Aufrufe
vor 2 Jahren

PolarNEWS-14

  • Text
  • Polar
  • Arktis
  • Meter
  • Polarnews
  • Antarktis
  • Werner
  • Buenos
  • Nordpol
  • Barneo
  • Flug

1. April: Über

1. April: Über Satellitentelefon erfahre ich, dass Rosamaria und Simon wohlbehütet wieder zurück in Zürich sind. Ziemlich genau 24 Stunden nach unserer Landung treffen die beiden Helis in ZhalouzyII ein. Der eine landet neben dem Zelt, der andere fliegt gleich weiter, um eine genügend grosse Eisscholle zu suchen, auf der das Camp Barneo aufgebaut werden kann. Er wird schnell fündig. Über Funk erfahren wir nach zwei Stunden die Position: 89°10’38,8‘‘ N – 120°07’57,8‘‘ E. Hier soll in diesem Jahr das Camp Barneo errichtet werden. Der erste Heli wird beladen, wir fliegen los. Noch ist Barneo nichts als weites, endloses Eis. Sofort werden zwei Zelte für die Heli- Crew und eines für uns Fallschirmspringer aufgestellt, während der andere Hubschrauber pausenlos hin und her fliegt und das gesamte Material von Zhalouzy II nach Barneo holt. 2. April: Über Nacht... das heisst: Während wir schliefen, denn hier herrscht ja um diese Jahreszeit Polarsommer, also: Während wir schliefen, ist nur rund 500 Meter von unserem Camp entfernt die Eisdecke aufgebrochen und hat eine offene Wasserstelle gebildet – das Eis der Arktis driftet, es ist immer in Bewegung. Für 11 Uhr ist die Iljuschin aus Murmansk mit ihrer zweiten Materiallieferung angekündigt, sie wird planmässig weitere sechs Fallschirm - springer, Material, Treibstoff, zwei Bau - maschinen und Werner abwerfen. Bereits 20 Minuten vor elf arbeitet keiner mehr, alle stehen bereit, um das Abwurf-Prozedere zu beobachten. Doch diesmal ist es schwierig. Die Wolken - decke hängt tief, es herrscht starker Wind, und wir befürchten, dass die Fallschirmspringer abgetrieben werden oder – noch schlimmer – im Wasser landen. Sicherheitshalber startet einer der Helipiloten den Motor: Notfalls kann er abgetriebene Fallschirmspringer bergen. Noch 5 Minuten, die Helipiloten stehen in Funkkontakt mit der Iljuschin, die Leucht - feuer werden gezündet. Schliesslich erscheint das Flugzeug tief fliegend aus dem Nebel. Aus 600 Metern Höhe werden in zwei Anflügen die beiden Traktoren und zwei Plattformen mit Ausrüstungsgegenständen sowie weitere Treibstoffpaletten abgeworfen. Der erste Abwurf wird vom Wind weit in Richtung offene Wasserstelle abgetrieben. Umgehend wird den Iljuschin-Piloten über Funk mitgeteilt, dass die zweite Baumaschine 500 Meter mehr in Richtung Westen abgeworfen werden soll. Doch die Meldung scheint nicht angekommen zu sein: Für ihren zweiten Überflug wählen die Iljuschin-Piloten exakt dieselbe Fluglinie. Nun steigt der Flieger auf 3000 Meter, um das zusätzliche Personal und Werner abspringen zu lassen. Doch o weh: Wegen des heftigen Windes werden die Springer weit abgetrieben. Die meisten von ihnen, auch Werner, landen auf der anderen Seite der Wasserrinne. Sofort steigt der Heli hoch, um die vom Winde verwehten Männer zu bergen. Wir anderen laufen zu den Traktoren, um diese startklar zu machen und den unglücklichen Fallschirmspringern zu Hilfe zu eilen. Als wir zu den Traktoren gelangen, stockt uns der Atem: Einer ist nur 20 Meter neben der Wasserkante gelandet, der andere liegt sogar nur 10 Meter vom offenen Wasser entfernt, seine Fallschirme liegen im Wasser. Es hätte nicht viel gefehlt, nur ein zusätzlicher Windstoss, und das Camp Barneo wäre dieses Jahr nicht aufgebaut worden... Zwei Stunden später sind beide Ketten - fahrzeuge einsatzbereit. Unverzüglich beginnen zwei Mann damit, Schnee wegzuschieben und die Campfläche sowie die Landepiste zu planieren. Das Gerattere der beiden uralten Maschinen dröhnt ohne Pause. Die Stimmung in der Mannschaft ist grossartig: Wer Schicht hat, arbeitet, in den Pausen wird rumgescherzt und gekocht, und natürlich trinken alle gern zu jeder Gelegenheit Wodka. 3. April: Es stürmt und schneit bei minus 26 Grad. Da möchte man lieber im warmen Zelt bleiben. Aber die Zeit drängt, das Camp soll so schnell als möglich bezugsbereit sein. Um 10 Uhr begeben wir uns zur Stelle, wo die Materialplattformen gelandet sind. Camp- Kommandant Jury meint, dass wir zu Fuss auf die andere Seite der Wasserrinne gehen können, er hätte es in der Nacht krachen gehört, die offene Wasserstelle sollte demnach wieder geschlossen sein. Nach 20-minütigem Marsch sind wir dort, und ich staune: Da, wo gestern noch ein riesiges Wasserloch klaffte, türmen sich jetzt die Eisschollen etwa 8 Meter hoch auf. Werner und ich klettern über die Eisklötze und beobachten die Arbeiter beim Bergen der Plattform. Nach einer Stunde kehren wir zurück und müssen feststellen, dass die Eisschollen wieder auseinander treiben. Nach einigem Suchen finden wir eine sichere Stelle und können über einige lose treibende Eisbrocken auf die andere Seite springen. Die Arbeiten im Camp laufen ununterbrochen auf Hochtouren. 4. April: Zum dritten und letzten Mal bringt die Iljuschin aus Murmansk Material, Sprit und weitere vier Fallschirmspringer. Das Prozedere kennen wir inzwischen, und dass das Einsammeln anstrengende Arbeit ist, haben mir meine schmerzenden Knochen klargemacht. Kaum sind die Kettentraktoren ausgepackt und funktionstüchtig, beginnt die Arbeit: Die Landepiste wird planiert. 54 Polar NEWS

