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hin und

hin und wieder bricht die Sonne durch die Wolkendecke. Genau das Richtige für eine kleine Wanderung über weichen Tundraboden mit unzähligen Fotostopps. Svalbard-Mohn, verschiedene Steinbrecharten und sogar Pilze lassen beinahe jeden auf die Knie gehen.. Fantastisch, wie die Farben der Blüten, der Moose und Flechten leuchten, umrahmt von Bergen, Gletschern und dem Meer. Hier sieht es völlig anders aus als das Bild, das sich die meisten Leute von der Arktis machen. Auch am Nachmittag am Monacobreen, einer der bekanntesten Gletscherfronten, sind unsere Gefühle zweigeteilt: Hohe Berge, massive Gletscher und Eis im Wasser sind zwar untrügliche Zeugnisse der Arktis; aber gleichzeitig scheint die Sonne, und die Temperaturen sind auf der eher angenehmen Seite. Das Resultat der globalen Erwärmung?, fragt sich mancher insgeheim. Jedenfalls geniessen wir die ruhige und friedliche Atmosphäre. Doch nicht für lange: Ein Eisbär auf einer kleinen Insel der Andøyane! Unverzüglich bringt Kapitän Alexey Nazarov das Schiff in eine geeignete Halteposition, während wir eilig die Schlauchboote bemannen. Gespannte Aufmerksamkeit macht sich breit. Doch der Bär spielt Verstecken mit uns. Zuerst noch näher am Ufer, verzieht er sich bald in eine Senke in der Mitte der Insel, um sich auszuruhen und Energie zu sparen. Denn der Sommer ist die Fastenzeit für Eisbären, und wenn nur wenig Nahrung zu finden ist, müssen längere Ruhepausen eingelegt werden. Und wir gelangen unversehrt zurück an Bord der «Plancius». Dafür präsentieren sich andere Tiere umso lebendiger, zum Beispiel die Eiderenten, die auf den Inseln nisten und als Namensgeber der Enteninseln dienen. Herrlich, wie die schwarz-weissen Erpel und die fast perfekt getarnten Enten vom Wasser zu ihren Brutplätzen watscheln und wie Küstenseeschwalben im Sonnenlicht über dem Wasser schweben auf der Suche nach Nahrung. ZAUBERHAFTE SZENERIE Kann die Szenerie noch besser werden? O ja, sie kann! Denn die weiter nördlich gelegenen Sieben-Inseln (Sjuøyane), die uns zuerst mit Nebel empfangen, sind genau das, was wir uns zu Hause unter «Arktis» vorgestellt haben: Eis und Schnee sind immer noch an den Hängen zu sehen, Pflanzenwuchs ist praktisch nicht sichtbar, im Wasser treiben Eisschollen… und eine grosse Zahl Walrosse. Auch am Strand liegen mindestens 100 der urtümlichen Kolosse dicht an dicht und ruhen sich von der Suche nach Muscheln, ihrer Hauptnahrung, aus. Diese Ruhe strahlt auch auf uns aus. Wir geniessen das Schauspiel, obwohl uns hin und wieder eine Wolke der Marke «Chanel Walrus» entgegenweht. Eines ist sicher: Dieses Parfum wird es nicht in die Geschäfte der Zürcher Bahnhofstrasse schaffen. Hin und wieder können wir auch das Sportprogramm von Walrossen beobachten. Es ist schon spektakulär, wie die Tiere ihre bis zu 1,5 Tonnen schweren Körper hochwuchten und wie wendig sie sich bewegen können. Die Stosszähne, die wie Dolche aus den Schnauzen ragen und derentwegen die Tiere an den Rand der Ausrottung getrieben wurden, leuchten aus dem rostbraun-roten Gewimmel der Leiber heraus. Einfach grossartig und faszinierend! EISBÄREN! Doch gestreng dem Motto «Und wenn man glaubt, es kann nicht mehr besser werden, kommt es knüppeldick» wird der Nachmittag zum grossartigen Spektakel: Delphine und Kapitän Nazarov haben die «Plancius» ins Eis geführt, um nach Robben und vor allem nach Eisbären Ausschau zu halten. Und tatsächlich: Kaum sind wir im Eis, entdecken wir unseren ersten Bären – der allerdings von uns weg wandert. Doch gleich darauf finden die Expeditionsguides einen weiteren, diesmal schlafenden Bären auf einer Scholle. Gekonnt steuert der Kapitän unser Schiff zur Scholle, und wir werden Zeugen, wie Eisbären aufwachen. Doch damit nicht genug: Das Tier hat uns gewittert und will herausfinden, was sich da seiner Scholle genähert hat. Der Bär kommt näher und näher, bis er schliesslich direkt an der Bordwand steht und zu uns hoch blickt. Ein atemberaubender Moment, der von unzähligen Kameras festgehalten wird. Niemand scheint mehr zu atmen. Nur das Klicken der Fotoapparate ist zu hören. In der glatten Wasseroberfläche zwischen den Schollen spiegelt sich das Tier perfekt und bietet ein unglaubliches Bildmotiv. Mehr als 15 Minuten bleibt das imposante Männchen bei uns, bevor es weiter seiner Wege geht. Noch haben wir uns nicht richtig von diesem einzigartigen Moment erholt, als bereits der nächste Eisbär entdeckt wird und der direkt in unsere Richtung läuft. Auch dieses Männchen kann seine Neugier nicht bezähmen und kommt vorsichtig näher an die «Plancius» heran. Nur wenige Meter vom Schiff entfernt bleibt der Eisbär stehen und begutachtet uns, die Nase immer wieder in die Luft haltend. Eisbären sind mit einem sehr sensiblen Geruchssinn ausgestattet. Auch dieser Bär

