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PolarNEWS Magazin - 10

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Drei Stockwerke tiefer

Drei Stockwerke tiefer in den «PolarNEWS»-Büros wird hart an mehreren nie erlebt. Deshalb gaben wir am Mikrofon bekannt, dass wir diese Show so zum letzten Mal gezeigt haben, denn dieses Erlebnis hätten wir nicht mehr steigern können. Rosamaria: Um Neues zu entdecken, bereis ten wir vor neun Jahren erstmals die Arktis beziehungsweise Spitzbergen. Als wir daraufhin immer wieder neue Gebiete rund um den Nordpol besuchten, von Grön - land über die kanadische bis zur russischen Arktis, wurden wir mit dem «Arktisfieber» angesteckt. Und doch haben es Ihnen gerade die Pinguine der Antarktis angetan. Weshalb? Rosamaria: Pinguine sind lustige Tiere. Man kann ihnen stundenlang zuschauen und kommt dabei oft ins Lachen. Einmal ist mir bei Regen eine Kamera ausgestiegen, und ich hatte einen halben Tag Zeit, die Pinguine zu beobachten – sie kamen ganz nah ran, haben mich angeschaut und an den Hosen gezupft. Das sind ganz persönliche Momente, die tief gehen. Heiner: Das Problem beim Fotografieren ist, dass man erst zu Hause sieht, wie schön die Reise wirklich war. Wäre es für die Pinguine in der Antarktis und Eisbären in der Arktis nicht besser, von möglichst wenig Menschen besucht zu werden? Heiner: Wir sind ganz klar gegen Massen - tourismus. Aber es wäre auch falsch, wenn niemand hinginge. Denn ein Besucher wird zum Botschafter und erhebt seine Stimme, wenn es in diesem sensiblen Ökosystem beispielsweise zur Öl- oder Goldförderung kommt. Deshalb unterstützen wir kleine Gruppen, aber sicher nicht Schiffe mit 800 Passagieren, die sich mit Champagner vor den vorbeiziehenden Eisbergen zuprosten. Das ist gegenüber der Natur respektlos; Polarregionen sind keine Festhütten. Täuscht der Eindruck, dass Jahr für Jahr mehr Schiffe in der Antarktis zirkulieren? Heiner: Das ist momentan nicht der Fall. So gesehen hat die Wirtschaftskrise eine gute Seite. Im Winter 2007/2008 gab es 46’000 Besucher in der Antarktis. Vergangenen Winter waren es noch 37’000. Für nächsten Winter ist keine Trendwende absehbar. Vor allem aus den USA und aus Grossbritannien gibt es massiv weniger Touristen. Zusätzlich hilft, dass die Vollmitglieder des Antarktis- Vertrages durchsetzen möchten, nur noch Schiffe bis maximal 500 Passagiere sowie Landgänge mit höchstens 100 Besuchern pro Anlandung für die Antarktis zu bewilligen. Rosamaria: Selbst diese Zahlen sind noch riesig. Wir sind nur mit viel kleineren Schiffen unterwegs. Dafür werden wir oft belächelt, denn viele halten kleine Schiffe für minderwertig. Aber das ist natürlich barer Unsinn. Unseren Gästen bleibt viel mehr Zeit, die Tierwelt zu beobachten. Für uns ist das Erlebnis in der Natur entscheidend. Sie organisieren auch Reisen. Heiner: Ja. Wenn wir die ausschreiben, geht es uns primär darum, die Leidenschaft für die Region zu wecken. Unser wahrer Lohn ist, wenn die Teilnehmer nach ihrer Rückkehr zu Hause sagen, dass die Reise sensationell war. Dazu suchen wir in Zusammenarbeit mit dem Veranstalter Kontiki-Saga Reisen die geeigneten Schiffe, Routen und die beste Reisezeit aus, wobei wir heute bereits die Daten bis 2011 festgelegt haben. Über die Zusammenarbeit mit diesem Partner sind wir sehr glücklich. Dazu haben wir neu mit Kuoni drei Reisen zu den Galapagos-Inseln ausgeschrieben. 24 Polar NEWS