Am Nachmittag ist die Landebahn fertig, mit Schnee gefüllte schwarze Abfallsäcke markieren deren Verlauf. Schon am Abend landet darauf zum ersten Mal die Antonov An-74, die in Longyearbyen stationiert ist. Dieses Frachtflugzeug ist mit 36 Tonnen Startgewicht sehr viel kleiner als die Iljuschin und kann deshalb auf dem Eis landen. Ob dieses aber dem Gewicht standhält, konnte bei der ersten Landung niemand im Team garantieren... Die Antonov bringt die blauen Zelte und Material für den Aufbau des eigentlichen Touristencamps. Und das Personal, das das Camp in den nächsten Wochen führen wird: Funker, Köche, Eisspezialisten und Victor Bojarsky: Der Mann, der als Mitglied der Expedition Transantarctica 1989/90 die Antarktis zu Fuss durchquerte, übernimmt die Leitung des Camps. Mit an Bord ist auch Alexander Orlov, der Big Boss der ganzen Unternehmung. Er ist sichtlich zufrieden mit der geleisteten Arbeit und fliegt zwei Stunden später, als die Maschine entladen ist, wieder zurück nach Long - yearbyen. Dort macht die Antonov keine Pause: Sie wird umgehend wieder beladen und fliegt zurück aufs Eis. 5. April: «Nachts» um 4 Uhr landet die Antonov zum zweiten Mal. Diesmal bringt sie auch den englischen Prinzen Harry mit, der sich hier mal umschauen will, wie er der ihn begleitenden Presse erzählt. Die Antonov wird in den nächsten vier Wochen nichts anderes tun, als zweimal täglich von Longyearbyen zum Camp Barneo und wieder zurück zu fliegen: Denn mit ihr fliegen auch die Touristen ins Camp. Prinz Harry war der erste. Neben Touristen werden auch Forscher und Politiker kommen und Abenteurer, die den letzten Längengrad vom Camp zum Nordpol auf Skies bewältigen. Im Fallschirmspringer-Camp, das etwas abseits vom Touristencamp steht, kommt langsam, aber sicher Aufbruchstimmung auf. Ihr Job ist getan, zu Hause warten Frau und Kinder. Und warmes Wetter. Wie üblich in der russischen Arktis will der Trupp seinen Einsatz mit einem Bad im Polarmeer beenden. Dazu haben eine Handvoll Männer schon am Vorabend begonnen, mit Pickel, Brechstangen und einer Motorsäge einen Pool ins Eis zu bauen. 5 Meter lang, 2 Meter breit und 2,5 Meter tief ist das Teil: Durch ein Loch im Boden drückt das Meerwasser durch und füllt den Pool innert Minuten. Was nun folgt, erscheint mir surreal: Sämtliche Fallschirmspringer kommen in knappen Badehosen aus dem Zelt, lachen und johlen und hechten unerschrocken ins minus 2 Grad kalte Wasser. Doch damit nicht genug: Sie steigen aus dem Pool und johlen nun noch Polar NEWS mehr, «wir Ruskis haben Strom im Blut», schreit Kommandant Jury in den Wind hinein, «Kälte ist für uns harte Jungs kein Problem!» Und während er das sagt, bilden sich bei minus 26 Grad und Wind Eiszapfen auf seinem Brusthaar. Auf seiner roten Badehose prangen gross die Buchstaben CCCP. Die ganze Fallschirmspringer-Crew, Werner und ich besteigen am Abend die Antonov nach Lonyearbyen. Statt der geplanten zehn Tage Dreharbeiten waren wir sechs Wochen unterwegs... Die beiden Helis mitsamt der Besatzung bleiben hier, sie werden in den nächsten Wochen die Touristen zum Nordpol fliegen. Auf Spitzbergen trennen sich unsere Wege. Wehmütig nach dieser kurzen, aber intensiven Zeit fallen wir uns vor ihrem Weiterflug nach Moskau in die Arme. Jury, der Mann mit dem CCCP auf seiner Badehose, meint, seine Crew habe sich anfangs sehr geärgert, als sie erfahren habe, dass Ausländer diesen Film drehen Die Crew in Longyearbyen macht die Antonov startklar. Lager-Chefin Margarita überwacht das Verladen des Materials. Die Arbeit ist getan: Unser Pilot dreht zum Abschied eine Ehrenrunde über dem fertig erstellten Camp Barneo. sollen. Jetzt aber sei er froh. Wir hätten, sagt Jury, einen guten Job gemacht. PolarNEWS Mit PolarNEWS zum Nordpol PolarNEWS organisiert 2012 zwei Expeditionsreisen zum Nordpol. April 2012 10. – 16. April 2012 Mit dem Flugzeug über Longyearbyen zum Eiscamp Barneo Juli 2012 18.7. – 2.8.2012 Mit dem stärksten Eisbrecher der Welt von Murmansk über Franz-Joseph-Land zum Nordpol. Näheres erfahren Sie über: www.polar-reisen.ch oder Tel. +41 44 342 36 60 55

© 2015 by PolarNEWS • Redaktion Heiner Kubny – Impressum