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PolarNEWS Magazin - 1

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Expedition

Expedition Treibstofftransporte in die Antarktis eingesetzt, hat aber deshalb wesentlich mehr Ladefläche als die Hercules. Damit können nun mit einem Flug alle wartenden Expedi - tionen mitsamt der aufgestauten Fracht auf einmal transportiert werden. So sitzen wir nun im Bauch der riesigen Iljuschin 76, und jeder macht sich so seine Gedanken über das, was ihn in den nächsten Wochen erwarten wird. Die Fracht ist mit Netzen gesichert, am Boden ist kaum noch freier Platz. Wir sitzen den Wänden entlang auf Klappsitzen. Langsam rollt die Ma schine zum Start. Jetzt heulen die vier Triebwerke auf, die Maschine beschleunigt erst langsam, dann immer schneller, bis sie mit tosendem Lärm abhebt. Endlich wieder unterwegs! Die Flugzeit nach Patriot Hills beträgt vier Stunden. Nach einer Stunde Flug wage ich einen Blick in das zweistöckige Cockpit. Über eine Leiter erreiche ich den oberen Teil. Kaum zu beschreiben, was ich dort oben sehe! Ich bin ja kein Spezialist in Sachen Cockpitbeurteilung, doch das kommt mir doch ein wenig merkwürdig vor: Die Armaturen wirken altertümlich und überholt, und es scheint, dass die Besatzung «hart arbeiten muss», um die Maschine in der Luft zu halten. Ich mache einige Fotos und muss mich beim Runtergehen selber gut zureden: Die haben sicher alles im Griff, ja, die haben sicher alles im Griff. Immerhin: Auf den Sitzplatz der zwei Navigatoren war ich richtig eifersüchtig, denn sie sehen durch die Glasschnauze Wolken und antarktisches Gebirge. Für mich als Fotografen wäre dies eigentlich der ideale Platz zum Fotografieren. Landung auf spiegelglattem Eis Nach dreieinhalb Stunden fordert uns der Flugkapitän auf, wieder Platz zu nehmen, da die Landung kurz bevorstehe. Am Boden signalisieren Sonnenlicht-reflektierende Spiegel den Anfang und das Ende der Piste. Als Richtungsweiser dienen mit Schnee gefüllte schwarze Plastiksäcke, die alle 100 Meter deponiert sind. Über Lautsprecher erfahren wir die Flughöhe: 250 Meter, 200 Meter, 100 Meter, 50 Meter. Ziemlich hart setzt unsere Iljuschin auf. Ein unheimliches Vibrieren geht durch die ganze Maschine. Rumpelnd rollt sie über die Eisfläche, bis wir stillstehen. Geschafft! Als sich die Heckklappe öffnet, schlägt uns die minus 35 Grad kalte Luft wie ein Hammer ins Gesicht. Wir verlassen das Flugzeug und befinden uns auf einer spiegelglatten Eisfläche. Erst jetzt realisieren wir, wie viel Können es erfordert, ein schweres Flugzeug auf dem rutschigen Eis aufzusetzten, das zusätzlich mit einem halben Meter Neuschnee bedeckt ist. Die Piloten sind echte Profis. Patriot Hills ist der Ausgangspunkt unserer Bergsteiger für ihre Besteigung des Mount Vinson, der mit 4897 Metern höchster Berg der Antarktis ist. Für uns Fotografen ist die kleine Zeltstadt mit Wetterstation und Werkstätten nur eine Etappe auf dem Weg zu den Kaiserpinguinen. Allerdings werden wir hier abermals fünf Tage lang auf bessere Wetterbedingungen für den Weiterflug warten müssen. Die Iljuschin startet nur zwei Stunden nach unserer Ankunft zum Rückflug nach Punta Arenas. Auf dem Boden zieht sie eine gigantische Schnee - fahne nach. Kari Zberg – Polarpilot Beim Abendessen filtere ich aus dem Stimmengewirr ein Englisch mit einem Akzent, der mich an einen Steinbrecher erinnert. Ich drehe mich um, schaue diesem Typen ins Gesicht und sage zu ihm: «So spricht nur ein Schweizer englisch.» Schnell kommen wir uns näher und unterhalten uns angeregt. Sein Name ist Kari Zberg. Er ist vor 30 Jahren von der Schweiz nach Kanada ausgewandert, seine Schwester wohnt aber heute noch im urnerischen Flüelen. Schon seit 25 Jahren arbeitet er als Pilot für die Fluglinie First Air. Da er im Winter im nördlichsten Teil Kanadas keine Einsätze hat, verbringt Kari Zberg diese Zeit seit Jahren im Süden. Er flog mit der Twin Otter zwar schon öfters Flüge zum Nordpol, war aber auch schon mehrmals zum Südpol unterwegs. Endlich Kaiserpinguine! Seit Tagen schon werden Fässer voll Flug - Aug in Aug mit den Pinguinen. benzin nach Berkner Island geflogen, weil die noch vor uns liegende Strecke zu den Kaiserpinguinen und wieder zurück zu weit ist, um sie mit nur einer Tankfüllung zu fliegen. Nach fünf Tagen haben sich die Wetter - verhältnisse soweit gebessert, dass wir es wagen können, mit zwei kleineren Flug - zeugen endlich zu den Kaisern der Pinguine aufzubrechen. Vorbei geht es über Eisberge und Gletscher, und schon bald erkennen wir die erste Kolonie von Kaiser - pinguinen, auch wenn sie aus 1000 Metern Höhe nur wie eine braune Ver färbung des Eises aussieht. Schnell finden wir ganz in der Nähe dieser Kolonie einen geeigneten Landeplatz und sind überwältigt von der majestätischen Grösse der Natur. Der Daw - son-Lambton-Gletscher, in der östlichen Weddell Sea, 10 Meilen südlich der englischen Station Halley, ist ein gigantisches Eiswerk mit bis zu 100 Metern Höhe. Unser Camp zu seinen Füssen wird regelmässig von Kaiserpinguinen besucht. Hier werden wir die nächsten sechs Tage verbringen. Ver - lässlich sind hier aber nur die Licht ver - hältnisse, denn es ist zu dieser Jahreszeit während 24 Stunden hell. Ansonsten erleben wir das volle antarktische Wetterprogramm, angefangen von warmem Sonnenschein über Nebel bis hin zu Stürmen mit Windge - schwindigkeiten von über 100 Stundenkilo - metern. In einer stürmischen antarktischen «Nacht» wage ich mich mit einer 8 Polar NEWS