was es in den Polargebieten zu sehen gibt. Und wir möchten gerade auch jungen Menschen erklären, was in Sachen Klima - erwärmung, Gewässerverschmutzung oder Walfang passiert. Oft verschicken wir Schachteln mit 25 Exemplaren an Schulen, die PolarNEWS gezielt im Unterricht einsetzen. Ein solches Produkt gab es bis anhin nicht. PolarNEWS hat eine Auflage von 50’000 Stück. Wer sind die Leser? Rosamaria: Lange waren wir im Unge - wissen, wer uns liest. Dank dem Rücklauf eingehefteter Karten wissen wir heute, dass wir eine sehr breite Leserschaft vom Arzt bis zu Kindern haben. Uns erreichen aber auch handgeschriebene, dreiseitige Briefe aus Altersheimen. Weil wir anfangs vor allem über Pinguine berichteten, haben wir noch immer mehr Leserinnen als Leser. Projekten gleichzeitig gearbeitet. Ab Anfang 2010 wird sich auch Rosamaria nur noch für «PolarNEWS» einsetzen. Galapagos? Heiner: Sie haben richtig gehört... Kuoni hat uns angefragt, und wir denken, diese Reise zu veranstalten, ist einen Versuch wert. Quasi als Alternative zu den kalten Gebieten. Und immerhin leben dort ja auch Pinguine. Wo sind Ihre persönlichen Lieblingsorte? Heiner: Momentan ist das Tschukotka im äussersten Nordosten Russlands. Wir versuchen immer wieder, neue Gebiete zu bereisen und der Öffentlichkeit zu zeigen. So gesehen sind wir oft Pioniere. Warum ausgerechnet Tschukotka? Heiner: Bis vor einem Jahr durfte man das Landesinnere von diesen Teil Russlands nicht bereisen, weil es an die USA angrenzt und deshalb für Ausländer Sperrgebiet war. Wir waren im April 2009 die erste ausländische Reisegruppe und fühlten uns wie Robinson Crusoe, der etwas Unbekanntes erforscht. Die Einheimischen Rentier - nomaden waren genauso neugierig auf uns wie wir auf sie und berührten unsere Kleider, weil sie noch nie solche gesehen haben. Solche Erlebnisse reizen mich. Im September 2009 besuchte ich dieses Gebiet abermals. Bei Vankarem, einem dünn besiedelten Küstengebiet, besuchte ich eine Walrosskolonie mit 30’000 Tieren. Das war schlicht überwältigend. Rosamaria: Nun, mein Lieblingsort bleibt die Antarktis und dort besonders Süd - georgien mit den grossen Pinguinkolonien und der bezaubernden Landschaft. Die Ruhe dort ist faszinierend. Wenn ich in dieser Gegend bin, vergesse ich alles andere auf der Welt. Die Ruhe könnten Sie auch in der Wüste finden. Rosamaria: Ich wäre ja nicht abgeneigt, auch mal eine Wüste zu bereisen. Aber Heiner ist es dort definitiv zu heiss. In den letzten fünf Jahren haben Sie neben den Diashows und zahlreichen Reisen neun Ausgaben von PolarNEWS veröffentlicht. Was hat Sie bewogen, ein Magazin zu lancieren? Heiner: Diesen Oktober publizieren wir tatsächlich die zehnte Ausgabe. Die Idee dahinter ist eine Weiterentwicklung unserer Diashows. Wir wollen den Leuten zeigen, Warum bleibt PolarNEWS gratis? Heiner: Wir sammelten die Adressen an den Diashows und wussten nicht, ob es sich um Erwachsene oder Kinder handelte. Danach haben wir uns überlegt, jeweils einen Einzahlungsschein ins Magazin zu heften, aber darauf haben wir verzichtet: Wir wollten nicht jugendliche Leser verlieren, die sind uns besonders wichtig. So kam die Idee auf mit der Antwortkarte und dem Aufruf zu einer Spende. Das funktioniert gut. Mit PolarNEWS wollen wir nicht Gewinn schreiben, sondern den Menschen die polaren Regionen näherbringen. Wer produziert PolarNEWS? Heiner: Rosamaria und ich sowie der Stanser Journalist Christian Hug als Blattmacher. Ich hole die Inserate und Artikel herein, und mit Christian besprechen wir im Vorfeld die Themen. Sadia Hug, die mit Christian nicht verwandt ist und als Grafikerin in Petit-Vivy wohnt, kümmert sich um das Layout. Wir sind ein kleines, sehr effizientes Team. Was sind Ihre nächsten Ziele mit dem Heft? Heiner: Weil wir jährlich nur zweimal publizieren, können wir aktuelle Ent wicklungen kaum berücksichtigen. Deshalb haben wir im » Handarbeit ist immer noch gefragt: Bildlupe am Leuchtpult. Polar NEWS 25

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