst nach zwölf bis 15 Jahren. Immerhin: Ihren Partner fürs Leben haben sie zu diesem Zeitpunkt längst gefunden. Wie alt Russalbatrosse werden, weiss man nicht so genau. Man schätzt, dass die Vögel 60 bis 70 Jahre alt werden, ähnlich wie die Wander albatrosse: Von denen ist das älteste dokumentierte, sprich beringte Tier 70 Jahre alt geworden. Wissenschaftlich belegt ist nur, dass Russalbatrosse mindestens bis zu ihrem 33. Altersjahr brüten. Futtersuche Eine Studie auf Macquarie Island, bei welcher den Albatrossen Sender montiert wurden, hat erstaunliche Resultate gezeigt: Während der Brutzeit befinden sich die Futtergründe bis zu 1700 Kilometer vom Nest entfernt. Diese liegen ausschliesslich südlich der Brutplätze an der Küste des antarktischen Festlandes. Der Vogel legt also bei einem einzigen «Futtergang» hin und her bis zu 3400 Kilometer zurück. Die durchschnittliche Tauchtiefe liegt bei 5 Meter, es wurden aber auch schon 12 Meter registriert. Die Nahrung besteht überwiegend aus Tintenfisch und Krebstieren, aber auch Fisch und Aas. Letzteres kann bis zu 70 Prozent seiner Nahrung ausmachen. hohes Gewicht. Der Trick, so schwer so elegant zu fliegen, besteht darin, dass er seine langen Flügel beim Fliegen kaum bewegt: Sie sind durch eine lange Sehne über den Rumpf zu einer einzigen grossen Tragfläche verbunden. Diese Segelstellung ist so energiesparend, dass ein Albatros beim Fliegen kaum mehr Energie verbraucht als auf dem Nest sitzend. Ein weiterer Vorteil ist seine Flugtechnik: Albatrosse nutzen die «Hangaufwinde» der einzelnen Wellen als Auftrieb. Aber vor allem die Geschwindigkeitsunterschiede der meeresnahen Luftschichten ermöglichen den Albatrossen tagelanges Fliegen. Indem sie aus der windärmeren Zone über der Wasser oberfläche nach oben stossen, erlangen sie im zunehmenden Wind einen starken Auftrieb. Da sie hierbei aber Geschwindig - keit verlieren, peilen sie rechtzeitig vor dem Absturz wieder zurück nach unten, wodurch sie stark beschleunigt werden. Kurz über der Wasseroberfläche beginnt das Spiel dann von vorne. Die Flugmuskulatur wird so kaum beansprucht. Er kann auf diese Weise tage lang fliegen und die oben beschriebenen langen Wanderungen mit Durchschnittsge schwin - dig keiten von über 50 Stundenkilo metern unternehmen. PolarNEWS Flugtechnik Die grosse Spannweite der Albatrosse lässt vermuten, dass Fliegen für sie kein Problem ist. Dem widerspricht ihr vergleichsweise Die Ringe um seine Augen verleihen dem schlafenden Russalbatros ein Aussehen, als würde er wach seine Umgebung beobachten. Das schreckt mögliche Feinde ab. Polar NEWS 55

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