kanadischen Fotografin zur Kaiser - pinguinkolonie, um Aufnahmen im Sturm zu machen. Mit Hilfe von Fähnchen, die wir alle 20 Meter ins Eis geschlagen haben, finden wir später durchgefroren, aber mit guten Bildern im Kasten wieder zu unseren Zelten zurück. Die beste Zeit zum Fotografieren ist zwischen 20 und 5 Uhr, wenn das Licht weich erstrahlt und lange Schatten wirft. Dann ist es besonders schön, auf dem Bauch zu liegen und den Pinguinen zuzusehen. Ich belichte insgesamt 245 Filme in der Hoffnung, viele gute Aufnahmen darunter zu haben, denn wer weiss, wann ich das nächste Mal hierher kommen werde...! Die jungen Kaiser pingu - ine sind besonders neugierig. Sie kommen nahe an uns heran, weil sie spüren, dass wir ihre Freunde sind. Manchmal nähern sie sich so nah dem Objektiv meiner Kamera, dass ich kaum noch auslösen kann. «Unsere» Kolonie umfasst etwa 9000 Tiere. Oft legen die Elterntiere auf der Futtersuche mehrere hundert Kilometer zurück. Teils auf den Füssen, teils auf dem Bauch rutschend, überwinden sie die grosse Distanz. Zurück in der Kolonie und den Kropf voll Futter, erkennen sie ihr Junges unter Tausenden an der Stimme wieder. Mein Besuch bei den Kaiserpinguinen gehört zu den bewegendsten Erlebnissen als Fotograf und Polarfan. Wenn ich heute an die Aufnahmen im Sturm denke, komme ich immer noch sofort ins Schwärmen. Längerer Rückflug als geplant Am sechsten Tag erfahren wir über Funk, Wann kommt Mami endlich vom Fischfang zurück dass wir gutes Flugwetter erwarten können. Also wird gepackt und alles wieder in unsere zwei Flugzeuge verstaut. Kurze Zeit später sind wir bereits in der Luft. Zuerst ist der Himmel bedeckt, aber die Satelliten - Extreme im Sturm; minus 30 Grad Celsius, Sturmböen mit über 100 km/h und Eiskristalle im Innern der Kamera nach dem Filmwechsel ergaben dieses spezielle Foto. Polar NEWS 9

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