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PolarNEWS Magazin - 1

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Polarbären Wie Rosing

Polarbären Wie Rosing die K Seit mehr als 20 Jahren reist der deutsche Naturfotograf Norbert Rosing mehrmals jährlich in die kanadische Arktis. Hier erzählt er in eigenen Worten, wie er das erste Mal in die Kälte reiste und alles andere als begeistert war. Dazu Polarbärenbilder vom Künstler persönlich. Von Norbert Rosing Mit einem Greyhound-Busticket in der Tasche stehe ich im Februar 1983 in der Zentralbücherei von Winnipeg. Vor wenigen Stunden bin ich hier, von Montreal kommend, eingetroffen. Eigentlich will ich hier nur übernachten und am nächsten Tag meine Reise quer durch Kanada fortsetzen – aber es kommt alles ganz anders! fahren, sind im wahrsten Sinne des Wortes vorerst auf Eis gelegt. Am nächsten Tag sitze ich im Zug nach Churchill, der für die 1600 Kilometer in den Norden 36 Stunden benötigt. Der Morgen der Ankunft ist deprimierend. Ein eisiger Wind fegt durch den grauen, verschneiten Ort, in dem kein Auto fährt, kein Mensch sich zeigt – einfach trostlos. Polarbär (Ursus maritimus) Der Polarbär ist das grösste und stärkste Raubtier in den endlosen Treibeisflächen der Arktis. Ausgewachsene Männchen wiegen 400 bis 600 Kilo gramm. Die Ver breit ung erstreckt sich über den gesamten Treib - eis bereich des nördlichen Eis meeres. Polarbären halten sich vorzugsweise an der Packeisgrenze auf. Hier ist die Robbenjagd am erfolgversprechensten. Polarbären sind aus ge sprochene Fleisch - fresser, sie sind auch hervorragende Schwimmer. Tief gebeugt und in Gedanken versunken, lehne ich über riesige Landkarten der Hudson Bay und der hohen Arktis. Plötzlich unterbricht die Stimme eines jungen Inuk (Eskimo), der sich unbemerkt neben mich gestellt hatte, meine Träume: «Du willst nach Norden?», fragt er mich gelassen. «Um den Zauber der Arktis in dieser Jahreszeit zu erleben, musst du lernen, die Kälte zu lieben», fährt er fort. «Aber du musst nicht bis nach Resolute Bay in die hohe Arktis. Nimm einfach den Zug nach Churchill im Norden Manitobas. Wenn es dir dort noch nicht kalt genug ist, empfehle ich dir den Südpol!» Von dieser Idee bin ich begeistert, und meine Pläne, nach Westen zu Soll das die faszinierende Welt des Eises sein, von der ich so viele traumhaft schöne Bilder sah?, frage ich mich frierend. Den Parka fest zugezogen, den schweren Rucksack auf dem Rücken, kämpfe ich mich, rückwärts gegen den Wind gewandt, die Hauptstrasse entlang zum einzigen geöffneten Hotel. Am nächsten Morgen treffe ich Paul Ratson, der mir die Tundra zeigt. In der kommenden bitterkalten und klaren Nacht sehe ich zum ersten Mal kanadische Polarlichter, und ich versuche, sie zu fotografieren. Ich scheitere jedoch kläglich an splitternden Filmen und einer Kamera, die wegen der Ihre Lebenserwartung beträgt ca. 20 Jahre. Kälte für alle Zeiten den Dienst quittiert. Nach nur knapp zwei Tagen in der Arktis bin ich froh, Churchill und damit die Kälte wieder zu verlassen, diesmal mit dem Flugzeug, um schneller wegzukommen. Ich ahnte damals noch nicht, dass dieser Ort mein zweites Zuhause würde. Seit dieser Zeit gingen viele Jahre ins Land. Aus dem anfänglichen Hobby Naturfoto - grafie ist mein Beruf geworden, der es mir ermöglicht hat, zeitweise in der Welt der Eisbären zu leben. 20 Polar NEWS

älte lieben lernte Jagd und Spiel Links: Die Bärin wirft nach dem Winterschlaf in einer Schneehöhle normalerweise zwei Junge, die bei der Geburt nur ca. 600 gr. wiegen. Die Jungen bleiben bis zu 3 Jahren bei der Mutter. Oben: Zur Futtersuche unternimmt die Eisbärenmutter mit ihrem Nachwuchs oft beschwerliche, tagelang andauernde Wanderungen übers Packeis. Unten: Polarbären sind verspielte Burschen. Hier beschäftigt sich ein Polarbär in der Nähe einer Siedlung mit Zivilisationsmüll, einem ausgedienten Autoreifen. Polar NEWS 21

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