12 – 13 bleibt länger als eine Viertelstunde am Schiff, um dann wieder weiter über das Eis zu ziehen, auf der Suche nach Robben. Wir können unser Glück kaum fassen und sind noch voll euphorisch, als auf einer Eisscholle gleich eine ganze Gruppe von Eisbären entdeckt wird, und auch diese Bären scheinen keinerlei Eile zu haben. NOCH MEHR EISBÄREN! Als wir langsam näher kommen, wird uns klar, wie viel Glück wir haben: Insgesamt sechs (!) Eisbären sind um eine frisch geschlagene Bartrobbe versammelt, drei davon fressen genüsslich und friedlich an den Überresten. Ihre roten, blutverschmierten Gesichter blicken immer wieder in unsere Richtung, sie lassen sich aber nicht stören. Die Zeit scheint stillzustehen. Sprachlos betrachten wir die gleichermassen unheimliche und faszinierende Szene, hören das Brummen und Brüllen der Bären und das Geschrei der Möwen, das Knacken des Eises und das Summen des Schiffs. Einer der Bären folgt seiner Neugier und kommt mit vorsichtigen Schritten näher an uns heran. Sein Gesicht ist komplett eingefärbt mit dem Blut der Robbe. Er setzt sich nahe bei uns einfach hin, betrachtet uns eine Weile und kehrt dann zum Kadaver zurück. Eine Stunde sitzen wir schon da und haben weder Kälte noch Hunger noch Durst gespürt und kaum ein Wort gesprochen. Doch langsam wird es Zeit, das schaurige Mahl zu verlassen und uns wieder in Richtung Süden zu wenden. Die Bilder werden uns noch lange begleiten… zumindest bis zum nächsten Morgen. Denn Spitzbergen steckt voller Überraschungen. DIE GROSSE WAL-SHOW Am nächsten Morgen fahren wir bereits in der Hinlopenstrasse und wollen gerade ein leckeres Frühstück geniessen, als das Schiff eine scharfe Drehung vollführt und wir die Durchsage erhalten, dass Buckelwale hinter uns gesichtet worden sind. Soviel zum Thema «ruhiges Frühstück». Kamera und Jacke geschnappt und nichts wie raus an Deck. Tatsächlich sind nur ein paar hundert Meter vom Schiff entfernt Kreise im Wasser zu sehen,wo die Wale noch vor ein paar Sekunden zuvor aufgetaucht waren. Unzählige Dreizehenmöwen und Eissturmvögel, Eismöwen und Dickschnabellummen sitzen in der Nähe auf dem Wasser. Sie bilden ein ideales Wal-Auftauch-Frühwarnsystem, denn sie fliegen immer dorthin, wo ein Wal gerade auftauchen wird. Tatsächlich stieben die Vögel urplötzlich auseinander, und schon steigen die Giganten aus der Tiefe auf. Drei Meter hohe Blaswolken, dunkle Rücken und zum Schluss riesige Fluken lassen unsere Herzen höher schlagen und die Finger auf den Auslösern kleben. Und schon verschwinden die sanften Riesen wieder in der Tiefe, um erneut kleine Fische und Krebse an die Oberfläche zu treiben. Wir stehen gespannt an der Reling und spähen in alle Richtungen, bis wieder das charakteristische Ausschnaufen zu hören ist, diesmal hinter uns. Zwei Wale schwimmen tatsächlich in Richtung unseres Schiffes! Einmal auftauchen, zweimal auftauchen und schon sind sie direkt vor unserem Bug. Was für ein Augenblick! Knapp unter der Wasseroberfläche schwimmen die beiden Wale direkt an uns vorbei. Wir können die fünf Meter langen weissen Flipper genau erkennen, die Follikel auf dem Kopf… und sogar die einzelnen Markierungen auf der Fluke, als beide Tiere abtauchen. Jetzt gibt es kein Halten mehr: Jeder freie Platz an der Reling wird bemannt, die Kameras werden neu eingestellt. Gespanntes Warten. Wo sind die Vögel? Endlich wieder das Brummen des Ausatmens, direkt hinter uns… und dann taucht der erste Wal direkt quer zum Schiff unter dem Kiel langsam auf, und alles geschieht wie in Zeitlupe: Das Auftauchen der Blaslöcher an die Oberfläche, das Aufklappen und die Entstehung der Blaswolke, der Rücken und die Flipper, die Finne, und zum Schluss die Fluke… alles ist ganz genau sichtbar! Und dann kommt Nummer zwei mit derselben Show. Ungläubiges Schweigen auf Deck. Geschieht das wirklich? Oder ist das nur ein Traum? Schon kommen die Tiere wieder an die Oberfläche, mit weit geöffneten Mäulern und klar sichtbaren Barten, der Kehlsack riesig aufgebläht mit Wasser und Krill. Frühstücken auf Walart. Eine halbe Stunde lang sind die Wale ums Schiff herum mit Fressen beschäftigt, bis sie weiterziehen… und wir vor Freude auf dem Vordeck tanzen. Und das vor dem Frühstück.

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