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PolarNEWS Magazin - 1

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Wissenschaft Polare

Wissenschaft Polare Regionen haben globale Bedeutung Zwar sind die polaren Regionen, das heisst die Arktis und die Antarktis, für die meisten Menschen weit entfernt. Und doch ist es wichtig, zu wissen, dass die kalten Zonen einen enormen Einfluss auf das Leben des ganzen Globus haben. Ferner ist es bedeutsam, dass polares Leben zum grössten Teil im Meer stattfindet. Die Arktis ist ein Ozean, der von Kontinenten umgeben ist; die Antarktis ist ein Kontinent, der vom strömenden südlichen Ozean umgeben ist. Prof. Dr. David G. Senn, Meeresbiologe an der Universität Basel Die Nahrungskette in Bildern Erste Stufe Ein zentrales Thema der polaren Meeres - biologie sind die Nahrungsketten. Hier geht es um die Frage, wer wen frisst; etwa wenn ein Hering winzige schwebende Krebse frisst, aber selber dann von Robben und Pinguinen gejagt wird. Nun hat ja jede Nahrungskette einen Anfang; und der liegt immer bei pflanzlichen Lebewesen. Pflanzen sind in der Lage, mit Hilfe von Sonnenlicht organische Stoffe aufzubauen. In den obersten lichtdurchfluteten Zonen des Meeres wimmelt es von winzigen (oft einzelligen) Algen, die Photosynthese betreiben und sich rasend schnell vermehren; dies ist die Primärproduktion. Unter Einfluss des Sonnenlichts werden anorganische Sub - stanzen, wie Mineralien und Nährstoffe, Wasser und Kohlendioxid (CO2) umgewandelt; es entstehen nebst freiwerdendem Sauerstoff (O2) auch organische Ver bind - ungen, z.B. Zucker und eine körpereigene Substanz, das Eiweiss. An allererster Stelle sind es die Kieselalgen (Diatomeen), welche die marine Primärproduktion vollführen. Weil das polare Meer so kalt ist, gibt es im Wasser viel gelöstes CO2 und damit eine enorme Primärproduktion. Die Nahrungskette beginnt mit den Kiesel - algen, gleichsam als erste Stufe. Von ihnen ernähren sich Tiere, meistens mikroskopisch kleine Krebschen (kleines Zoo plank ton), welche die zweite Stufe der Nahrungs kette darstellen. Es folgt dann als dritte Stufe das grössere Zooplankton. Das sind beispielsweise grössere Garnelen und Fischlarven. Zur dritten Stufe gehören auch die in Massen schwebenden Leuchtgar nelen, die auch als Krill bezeichnet werden. Als vierte Stufe gelten vor allem Fische und Kalmare in der Grössenordnung bis etwa 20cm. Diese sind nun nicht mehr als (passiv mit der Meeresströmung treibendes) Plank - ton zu bezeichnen, sondern als Nekton (selber aktiv wandernde Tiere). Fische und Kalmare treten als riesige Schwärme auf, zuweilen in Millionen, um dem Angebot der dritten Stufe nachzuschwimmen und es zu nutzen. Tiere der fünften Stufe der Nahrungskette konsumieren Fische und Kalmare. Zu dieser Stufe gehören Thunfische, Schwertfische, Seelöwen, Pinguine (z.B. Kaiser- und Königs - pinguin), Delphine und See-Ele fanten. Auch die Vertreter der fünften Stufe gehören zum Nekton, denn sie machen aus eigener Kraft weiträumige Wanderungen. Es folgt dann eventuell eine sechste Stufe, eine Art Stufe der Endkonsumenten. Prominentester Vertreter ist der Orca-Wal, für den kein Tier zu gross ist, es als Beute zu jagen. Orcas reisen durch die Ozeane, um an bestimmten Küsten Pinguine, Robben und Delphine jagen zu können. Im hohen Norden zählen wir auch den Eisbären zur 6. Stufe. Zur sechsten Stufe gehören auch der Weisse Hai und natürlich der Mensch. Allerdings spielt sich in den Polargebieten jedes Jahr ein grosses Drama ab: die jahrenszeitlichen Wechsel. Der Polarsommer (jeweils im Norden etwa von Juni bis August; im Süden etwa von Dezember bis Februar) ermöglicht mit 24 Stunden Licht am Tag eine üppige Primärproduktion. Alles Leben befindet sich in voller Entfaltung. Doch dann kommen Herbst und Winter; es wird dunkel; es herrscht monatelang Polar - nacht. Ohne Licht gibt es keine Primär - produktion mehr. Die Nahrungskette bricht zusammen. Das kleine Plankton geht in unempfindliche Dauerstadien über, denen die Kälte nichts anhaben kann. Und alle die Tiere, die am sonst üppig gedeckten Tisch nichts mehr finden, wandern weg. Das ist der tiefere Grund, weshalb fast alle Polartiere grosse Wanderungen machen. Wale, Robben, Pinguine und Sturmvögel ziehen in gemässigtere Breiten, wo es noch etwas zu fressen gibt. Sie kehren erst im nächsten Frühling wieder ins üppige polare «Schlaraffenland» zurück. Die Primär - produktion gestaltet sich also im Jahresab - Zweite Stufe Dritte Stufe Vierte Stufe Fünfte Stufe Sechste Stufe 4 Polar NEWS

lauf zyklisch. Auch das Packeis, welches das Meer zudeckt, indem es sich im Winter ausdehnt, und das im nächsten Sommer wieder zurückschmilzt, zeigt die starke rhythmische Bewegung der Jahres zeiten. Nicht immer läuft die Nahrungskette derart strikt Stufe für Stufe ab, wie es eben skizziert wurde. Es gibt auch Unregel - mässigkeiten und vor allem die raffinierte Möglichkeit, Stufen zu überspringen. Berühmtestes Bei spiel sind die Bartenwale. Diese extrem grosswüchsigen Meeressäuger sind eigentlich Endkonsumenten. Sie ernähren sich aber nicht von der nächstunteren, von der fünften Stufe der Nahrungskette. Sie überspringen nämlich zwei Stufen und beziehen ihre Nahrung aus der dritten Stufe. Die Krill-Krebse (Euphausia superba), die etwa 3–5cm gross sind, gehören dem grösseren Zooplankton an. Hinzu kommt, dass auch die Krill-Krebse einen Direktweg in ihrer Ernährung haben. Statt kleines Plankton (zweite Stufe) zu konsumieren, fressen sie direkt Diatomeen, also die erste Stufe der Primärproduktion. Es ist geradezu eine Regel, dass die allergrössten Tiere das kleinste Futter fressen. Bartenwale sind eine Ausnahme in der Nahrungskette. Sie ernähren sich als Endkonsumenten nicht von der nächst unteren Stufe, sondern überspringen deren zwei. JANTZ AG Kühllager- und Industriebau Jantz AG Telefon 044 787 57 87 Roosstrasse 53 Telefax 044 787 57 88 Polar NEWS Postfach 66 E-Mail info@jantz.ch CH-8832 Wollerau Web www.jantz.ch 5 Foto: Heiner Kubny

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