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Der Mount Vinson (Gipfel rechts im Bild) ist mit 4892 Metern der höchste Berg der Antarktis und somit einer der Seven Summits. am Mount Vinson mittlerweile jedes Jahr weit über 100 Bergsteiger tummeln. Und das nur in der kurzen Sommersaison von November bis Ende Januar. Der Mount Vinson avancierte zu dem am häufigsten besuchten und bestiegenen Berg des Kontinents, sieht man einmal vom 230 Meter hohen Ausflugshügel Observation Hill nahe der US-Polarstation McMurdo ab. Ich hatte vor zehn Jahren das Glück, zwei Mal die kleine US-Polarbasis Vinson Basecamp am Fusse des Berges leiten zu dürfen und den Bergriesen fünf Mal zu besteigen. Damals kamen lediglich ein paar Dutzend Bergsteiger. Die Faszination bleibt Die antarktische Stille und Ruhe schenkten mir einige der intensivsten Erfahrungen meines Lebens. Seitdem hat sich aber am Berg viel getan. Die abenteuerlichen Zeiten, in denen man als einzelner Basecamp-Manager in diesem gewaltigen Massiv teilweise auf sich alleine gestellt war (ich einmal sogar 12 Tage am Stück), sind vorbei. Seit der Übernahme der Pionierorganisation durch «Antarctic Logistics and Expeditions» wurde das Vinson Basecamp ausgebaut und mit mehreren Personen besetzt und auch das legendäre Landungs- und Ausgangslager bei den Patriot Hills durch ein neues und witterungsbegünstigteres am Union Glacier ersetzt. Am Mount Vinson selbst legt man seit 2007 die «Normalroute» nicht mehr über die von Eisschlag bedrohte Headwall zum Vinson-Shinn-Sattel, sondern über einen steilen, aber objektiv sicheren Eishang entlang der Vinson-Westwand, wo Fixseile angebracht werden. All das hat dem Berg nichts von seiner Faszination genommen. Das Glück auf diesem exklusiven Berg und die Ausblicke über die Ellsworth Mountains zu geniessen, lässt nach wie vor jedes Bergsteigerherz jubilieren! Nur wenige Alpinisten machten sich aber bisher auf, die Gebirge Antarcticas abseits des imageträchtigen Vinson-Massivs zu erforschen: Zu aufwändig die Logistik, zu hoch die Kosten, zu unbekannt die Bergwelt. Antarctica umfasst eine schier unüberschaubare Anzahl noch unbestiegener Berge: Vom Dach des Kontinents in der Sentinel Range über die einsamen Züge des Trans ant - arktischen Gebirges, die schwindelerregenden Felstürme des Dronning-Maud-Lands und die komplexen Schönheiten der Antarktischen Halbinsel bis hin zu dem sturmumtosten Gipfeln des subpolaren Inseljuwels Südgeorgien im Südatlantik. Die spektakulärsten und bizarrsten Berge des Kontinents sind in Dronning-Maud-Land zu finden. Erst eine Handvoll der Gipfel wur de von insgesamt knapp drei Dutzend Alpin - isten bestiegen, darunter so bekannte Namen und Spitzenbergsteiger wie Robert Caspersen und Ivar Tollefsen (1994 und 2006), Conrad Anker, Alex Lowe und Jon Krakauer (1997), Alain Hubert, Andre Georges und Ralf Dujmovits (2000), Cestmir Lukes (2000), Mike Libecky (2003 und 2006) oder Stefan Siegrist mit Thomas und Alex Huber (2008 – siehe PolarNEWS Nummer 9). Die Pioniere unternahmen aber nicht nur grossartige kombinierte Eis- und Felstouren. Einigen der besten Kletterern der Welt gelangen sogar schwierigste Big-Wall-Klettereien unter den wohl härtesten Kletterbedingungen der Erde – an Bergen mit so klingenden Namen wie Ulvetanna (Wolfszahn), der auch als das Matterhorn der Antarktis gilt, Holtanna (Hohlzahn) oder Rakekniven (Rasierklinge). Wertvolle Pionierarbeit leistete auch der Australier Damien Gildea, der über Jahre hinweg immer wieder in die Sentinel Range reiste, um die höchsten Berge zu besteigen und neu zu vermessen. Das alpinistische Potenzial des sechsten Kontinents wurde gerade erst entdeckt und bietet Neuland noch für ganze Generationen abenteuerhungriger Alpinisten. PolarNEWS Christoph Höbenreich, 43, ist promovierter Geo - graph und Sportpädagoge im Tirol. Er verbrachte auf 13 Expeditionen und Polarreisen über eineinhalb Jahre in Eis und Schnee der Arktis und Antarktis und gilt als Österreichs polarerfahrenster Berg- und Skiführer. Polar NEWS 45

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